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Im Blickpunkt: SC Preußen Münster
09.09.11
Das letzte Duell zwischen dem VfL Osnabrück und dem SC Preußen Münster liegt lange zurück. Zu lange, wenn es nach den Fans der benachbarten Traditionsvereine geht, die gut 5 ½ Jahre auf eine Neuauflage dieses Klassikers warten mussten. Umso größer ist die Vorfreude auf das 28. Derby seit Mitte der 70er Jahre. Die Partie wird am Samstag um 14.00 Uhr angepfiffen.

Ein Aufsteiger blickt nach oben
Mit zehn Punkten Vorsprung auf Eintracht Trier wurde Preußen Münster in der vergangenen Saison Meister der Regionalliga West. 18.500 Zuschauer kamen am 31. Spieltag zur entscheidenden Partie gegen Borussia Mönchengladbach II und feierten mit ihrem Team den ersten Aufstieg seit 22 Jahren. 1989 hatte Helmut Horsch die Adler-Träger in die 2. Bundesliga geführt, nun gelang mit Marc Fascher der Sprung in die dritthöchste deutsche Spielklasse. Die Preußen bestachen 2010/11 vor allem durch ihre erstklassige Defensivarbeit. In 34 Spielen brachten es die Kontrahenten auf ganze 24 Tore, gleich 15 Mal stand hinten „die Null“. Die variable Angriffsabteilung konnte sich ebenfalls sehen lassen, auch wenn der überragende Goalgetter fehlte. Münsters bester Schütze Babacar N´Diaye landete mit 9 Treffern nur auf Platz 15 der Torjägerliste, doch neben ihm hatten auch Sercan Güvenisik (7), der Ex-Osnabrücker Daniel Chitsulo (6) und Wojciech Pollok (5) ihre Erfolgserlebnisse, so dass die Angriffsabteilung insgesamt auf 27 Saisontreffer kam. Präsident Marco de Angelis gab den Klassenerhalt vor Saisonbeginn als oberstes Ziel aus, und auch für Trainer Marc Fascher ist der Ligaverbleib „vorrangig“. Nach oben gebe es allerdings „keine Grenzen“, betonte der Übungsleiter in einem „kicker-Interview“. Die Fans, die ausgerechnet zum 100. Vereinsjubiläum ihre größte Enttäuschung erleben mussten, hörten es gern. 2006 war der Deutsche Vizemeister von 1951, der zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga gehörte, erstmals in die vierte Liga abgestiegen, um dort fünf mitunter frustrierende Jahre zu verbringen.
Qualitätssteigerung
Fascher diagnostizierte nach dem Aufstieg eine deutliche Qualitätssteigerung im Kader und lag mit dieser Einschätzung zweifellos richtig. Zwar zog es Mittelfeldmotor Mehmet Kara, der seit 2008 insgesamt 99 Spiele absolviert und 20 Tore erzielt hatte, zum SC Paderborn, doch viele andere Leistungsträger konnten gehalten werden, um mit einigen erfahrenen Neuzugängen ein offenkundig schlagkräftiges Team zu bilden.
Allein Daniel Masuch kann auf mehr als 170 Einsätze in den Ligen 2 und 3 zurückblicken. Der Keeper stand bereits für Oberhausen, Essen, Kickers Emden und zuletzt für Paderborn zwischen den Pfosten. Mit dem Zweitligisten konnte er sich nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen. Paderborn bot einen Kontrakt für eine Spielzeit, Masuch wollte mehr. Warum auch nicht? Mit 34 ist er schließlich noch im besten Torwartalter ...
