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Im Blickpunkt: Hertha BSC 19.11.10
Hält die Flutlichtserie der Lila-Weißen auch gegen den Topfavoriten der 2. Bundesliga? Heute Abend gibt es die Antwort, allerdings erst zu vorgerückter Stunde. Das Heimspiel des VfL Osnabrück gegen Hertha BSC wird um 20.30 Uhr angepfiffen.

Unternehmen Wiederaufstieg
"Die Tabelle nimmt langsam Formen an!". Nach dem 4:0-Heimsieg gegen den Karlsruher SC war Hertha-Manager Michael Preetz sichtlich gut gelaunt. Am 5. Spieltag eroberte sein Team erstmals die Tabellenführung, und kaum ein Experte hegt ernsthafte Zweifel daran, dass die "alte Dame" auch am 15. Mai 2011 ganz oben steht. Vom "Platz an der Sonne" mag trotzdem niemand sprechen, denn dass Hertha BSC überhaupt in der 2. Bundesliga spielt, ist für eingefleischte Fans weit mehr als der schnell zitierte Betriebsunfall. Immerhin spielte der Traditionsverein in der Aufsehen erregenden Saison 2008/09 noch um die Deutsche Meisterschaft. Den Titel mussten die Hauptstädter schließlich dem VfL Wolfsburg überlassen und die Qualifikation für die Champions League wurde ebenfalls knapp verpasst. Doch mit dem vierten Tabellenplatz, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigte, waren die Verantwortlichen am Ende zufrieden. In der darauffolgenden Spielzeit hätte man schließlich einen neuen Angriff starten können, doch die unfriedliche Trennung von Manager Dieter Hoeneß sorgte für Unruhe vor und hinter den Kulissen. Außerdem fanden die Berliner keinen gleichwertigen Ersatz für die abwandernden Leistungsträger Marko Pantelić, Josip Å imunić oder Andrij Woronin. Hertha BSC gewann das Auftaktspiel gegen Hannover 96 und kassierte dann sechs Niederlagen in Folge. Lucien Favre, gerade noch Erfolgstrainer, musste seinen Hut nehmen, aber auch Nachfolger Friedhelm Funkel konnte das Blatt nicht mehr wenden. Am Ende einen restlos frustrierenden Spielzeit holte sich die Mannschaft einen Rekord, den kein Herthaner haben wollte: 16 Heimspiele ohne Sieg "gelangen" nicht einmal dem SC Tasmania 1900 Berlin, der seit der "Horrorsaison" 1965/66 (8:60 Punkte, 15:108 Tore) als erfolgslosester Bundesligist aller Zeiten gilt. Der heutige Bezirksligist kam nur auf 15 sieglose Partien und verbuchte wenigstens im ersten und letzten Heimspiel Erfolge gegen den Karlsruher SC (2:0) und Borussia Neunkirchen (2:1). Ein anderes Ziel als den direkten Wiederaufstieg hätte man in der Hauptstadt kaum vermitteln können. Mit dem neuen Trainer Markus Babbel und einem Etat von geschätzten 33 Millionen Euro wurde das Unternehmen denn auch umgehend in Angriff genommen. Im Mittelpunkt stand dabei der Umbau des Kaders. Nach dem Abstieg verließen 18 Spieler den Verein.
Das Vertrauen ruht nun auf den wenigen verbliebenen Akteuren und zahlreichen Neuverpflichtungen. Daniel Beichler (Sturm Graz), Nikita Rukavytsya (Twente Enschede), Pierre-Michel Lasogga (Bayer Leverkusen U19), Andre Mijatovic (Arminia Bielefeld), Rob Friend (Borussia Mönchengladbach), Christian Lell (Bayern München), Marco Sejna (FC Ingolstadt), Maikel Aerts (Willem II Tilburg), Ronny (Uniao Leira), Kaka (zuvor ausgeliehen an Omonia Nikosia), Nico Schulz und Sebastian Neumann (beide eigene Jugend) unterschrieben einen Vertrag beim Aufstiegsaspiranten, der betont gelassen mit seiner Favoritenrolle umgeht. "Wir sind der FC Bayern der Zweiten Liga, dem stellen wir uns", erklärte Manager Preetz, und wer sich die Zusammensetzung des Kaders anschaut, wird dem 43-jährigen, der in 227 Spielen einst selbst 93 Tore für Hertha BSC erzielte, kaum widersprechen. Die Berliner verfügen in allen Mannschaftsteilen über hochkarätige Alternativen, sodass auch schwerwiegende Ausfälle - Kapitän Andre Mijatovic laboriert noch immer an einer Schienbein- und Knieverletzung schnell kompensiert werden können.
(Fast) unbezwingbar
"Mit Spielern wie Raffael, Friend oder Ramos hätte ich mindestens genauso viele Punkte geholt und noch mehr Tore erzielt", spottete Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz, nachdem der TuS Koblenz übrigens im Gegensatz zu den Lausitzern - ein echter Husarenstreich gelungen war. Der Drittligist, der in der 2. Runde des DFB-Pokals mit 2:1 die Nase vorn hatte, stellt damit eine von zwei Mannschaften, die sich in der laufenden Saison über einen Sieg gegen Hertha BSC freuen konnten. Paderborn gelang ebenfalls ein dreifacher Punktgewinn (1:0), Union Berlin (1:1) und Alemannia Aachen (0:0) konnten aus den Begegnungen mit dem Ligaprimus wenigstens einen Punkt retten. Davon abgesehen gaben sich die Berliner, die am vergangenen Montag den VfL Bochum besiegten (2:0), kaum eine Blöße, gerieten aber in Schwierigkeiten, wenn sich vermeintliche Underdogs selbstbewusst, ballsicher und zweikampfstark präsentierten. Sowohl Oberhausen als auch Ingolstadt machten im Olympiastadion keine schlechte Figur, auch wenn sie das Spiel am Ende mit 2:3 (RWO) beziehungsweise 1:3 (FCI) verloren geben mussten. Auch Regionallist SC Pfullendorf hielt in der 1. Runde des DFB-Pokal gut dagegen. Eine gute Stunde stand es 0:0, dann bewiesen Ramos und Friend ihre individuelle Klasse und köpften ihr Team in die nächste Runde.
Den kompletten Vorbericht mit Spielerporträts und einer kleinen VfL-Hertha-Historie können Sie am Freitag in der neuen "DRIN!" lesen.
Von: Thorsten Stegemann
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