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Im Blickpunkt: Kickers Offenbach
17.09.11
Zum Abschluss dieser englischen Woche steht für die Lila-Weißen das nächste attraktive Heimspiel auf dem Programm. Die Partie gegen den traditionsreichen „Offenbacher Fußball Club Kickers 1901 e.V.“ wird am Samstag um 14.00 Uhr angepfiffen.

Frustbewältigung
Elf Siege, drei Unentschieden, zwei Niederlagen: Nach dem 16. Spieltag der Saison 2010/11 war die Welt der Kickers noch in Ordnung. Doch dann kam der Tabellenführer und Aufstiegsaspirant aus dem Tritt und verlor erst sein Erfolgsrezept, dann die Cheftrainer Wolfgang Wolf und Thomas Gerstner und auch Manager Andreas Möller. Als Rückrunden-18. (!) landeten die Hessen in der Gesamtaddition auf einem enttäuschenden 7. Tabellenplatz und wiederholten damit die Ergebnisse der Jahre 2008/09 und 2009/10. Der Frust saß tief und entlud sich noch nach Beginn der neuen Spielzeit in einem Clinch mit der örtlichen Tageszeitung. In dessen Verlauf protestierte der Verein gegen die als einseitig empfundene Berichterstattung der „Offenbach Post“ und vor allem gegen die Kommentarfunktion des Internetportals www.op-online.de. Kommentiert wird immer noch, aber die Aufregung hat sich wieder etwas gelegt. Es gibt wichtigere Dinge für den OFC, der zuletzt 13 von 15 möglichen Punkten einsammelte. Zum 1. Juli 2012 will der Verein unter der Leitung von Ex- Profi Suat Türker eine eigene Fußballschule gründen. Außerdem wird am ruhmreichen Bieberer Berg fleißig gebaut, um – ebenfalls bis zum Sommer 2012 - eine moderne Ein-Rang-Arena im „englischen Stil“ zu errichten. Das Sparda-Bank-Hessen-Stadion wird gut 20.000 Zuschauern Platz bieten. Mit ihnen kann der Deutsche Vizemeister von 1950 und 59, der 1970 den DFB-Pokal gewann, allerdings nur rechnen, wenn es gelingt, ein Stück weit an die Erfolge früherer Zeiten anzuknüpfen.
Der Kader
„Offenbach ist Tradition pur und hat natürlich den Anspruch, oben mitspielen zu wollen“, weiß der neue Trainer Arie van Lent, der trotzdem oder gerade deswegen vor einer besonders schwierigen Aufgabe steht. Der 41-jährige, der für Borussia Mönchengladbach einst 54 Tore in 144 Spielen erzielte, muss nicht nur sparen und den Wechsel von Toptorjäger Olivier Occean (16 Tore in 30 Spielen) zu Greuther Fürth kompensieren. Mit Nils Teixeira und Alexander Huber (beide FSV Frankfurt), Denis Berger (Bochum) oder Steffen Haas (Karlsruhe) haben weitere Leistungsträger den Verein verlassen. Dennoch kann van Lent auf ein Gerüst zweit- und drittligaerfahrener Spieler bauen, das von Keeper Robert Wulnikowski, den Defensivspezialisten Christopher Lamprecht und Markus Husterer und den Mittelfeldakteuren Sead Mehic, Daniel Gunkel und Elton da Costa gebildet wird. In der Liste der Neuzugänge fehlen die prominenten Namen, doch Stefan Hickl und Marc Stein (beide FSV Frankfurt), Stefan Vogler (SpVgg Greuther Fürth –vor allem für die zweite Mannschaft im Einsatz) oder Lars Bender und André Hahn (beide TuS Koblenz) konnten sich bei ihren bisherigen Vereinen oft überzeugend in Szene setzen. Zuletzt wurde noch der bis dato vereinslose Mittelfeldspieler Matthias Schwarz verpflichtet. Immerhin 13 Spieler im aktuellen Kader wurden 1988 oder später geboren. Zu den jungen Wilden gehört auch Pascal Testroet. Der 