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Im Blickpunkt: FC Schalke 04 09.02.10
Nächster Fußballfeiertag in der osnatel ARENA! Am Mittwoch empfängt der VfL Osnabrück im letzten Viertelfinale des DFB-Pokalwettbewerbs den FC Schalke 04. Der Sieger der Partie spielt in der Runde der letzten vier um den Einzug ins große Finale, das am 15. Mai 2010 im Berliner Olympiastadion ausgetragen wird.

Das Stadion ist seit drei Monaten ausverkauft, das ZDF überträgt die Partie live zur besten Sendezeit. Für ein Millionenpublikum ist also gesorgt, und Brisanz steckt ohnehin in dem Duell zweier Traditionsvereine, die sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht oft, aber immer wieder begegneten. Vor 20 Jahren standen sich Lila-Weiß und Königsblau in der ersten Runde des DFB-Pokals gegenüber. Seinerzeit gewann der VfL 3:1 nach Verlängerung und revanchierte sich so für die Pokalniederlage aus der Saison 1979/80. Vor nunmehr 30 Jahren hatten die Schalker das Achtelfinale im eigenen Stadion mit 2:0 für sich entschieden. Auch in den zehn Zweitligapartien, die zwischen 1981 und 1991 ausgetragen wurden, spielten beide Mannschaften zumeist auf Augenhöhe. Osnabrücker und Gelsenkirchener feierten jeweils vier Siege, zwei Spiele endeten unentschieden.
Doch Anfang der 90er Jahre trennten sich die Wege. Während der VfL zwischen Zweit- und Drittklassigkeit hin- und herpendelte, stieg Schalke 04 in die 1. Liga auf, gewann UEFA-Cup (1997) und DFB-Pokal (2001 und 2002) und wurde nach dem denkwürdigen Saisonfinale 2000/01 immerhin "Meister der Herzen". Doch mit den sportlichen Erfolgen stiegen auch die Ansprüche, denen nach Trainerlegende Huub Stevens (1996-2002) bis dato kein Übungsleiter mehr gerecht werden konnte. Unter Frank Neubarth, Marc Wilmots, Jupp Heynckes, Ralf Rangnick, Mirko Slomka, Fred Rutten oder dem "Triumvirat" Mike Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck blieben die Knappen immer wieder hinter den Erwartungen zurück. Der Gewinn der ersten Deutschen Meisterschaft seit 1958 glückte dem mittlerweile hoch bezahlten Starensemble, das mit der Veltins-Arena eines der schönsten Stadien der Republik bekam, ebenso wenig wie die regelmäßige Qualifikation für die lukrative Champions League. Dafür stiegen die Verbindlichkeiten des Klubs - nach Branchenschätzungen auf den Rekordwert von 250 Millionen Euro.
Trotzdem hielt Geschäftsführer Peter Peters noch im Sommer dieses Jahres nichts davon, Fußballvereine durch öffentliche Gelder zu konsolidieren. "Immer dann, wenn öffentliche Mittel eingreifen, verzerrt das den Wettbewerb", erklärte Peters und bemängelte außerdem, "dass unternehmerische Fehlentscheidungen der Vereine durch eine Reduzierung der Stadionmieten oder die kostenlose Bereitstellung von Infrastruktur aufgefangen werden." Drei Monate später brauchten die Schalker dann selbst öffentliche Gelder, um einen finanziellen Kollaps abzuwenden. Die Gesellschaft für Energie und Wirtschaft, eine 100-prozentige Tochter der Stadt Gelsenkirchen, erwarb für 15 Millionen Euro Anteile an der Stadionbesitzgesellschaft des FC, der außerdem ein Darlehen von 10,5 Millionen bekam. Seitdem diskutieren Befürworter und Kritiker des Millionendeals über die Frage, ob hier eine restlos überschuldete Kommune ihre wohlhabendsten Bürger subventioniert - oder ob Schalke für Gelsenkirchen so "systemrelevant" ist wie die angeschlagenen Banken für das deutsche Wirtschaftssystem. Und (nicht nur) die "Financial Times" neigt - mit einigem Bauchgrimmen - zur zweiten Antwort: "Fußball ist in Gelsenkirchen noch bedeutsamer als anderswo, der FC Schalke gehört zu den wichtigsten Arbeitgebern der verarmten Stadt, er ist der leuchtende Mittelpunkt des Lebens vieler Menschen dort."
Das Hauptaugenmerk des Erfolgstrainers Felix Magath, der im Sommer als Deutscher Meister vom VfL Wolfsburg nach Gelsenkirchen wechselte, gilt gleichwohl dem sportlichen Bereich und hier deutet vieles auf eine positive Zukunft hin. Nach der überzeugenden Hinrunde, in der Magath ohne neue Superstars auskam und stattdessen Nobodys wie Lukas Schmitz, Joel Matip oder Christoph Moritz zu hoffnungsvollen Bundesligaspielern entwickelte, rangierte Schalke auf dem zweiten Tabellenplatz. In den drei Spielen nach der Winterpause gegen Bochum (2:2), Hoffenheim (2:0) und Freiburg (0:0) blieb Magaths Team ebenfalls ungeschlagen, ließ aber auch den einen oder anderen Punkt liegen. Derzeit steht der Klub auf dem 3. Tabellenplatz.
Auch im Pokal kamen die Schalker bislang gut zurecht. In Runde eins hatte NRW-Ligist Germania Windeck erwartungsgemäß das Nachsehen (0:4), und der VfL Bochum (0:3) und 1860 München (0:3) konnten dem FC ebenfalls wenig entgegensetzen.
Vor dem Spiel gegen den VfL Osnabrück scheinen die Rollen also klar verteilt, aber das waren sie - zu Ungunsten der Lila-Weißen - auch vor den Pokalspielen gegen Hansa Rostock, den Hamburger SV und Borussia Dortmund ...
Von: Thorsten Stegemann
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