1. Sandhausen 15 66
2. Aalen 8 64
3. Regensburg 15 61
4. Heidenheim 12 60
5. Erfurt 9 57
6. Burghausen 8 57
7. VfL 11 55
8. Offenbach 7 55
9. Chemnitz 4 55
10. Saarbrücken 10 54
11. Stuttgart II -3 50
12. Münster -4 50
13. Bielefeld -6 50
14. Darmstadt 4 49
15. Unterhaching 4 44
16. Wehen -8 44
17. Babelsberg -15 44
18. Oberhausen -10 39
19. Jena -20 39
20. Bremen II -41 22
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Im Blickpunkt: Arminia Bielefeld
07.04.11

Freitagabend, Flutlichtatmosphäre und ein Derby, das die Fans beider Seiten elektrisiert: Das sind optimale Voraussetzungen für ein packendes Fußballspiel, doch diesmal steht das traditionsreiche Duell zwischen dem VfL Osnabrück und Arminia Bielefeld unter ungünstigen Vorzeichen. Die Ostwestfalen steigen mit hoher Wahrscheinlichkeit in die 3. Liga ab, und die Lila-Weißen stecken ebenfalls tief im Tabellenkeller.


Berg- und Talfahrten

1987/88 erlebte Bielefeld bereits ein ähnliches Desaster wie 2010/11. Ein Vierteljahrhundert lang hatte sich der Klub im Profifußball behauptet, den Favoriten immer wieder Paroli geboten, für das Mitspielen im Konzert der Großen aber auch einen hohen Preis bezahlt. 1987 überquerte der Schuldenstand die Vier-Millionen-Grenze, nur der Verzicht einiger Gläubiger sowie Benefizspiele retteten den Verein vor dem Verlust der Lizenz. Eine konkurrenzfähige Mannschaft bekam Bielefeld allerdings nicht mehr zusammen und stieg als Tabellenletzter in die Oberliga Westfalen ab.
In den „vermeintlich fetten Jahren“ hatte man „über seine Verhältnisse“ gelebt (O-Ton Vereinschronik auf www. arminia-bielefeld.de). Das rächte sich nun, denn Arminia brauchte sieben lange Jahre, um wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden. Mitte der 90er ging es dann allerdings steil bergauf. Bielefeld gelang nicht nur die Rückkehr in die Zweitklassigkeit, sondern auch gleich der „Durchmarsch“ in die Bundesliga. Bis heute folgten vier Abstiege und drei Aufstiege.
2009/10 verpassten die Ostwestfalen dann die direkte Rückkehr ins Fußball-Oberhaus. Stattdessen zog die DFL im März 2010 vier Punkte aufgrund von Verstößen gegen die Lizenzierungsordnung ab. Kurze Zeit später war von einer Finanzlücke in Höhe von 12 Millionen Euro die Rede. Die Lizenz stand abermals auf der Kippe. Wie vor 22 Jahren gelang es dem Verein, den drohenden Kollaps abzuwenden, doch die finanzielle Schieflage hatte erhebliche Auswirkungen auf die Zusammenstellung des Kaders für die Saison 2010/11.
Der neue Cheftrainer Christian Ziege bekam diesmal nicht den Auftrag, Platz 1 bis 3 zu belegen. Den Verantwortlichen ging es zunächst nur um eine Bestandssicherung, aber die vielen jungen, oft unerfahrenen Spieler wurden mit dieser Aufgabe offenbar überfordert. Zieges Nachfolger Ewald Lienen, der in den 70ern und frühen 80ern selbst für die Arminia gespielt hatte, versuchte durch die Nachverpflichtung einiger gestandener Profis mehr Stabilität zu erreichen. Doch auch ihm blieb der Erfolg versagt. Am Ende der Hinrunde hatte Bielefeld 14 von 17 Spielen verloren. Nur bedingungslose Optimisten mochten noch an ein Wunder glauben.