20-jährige sorgte im vergangenen Mai für Schlagzeilen, als er am letzten Bundesligaspieltag trotz der akuten Personalnot des SV Werder Bremen nicht zum Einsatz kam und anschließend Trainer Thomas Schaaf via Facebook kritisierte. Testroet zahlte Lehrgeld in Form einer vorübergehenden Suspendierung und wechselte im Sommer nach Offenbach. Sein Selbstbewusstsein überstand die Reise nach Hessen allerdings schadlos. „Ich bin ein typischer Strafraumstürmer und möchte meinen Teil dazu beitragen, dass wir erfolgreich spielen und das Maximale aus der neuen Saison herausholen. Ich hatte auch einige Anfragen aus der 2. Liga, doch die Perspektive bei den Kickers hat mich überzeugt“, gab Testroet zu Protokoll und ließ den markigen Worten schnell Taten folgen. Der ehemalige Jugendnationalspieler, der in 59 Spielen für Bremens U23 insgesamt 15 Tore erzielt hatte, traf beim Saisonauftakt in Heidenheim, beim ersten Heimspielerfolg gegen Sandhausen und erzielte auch den Führungstreffer gegen Babelsberg. Zuletzt markierte er den Führungstreffer beim 4:0-Sieg gegen seinen Ex-Verein.
Aufwärtstrend
Mit einer unglücklichen 1:2-Niederlage in Heidenheim ging es in die Saison, dann gewann der OFC 2:0 gegen Sandhausen, um das zweite Heimspiel mit 1:4 gegen Unterhaching abzuschenken. „Die sind da einfach durchspaziert, so schießt jede Mannschaft vier Tore gegen uns“, schimpfte van Lent, doch Chemnitz gelangen dann nur zwei. Nach dem 0:2 in Sachsen holten die Kickers allerdings sieben Punkte aus den Spielen gegen Oberhausen (1:0), Jena (2:1) und Babelsberg (1:1). Die Partien in Bremen (4:0) und gegen Stuttgart (2:0) brachten weitere sechs Punkte.
Lila-Weiß gegen Rot-Weiß
Die Bilanz der bisherigen Begegnungen in den Ligen 2 und 3 könnte ausgeglichener nicht sein. Beide Vereine gewannen vier Spiele, vier weitere endeten unentschieden. Doch da war ja noch der 19. Juni 1999, der die Lila-Weißen den Aufstieg in die 2. Bundesliga kostete. Die Kickers waren dafür freilich nur bedingt verantwortlich, denn der Meister der Regionalliga Nord hätte sich schon in den Relegationsspielen gegen den Nordost-Champion direkt qualifizieren können. Doch der VfL verlor nach einem 1:0-Erfolg an der Bremer Brücke das Rückspiel in Chemnitz mit 0:2 und musste den Umweg über die Deutsche Amateurmeisterschaft nehmen. Bei Eintracht Trier gelang den Lila-Weißen der wichtige erste Sieg (3:2), und auch im entscheidenden Heimspiel gegen Kickers Offenbach sah es gut aus, nachdem Christian Claaßen schon in der 20. Minute das 1:0 besorgte. Doch die Hessen erzielten im zweiten Durchgang den Ausgleich und kurz vor dem Abpfiff sogar den Siegtreffer. Der VfL musste den Aufstieg um ein Jahr verschieben. Im regulären Ligabetrieb konnte Offenbach allerdings nur ein einziges Mal in Osnabrück gewinnen, und das 1:2, das die Mannschaft von Bernd Hoss im August 1981 hinnehmen musste, liegt schon 30 Jahre zurück. Die letzten drei Heimspiele gingen allesamt an den VfL. Im März 1989 und im Januar 2010 gewannen die Lila-Weißen mit 1:0, im Mai 2008 hieß es am Ende 3:0. Osnabrück sicherte sich damit den Klassenerhalt in Liga 2, Offenbach stieg wegen der schlechteren Tordifferenz im Vergleich zum FC Augsburg in die 3. Liga ab.
Von: Thorsten Stegemann
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