1. Sandhausen 15 66
2. Aalen 8 64
3. Regensburg 15 61
4. Heidenheim 12 60
5. Erfurt 9 57
6. Burghausen 8 57
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Ein Stück zurück: Klaus Iwanzik
02.10.11

Mit der Reihe "Ein Stück zurück" erinnert das Stadionmagazin "DRIN!" seit einem Jahr an Ballkünstler vergangener Tage, aber auch an Fußballgrößen, die in der jüngeren Vereinsgeschichte für Furore sorgten. Einige Beiträge werden in loser Folge auch auf vfl.de veröffentlicht: Heute das Porträt von Klaus Iwanzik.


1952 fuhr er mit dem Bus von Meppen nach Osnabrück, um den VfL in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft zu sehen. Neun Jahre später trug er selbst das Trikot der Lila-Weißen und klopfte vernehmlich an das Tor der neu gegründeten Bundesliga. Mit dem VfL klappte es nicht, doch Klaus Iwanzik bekam bei Fortuna Düsseldorf eine zweite Chance und stieg 1971 in die Beletage des deutschen Fußballs auf.

Von Meppen nach Osnabrück

Klaus Iwanzik wurde am 5. September 1940 im damals ostpreußischen Prostken geboren. Gegen Ende des Zeiten Weltkriegs verschlug es die Familie in ein dänisches Flüchtlingslager. Die Großmutter, die bereits im Emsland lebte, organisierte eine Zuzugsgenehmigung und holte Kinder und Enkelkinder 1947 in den Westteil der noch gar nicht gegründeten Bundesrepublik.
Kaum angekommen entdeckte Klaus seine Begeisterung für das runde Leder, auch wenn er die ersten Versuche in Wesuwe noch nicht als Karrierebeginn gelten lassen will. „Du liebe Güte, wir haben damals mit einer Schweinsblase gespielt. Wenn die kaputt war, mussten wir warten, bis der Bauer wieder schlachtete. Richtig los ging es erst 1951.“ Die Familie zog nach Meppen, Klaus Iwanzik besuchte das örtliche Gymnasium und trat dem erst vier Jahre zuvor gegründeten SV Union Meppen bei. 1955 wechselte der flinke Halbstürmer zum  bekannteren Stadtrivalen und empfahl sich über die A-Jugend für die 1. Mannschaft des SV Meppen, mit der er 1961 in die Amateuroberliga aufstieg. Der frisch gebackene Abiturient wollte eigentlich Sport und Englisch studieren. Doch daraus wurde nichts.

Auf der Schwelle zur Bundesliga

Denn der Wunsch, „so hoch wie möglich zu spielen“ war noch größer. Klaus Iwanzik zog nach Osnabrück, begann eine Ausbildung zum Bankkaufmann und unterschrieb einen Vertrag bei den Lila-Weißen, die in der Oberliga Nord, der höchsten Spielklasse im Nordwesten Deutschlands, antraten. Unter Trainerfuchs Hellmut Meidt wurde Iwanzik nach und nach zum Verteidiger umgeschult, entwickelte aus der defensiven Position aber einen unwiderstehlichen Vorwärtsdrang. „Ich habe Meidt gesagt, dass ich das Angriffsspiel mit ankurbeln will. Er war einverstanden, und das hat auch hervorragend funktioniert. Helmut Bensmann kam über die andere Seite, ich glaube, wir waren wirklich die ersten offensiven Außenverteidiger!“
1962/63 hatte der VfL gute Chancen, sich für die neu gegründete Bundesliga zu qualifizieren. 16 Mannschaften durften teilnehmen, drei sollten aus der Oberliga Nord kommen. Der Hamburger SV und Werder Bremen waren allerdings gesetzt. Die Langzeitwertung der letzten Jahre sprach für den VfL, doch auch Eintracht Braunschweig rechnete sich noch gute Chancen aus. Am 21. Oktober 1962 kam es zum direkten Duell.

Iwanzik auf Lattek

„In dieser Situation sollte man eigentlich vom Osnabrücker Fußballpublikum etwas mehr Interesse erwarten. Schließlich steht nicht nur für den VfL die Bundesliga auf dem Spiel, sondern auch für die Zuschauer. Oder ist das alles völlig egal …?“

Am Montag nach dem Spiel las die Tageszeitung den lila-weißen Fans ordnungsgemäß die Leviten. „Nur“ 10.000 waren zur Bremer Brücke gekommen, alle anderen hatten ein denkwürdiges Spiel verpasst, in dem Udo Lattek nach 23 Minuten das 1:0 aus spitzem Winkel erzielte. Kurz vor der Pause erwies sich Erwin „Ata“ Türk als sicherer Elfmeterschütze und brachte die Lila-Weißen mit 2:0 in Führung. Als Ernst Saalfrank den Anschlusstreffer in die Maschen des Osnabrücker Tores nickte, stieg die Spannung in diesem dramatischen Spiel auf den Siedepunkt.
Doch da war ja noch Udo Lattek, den Klaus Iwanzik beim Probetraining beobachtet und Präsident Friedel Schwarze nachdrücklich empfohlen hatte. Beide spielten zehn Minuten vor dem Ende einen sehenswerten Doppelpass, den Lattek zum 3:1 einschob.
Viele Jahre später sprachen die ehemaligen Mannschaftskollegen über die berufliche Zukunft - im allgemeinen und besonderen: „Udo war inzwischen Assistent von Bundestrainer Helmut Schön und hatte ein Angebot von Bayern München. Ich habe ihm gesagt: ´Wenn du beim DFB bleibst, hast du Ruhe und wirst irgendwann Bundestrainer. Wenn du zu Bayern gehst, kannst du viel Geld verdienen und die ganz große Karriere machen.´“  Wie lange Udo Lattek brauchte, um sich zwischen diesen beiden Alternativen zu entscheiden, ist nicht überliefert …