Arminen in Nahaufnahme

Fast 40 Spieler setzte Arminia Bielefeld in der laufenden Saison ein. Nur Keeper Dennis Eilhoff sowie die Abwehrspieler Markus Schuler und Baldassare di Gregorio kamen auf mehr als 20 Einsätze.
Doch die permanente Rotation konnte den Absturz des Traditionsvereins ebenso wenig verhindern wie die rekordverdächtige Zahl von sieben Neuverpflichtungen in der Winterpause.
Dennis Eilhoff, der von der „Süddeutschen Zeitung“ nach Bekanntwerden seiner Mitgliedschaft bei den „Boys Bielefeld“ zum „Ultra zwischen den Pfosten“ ernannt wurde, erlebt die schwierige Situation nicht nur als Aktiver, sondern auch als vermutlich größter Fan im aktuellen Kader. 1996 kam er über Delbrück und Paderborn zu den Arminen – als Nachwuchsspieler und begeisterter Zuschauer. Es dauerte lange und bedurfte eines Umweges über die TuS Koblenz, bis er sich als Stammtorwart durchsetzen konnte, doch seit 2008 besticht der reaktionsschnelle Keeper, ganz unabhängig vom Tun und Lassen seiner Vorderleute, regelmäßig durch herausragende Leistungen. 2009/10 hielt er seinen Kasten acht Spiele in Folge sauber und überbot damit den Zweitligarekord von Andreas Reinke, der für St. Pauli 1993/94 siebenmall „zu Null“ gespielt hatte.
Nach 15 Jahren Vereinszugehörigkeit stehen die Zeichen nun allerdings auf Abschied: „Ich will so hoch spielen, wie es geht! Und ich habe ja schon gezeigt, dass ich in der Bundesliga gute Leistung bringen kann ...“, gab Eilhoff kürzlich zu Protokoll. Lienen ersetzte den abwanderungswilligen Schlussmann zuletzt durch Patrick Platins, der lange Jahre das Tor der U23 des VfL Wolfsburg gehütet hatte.
Urgestein Rüdiger Kauf, Spitzname „Rübe“, könnte den Arminen dagegen noch einige Zeit erhalten bleiben. Der Kapitän hat eine mehrmonatige Verletzungspause gut überstanden und denkt darüber nach, das Ende seiner Laufbahn noch einmal zu verschieben: „Ich werde meine Karriere definitiv in Bielefeld beenden. Wann das ist, kann ich noch nicht sagen.“
Den Fans, die den desaströsen Auftritt ihrer Mannschaft beim 0:3 gegen 1860 München mit dem Sprechchor „Außer Rübe könnte ihr alle gehen“, quittierten, werden es gerne hören, denn der gebürtige Schwabe, der seine ersten Profieinsätze für den VfB Stuttgart absolvierte, ist längst „eingemeindet“.
In den letzten zehn Jahren bestritt der inzwischen 36-jährige fast 300 Pflichtspiele für die Ostwestfalen und überzeugte dabei stets durch seine unermüdliche Lauf- und Einsatzbereitschaft. Übrigens nicht nur die Bielefelder Fans, sondern auch Mannschaftskollegen wie Mathias Hain, der Kaufs Gegenspielern einen offenbar nicht ganz ernstgemeinten Rat gab: „Den musst Du schon abknallen, sonst hört der nie auf zu laufen!“
Sebastian Heidinger hat bei den Arminen-Anhängern deutlich weniger Kredit. Auf die Frage von Radio Bielefeld, ob die Pfiffe der Fans nach dem Spiel gegen 1860 München berechtigt gewesen seien, antwortete der 26-jährige: „Man kann sie schon verstehen. Ich weiß aber nicht, ob es der Sinn ist, dann hierher zu kommen. Dann sollen sie halt zuhause bleiben!“ Heidinger, der bereits über 130 Punktspiele für den SC Pfullendorf, Fortuna Düsseldorf und Bielefeld absolvierte, entschuldigte sich anschließend per SMS. Er sei „total sauer und enttäuscht“ gewesen. Dabei spielt Heidinger selbst keine schlechte Saison. Der Mittelfeldmann ist mit vier Treffern neben Josip Tadic bester Torschütze seines Teams und geht Zweikämpfen selten aus dem Weg. Er sah bereits sieben gelbe und eine gelb-rote Karte – deutlich mehr als in jeder anderen Spielzeit seiner bisherigen Laufbahn.
 
Nur vier Lichtblicke

Vier Siege in 30 Pflichtspielen – sehr viel schlimmer könnte die Bilanz nicht ausfallen. Arminia Bielefeld gewann in der laufenden Saison nur das Erstrundenspiel im DFB-Pokal gegen Jahn Regenburg (6:5 n.E.), die Heimspiele gegen Ingolstadt (1:0) und den VfL Osnabrück (2:1) sowie das Gastspiel beim MSV Duisburg (2:1). Fünf Partien endeten unentschieden, 21 gingen verloren.
Wer trotz der missglückten Hinrunde an eine Kehrtwende im Neuen Jahr geglaubt hatte, sah sich schnell getäuscht. Die erhoffte Aufholjagd begann schleppend (1:1 zuhause gegen Frankfurt) und kam in den Spielen gegen Cottbus (1:2) und Hertha (1:3) vollends zum Erliegen. Nach der knappen Niederlage in Ingolstadt (0:1) gab es eigentlich nur noch theoretische Chancen auf den Klassenerhalt. Der Verein stellte die Weichen deshalb auf Neuanfang: Ende März wurde der 32-jährige Samir Arabi als neuer Sportlicher Leiter verpflichtet. Wie es mit der Arminia weitergeht, ist dennoch unklar: Anfang dieser Woche wurde bekannt, dass den Verein 27 Millionen Euro Schulden drücken.


Von: Thorsten Stegemann




 

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