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Im Blickpunkt: Karlsruher SC 08.11.10
Am 8. November findet in der osnatel ARENA das erste Montagsspiel der laufenden Saison statt. Um 20.15 Uhr empfangen die Lila-Weißen den Karlsruher SC.

Rücktritte und Hoffnungsträger
Den triumphalen Erfolg, den der Vorgängerverein Phönix Karlsruhe am 30. Mai 1909 mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft feierte, peilten die KSC-Verantwortlichen in den vergangenen Jahren sicher nicht an. Aber etwas mehr als 2. Bundesliga hätte es schon sein dürfen. Seit dem Abstieg im Jahr 2009 steckt Sand im Getriebe des badischen Traditionsklubs, der vor exakt einer Woche Cheftrainer Markus Schupp entließ. In der vergangenen, über weite Strecken enttäuschenden Saison stand nur Platz 10 zu Buche, und auch in der neuen Spielzeit suchen die Karlsruher noch nach sportlichen Erfolgsrezepten. Überdies deuteten sich auf der Jahreshauptversammlung im September erhebliche finanzielle Probleme an. Der Verwaltungsratsvorsitzende Peter Mayer bezifferte das drohende Haushaltsloch auf 3,64 Millionen Euro. Präsident Paul Metzger und Stellvertreter Arno Glesius gaben am selben Abend ihren Rücktritt bekannt, und auch Vize Rolf Hauer will nicht noch einmal antreten, wenn die nächste Mitgliederversammlung am 17. November ein neues Präsidium wählt. Bis dahin leitet Hauer die Geschicke des Vereins mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Ingo Wellenreuther, der vom Amtsgericht als "Notpräsident" bestätigt wurde. "Lage schwierig, Aussicht gut", schrieb das Fachmagazin "kicker" gleichwohl über die aktuelle Situation des Karlsruher SC. Der Klub habe schließlich ein "junges Team mit guten Perspektiven" und könne sich außerdem darauf verlassen, dass die "Talent-Quelle im Karlsruher Wildpark" munter weitersprudele.
Boy-Group im Einsatz der KSC in Nahaufnahme
Tatsächlich zeichnete sich schon vor Saisonbeginn ein deutlicher Umbruch bei den Badenern ab, von deren weitsichtiger Jugendarbeit einst auch die gebürtigen Karlsruher Mehmet Scholl und Oliver Kahn profitierten. Mit Michael Blum, Antonio da Silva, Markus Miller, Lars Stindl und Dino Drpic verließen gestandene Profifußballer den KSC, und der vom 1. FC Köln ausgeliehene Marvin Matip heuerte beim neuen Ligakonkurrenten FC Ingolstadt an. Christopher Bieber, Matthias Cuntz, Thomas Konrad, Stefan Müller, Lukas Rupp, Christopher Nguyen und Andreas Voglsammer wurden stattdessen aus der eigenen Jugend in den A-Kader befördert. Mit ihnen stießen der 22-jährige Stefan Rieß (Bayern II) und Torhüter Luis Robles (Kaiserslautern) zum Team. An Erfahrung fehlt es den Karlsruhern allerdings nicht. Allein Stürmer Aleksander Iaschwili kann auf über 350 Spiele in der 1. und 2. Bundesliga nebst zahlreichen Einsätzen für die georgische Nationalmannschaft zurückblicken. In seinem Heimatland war Iaschwili, der ein Jahrzehnt zum "Inventar" des SC Freiburg gehörte, bereits zweimal "Fußballer des Jahres". Am 23. Oktober feierte er seinen 33. Geburtstag, doch an das Karriereende denkt der Georgier, der sich weniger durch seine enorme Trefferquote als durch Führungsqualitäten und mannschaftsdienliches Verhalten auszeichnet, noch lange nicht. Sein Vertrag läuft bis 2013. Auch Anton Fink gehört mit seinen gerade 23 Jahren bereits zu den alten Hasen. Fink kam als Neunjähriger zum TSV 1860 München und spielte für die U23 der Löwen von 2005 bis 2008 in der damals drittklassigen Regionalliga Süd. Mit dem Wechsel zur Spielvereinigung Unterhaching begann sein bis dato erfolgsreichstes Jahr. In 38 Drittligaspielen erzielte Fink 21 Treffer und wurde Torschützenkönig der Saison 2008/09. In seinem ersten Jahr beim KSC war er an 14 Treffern als Torschütze (8) oder Vorbereiter (6) unmittelbar beteiligt. Auf der Torwartposition des KSC entwickelte sich in dieser Saison ein regelrechter Verdrängungswettbewerb. Der vermeintliche Stammkeeper Kristian Nicht, der 2009 vom achtmaligen norwegischen Meister Viking Stavanger in der Wildpark gewechselt war, musste seinen Platz nach der Niederlage in Frankfurt räumen und kuriert derzeit eine Operation am Innenmeniskus aus. Konkurrent Jeff Kornetzky konnte die Chance allerdings nicht nutzen und verlor den Posten des Ersatzkeepers sogar an Nachwuchsmann Mathias Moritz. Der Franzose habe "lustlos, desinteressiert und leblos gewirkt", begründete Cheftrainer Markus Schupp die ungewöhnliche Maßnahme: "So etwas kann ich nicht dulden. In Sachen Disziplin muss ich durchgreifen!" Seit dem Spiel in Ingolstadt steht nun Luis Robles zwischen den Pfosten. Der 26-jährige US-Amerikaner mit puerto-ricanischen Wurzeln, der von den ksc.de-Usern umgehend zum "Spieler des Tages" gewählt wurde, absolvierte ein Länderspiel für die USA und stand zuletzt beim 1. FC Kaiserslautern unter Vertrag.
Luft nach oben
Vor Saisonbeginn bezeichneten einige Leistungsträger des KSC den Aufstieg in die Bundesliga als "machbar" und mussten sich vom "kicker" gleich darauf fragen lassen: "Hoppla, warum so optimistisch?" Doch ein Verein, der nach 24 Jahren in der Beletage auf Platz 16 der "Ewigen Bundesliga-Tabelle" rangiert, darf nach oben schauen und muss es wohl auch, um die erwartungsfrohen Fans bei Laune zu halten. Trotzdem gehört der Karlsruher SC momentan zweifellos nicht zum engeren Kreis der Aufstiegsaspiranten. Nach dem enttäuschenden Ausscheiden im DFB-Pokal (0:2 in Ingolstadt) misslang auch die Saisonpremiere in Fürth, wo das Team mit 1:4 unter die Räder kam. Es folgten ein klarer 3:0-Sieg gegen Alemannia Aachen, das denkwürdige 5:5 von Cottbus und ein weiterer 2:1-Heimerfolg gegen den SC Paderborn. Aus den anschließenden vier Spielen gegen Hertha (0:4), Frankfurt (0:2), Ingolstadt (1:1) und Bochum (0:2) holten die Badener nur einen einzigen Punkt. Nach einem 0:3 in Duisburg trat der KSC am vergangenen Samstag im heimischen Wildpark gegen 1860 München an. Die Partie endete 2:4. Cheftrainer Markus Schupp musste daraufhin seinen Hut nehmen und wurde bis auf weiteres durch U23-Coach Markus Kauczinski ersetzt.
Den kompletten Vorbericht mit weiteren Spielerporträts und einer kleinen VfL-KSC-Historie können Sie ab Montag in der neuen "DRIN!" lesen.
Von: Thorsten Stegemann
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