Jens Truckenbrod, Neuzugang von Carl Zeiss Jena, kennt sich in den dritthöchsten deutschen Ligen ebenfalls bestens aus. Seine Statistik verzeichnet über 200 Einsätze für die Sportfreunde Siegen, Dynamo Dresden, Jena und Münster. Überdies bestritt der zweikampfstarke Sechser für Schaffhausen 93 Partien in der Schweizer Super League. Abwehrmann Marco Riemer sollte nach 80 Partien für Carl Zeiss Jena den verletzten Ex-Osnabrücker Dominique Ndjeng ersetzen, kam bislang aber erst zweimal zum Einsatz. Neben den Genannten gehören auch Stürmer Radovan Vujanovic (Hansa Rostock) als jüngster Neuzugang und Mittelfeldspieler Benjamin Siegert zu den erfahrenen Akteuren im Preußen-Dress. Von 2009 bis 2011 bestritt Siegert 64 seiner mehr als 200 Einsätze für den VfL Osnabrück.
Gelungener Start
Fragt man Trainer oder Spieler nach der Aussagekraft der Testspiele in der Vorbereitung, antwortet in aller Regel ein müdes Achselzucken. Doch wenn ein Regionalligaaufsteiger dem Zweitligisten Alemannia Aachen ein 0:0 abtrotzt und den niederländischen Erstligisten Heracles Almelo mit 4:0 auf die Heimreise schickt, deutet einiges auf eine passable Frühform hin. Tatsächlich gelang den Preußen auch in der 3. Liga ein guter Start. Dem beschaulichen 1:1 gegen die SpVgg Unterhaching folgte ein Auswärtssieg in Chemnitz (2:1) und der erste Heimerfolg gegen Rot-Weiß Oberhausen (1:0). Die Begegnungen mit Jena (3:1), Babelsberg (1:1), Bremen II (0:0), Stuttgart II (1:1) bescherten den noch immer ungeschlagenen Münsteranern sechs weitere Punkte.
Blick in die Historie: Für 40 Sack Kartoffeln gegen die Preußen
Die beiden Friedensstädte liegen nicht weit voneinander entfernt, ihre bekanntesten Fußballvereine verbindet eine herzliche Rivalität. Trotzdem dauerte es geraume Zeit, bis Münsteraner und Osnabrücker regelmäßig in Pflichtspielen aufeinandertrafen. Die Einteilung der Ligen stand dem Derby oft im Weg, so etwa in den Jahren 1947 bis 63, als die Preußen in der Oberliga West und die Lila-Weißen in der Oberliga Nord antraten. Freundschaftsspiele gab es trotzdem, nicht selten unter kuriosen Umständen. So überliefert Jürgen Bitter eine besondere Antrittsprämie, die den VfLern für ein Nachbarschaftsduell im Jahr 1948 „gezahlt“ wurde. Die Lila-Weißen bekamen 40 Sack Kartoffeln, und weil sie das Spiel mit 5:1 gewannen, gab es noch 5 Mark pro Spieler obendrauf.
Lila-Weiß gegen Schwarz-Weiß-Grün
Mit der Einführung der 2. Bundesliga Nord wurden die reizvollen Duelle endlich Bestandteil des offiziellen Spielplans. Bis 1991 kam es zu 14 Aufeinandertreffen, von denen kein einziges torlos endete. Gleich sieben Treffer sahen die Zuschauer am 29. Januar 1977. Alfred Hussner brachte die Lila-Weißen an der Hammer Straße in Führung, ehe ein gewisser Benno Möhlmann für den Ausgleich sorgte. Dann traf Blau für Münster und Genschik für Osnabrück. Als Ranko Petkovic die Preußen in der 82. Minute erneut in Front brachte, schien das Spiel gelaufen. Doch Gerd-Volker Schock und Günter Schäfer brauchten nur zwei Minuten, um die Partie erneut zu drehen. Der VfL gewann 4:3, trotzdem hat Münster leichte Vorteile im direkten Vergleich. Von den 27 Partien konnten die Preußen 12 gewinnen. Die Lila-Weißen entschieden 11 Derbys für sich, nur viermal trennten sich beide Vereine unentschieden. Für Tore war mit einer einzigen Ausnahme immer gesorgt.
Von: Thorsten Stegemann
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