Aufstieg im zweiten Anlauf

Der VfL gewann das Spiel gegen Braunschweig, verpasste nach einer verunglückten Rückrunde aber den Aufstieg in die Bundesliga, in der fortan die Eintracht spielte und 1967 sogar Deutscher Meister wurde. Im selben Jahr verließ Klaus Iwanzik den VfL Richtung Düsseldorf. Gut möglich, dass er selbst von dieser Entscheidung am meisten überrascht war. Denn eigentlich hatte er bereits ein Grundstück am Harderberg erworben, und eigentlich wollte er den Mannschaftskollegen Günter Pröpper nur zum Probetraining begleiten. Doch die Fortuna, die gerade aus der Bundesliga abgestiegen war, hatte auch an dem Reisebegleiter reges Interesse, organisierte ein passendes Paar Fußballschuhe und verpflichtete am Ende ein rundes Dutzend neuer Spieler. Unter ihnen auch Klaus Iwanzik, der besondere Konditionen aushandelte. „Ich war nun in Düsseldorf bei der Deutschen Bank beschäftigt und musste bis 14.00 Uhr arbeiten. Also auch nur einmal am Tag trainieren ...“
Für einen Stammplatz in der legendären Elf von Heinz Lucas, die sich bis 2009 an jedem letzten Wochenende im November zum anekdotenreichen Wiedersehen traf, reichte es trotz reduzierter Übungseinheiten. Nach 143 Punktspielen (20 Tore) für den VfL bestritt Klaus Iwanzik  für die Fortuna weitere 106 Partien (4 Tore) und erreichte 1971 endlich sein großes Ziel. Die Flingeraner setzten sich in der Aufstiegsrunde gegen Borussia Neunkirchen, den FC St. Pauli, den 1. FC Nürnberg und Wacker 04 Berlin durch und stiegen in die 1. Bundesliga auf.

Elf Jahre Spielertrainer

Ein Jahr später verließ Klaus Iwanzik die Fortuna und kehrte in die alte Heimat zurück. „Das hatte vor allem berufliche Gründe“, erinnert sich der gelernte Bankkaufmann. „In der Bundesliga gab es damals maximal 1.500 Deutsche Mark im Monat. Prämien wurden nur gezahlt, wenn man von Verletzungen verschont blieb und tatsächlich spielte.“ Iwanzik entschied sich für die sichere Variante, nahm eine Festanstellung bei der Commerzbank an und wechselte später als Anlageberater zur Sparkasse Emsland.
Trotzdem spielte der Fußball weiter eine wichtige Rolle in seinem Leben. 1972 wurde er Spielertrainer beim TuS Lingen und absolvierte bis 1980 noch einmal rund 200 Einsätze. Iwanzik gewann mehrere Meisterschaften, führte den Verein zum Aufstieg in die Landesliga und zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Oberliga Nord. Anschließend löste er ein altes Versprechen ein und ging zu seinem Jugendverein Union Meppen, wo er noch einmal als Spielertrainer aktiv war. 1983, im allemal fortgeschrittenen Alter von 43 Jahren, stellte er Stollen und Stutzen endgültig in die Ecke.
Genau 20 Jahre später kam es zu einem überraschenden Comeback, wenn auch nicht auf dem grünen Rasen. „TuS Lingen war auf der Suche nach einem Sportlichen Leiter. Da konnte ich natürlich nicht nein sagen. Es ging ja auch nur um eine Übergangszeit.“ Die aber immerhin zwei Jahre dauerte und 2008/09 noch einmal fortgesetzt wurde. „Jetzt ist aber wirklich Schluss“, lacht Klaus Iwanzik, der heute in Meppen lebt und längst das Tennisspielen für sich entdeckt hat. „Ich habe mit dem Fußball so viel erlebt, irgendwann muss es genug sein.“
Über die aktuelle Lage bei seinen alten Vereinen ist er trotzdem bestens informiert und gerät nur in Gewissensnöte, wenn Osnabrück und Düsseldorf in einer Liga spielen. Mit den Rot-Weißen feierte er den größten Erfolg seiner Laufbahn, doch auch die Lila-Weißen sind ihm ans Herz gewachsen. Bis heute gibt es Kontakte zu ehemaligen Mitspielern und viele schöne Erinnerungen: „Wir hatten eine tolle Kameradschaft. Ohne Neid und Missgunst. Und die Fans, die waren auch damals schon großartig. Echte Freunde der Mannschaft!“


Von: Thorsten Stegemann




 

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