|
Im Blickpunkt: Wacker Burghausen
20.08.11
Zum Abschluss der dritten englischen Woche in Folge bekommt der VfL Osnabrück Besuch aus einem der südlichsten Zipfel der Republik. Die Partie gegen den SV Wacker Burghausen wird heute um 14.00 Uhr angepfiffen.

Am grünen Tisch
An der Salzach braucht man gute Nerven. Schon 2008/09 konnte sich Wacker Burghausen sportlich nicht für die darauffolgende Drittliga-Saison qualifizieren. Doch als der Tabellensechste Kickers Emden keine Lizenz erhielt, wurden die Bayern am grünen Tisch vor der Viertklassigkeit bewahrt. Ein Jahr später gelang der Klassenerhalt aus eigener Kraft, aber 2010/11 verpasste Wacker erneut das rettende Ufer. Nach neun sieglosen Spielen in Folge rutschte das Team von Mario Basler, das 66 Gegentore kassierte und in dieser Hinsicht nur von Rot-Weiß Ahlen (69) übertroffen wurde, auf den 18. Tabellenplatz. Diesmal bahnte der Lizenzverlust der Rot-Weißen den Rückweg in die 3. Liga, und auch die U23 des SV Werder Bremen löste nach der wirtschaftlichen Talfahrt der TuS Koblenz noch ein Ticket für die neue Spielzeit. De facto musste mit der U23 des FC Bayern München also nur einer der drei Tabellenletzten tatsächlich den Gang in die Regionalliga antreten. Überflüssig zu erwähnen, dass sich Burghausen in Zukunft nicht mehr auf diese Art des Klassenerhalts verlassen will. Im Gegenteil: Der neue Trainer Rudi Bommer soll das Team in Liga 3 stabilisieren und - wenn irgend möglich – wieder an die erfolgreichsten Zeiten der Vereinsgeschichte anknüpfen, die eng mit seinem Namen verbunden sind. Auf den treffsichersten Goalgetter der vergangenen Saison muss Bommer allerdings verzichten. Eric Agyemang, der in 29 Spielen 13 Tore für Wacker erzielt hatte, geht mittlerweile für Arminia Bielefeld auf Torejagd. Auch Christian Cappek, der in 75 Spielen Ligaspielen 17 Tore markierte, hat einen neuen Arbeitgeber gefunden. Dem 21-jährigen Mittelstürmer gelang mit dem Wechsel zu Erzgebirge Aue der Sprung in die 2. Bundesliga. Abwehrmann Sören Halfar unterschrieb derweil einen Vertrag bei Wackers Ligakonkurrenten Sandhausen. Der 24-jährige absolvierte in der vergangenen Saison 33 Einsätze und stellte dabei erstmals auch seine Torgefährlichkeit nachhaltig unter Beweis. Halfar gelangen vier Treffer für die „Wackeren Burghauser“.
Ex-VfLer an der Salzach
An ihrer Stelle tragen nun einige interessante Neuzugänge das Trikot der Schwarz-Weißen. Neben dem kantigen Innenverteidiger Josef Cinar (Eintracht Trier) konnte Angreifer Sebastian Glasner von Erzgebirge Aue an die Salzach gelotst werden. Der 26-jährige lief in der vergangenen Saison seiner Form hinterher, erzielte 2009/10 aber 10 Treffer für die Sachsen. Bei seinem neuen Verein feierte er einen Einstand nach Maß und trug mit zwei Toren entscheidend zum 3:2-Sieg gegen Rot-Weiß Oberhausen bei. Youssef Mokhtari kennt Burghausen und Cheftrainer Rudi Bommer bereits aus den Jahren 2002 bis 2004. Seinerzeit bestritt er 61 Spiele (14 Tore), um danach auf große Wanderschaft zu gehen. Über Cottbus, Köln und Duisburg ging es zum FSV Frankfurt, zur SpVgg Greuther Fürth und anschließend noch zum FC Metz und zum Al Rayyan Sports Club nach Katar. Der Deutsch-Marokkaner unterschrieb in Burghausen einen Einjahresvertrag plus Option. Sein neuer Mannschaftskollege Heiko Schwarz ist zehn Jahre jünger und soll im zentralen Mittelfeld an die guten Leistungen anknüpfen, die er seit 2007 bei Energie Cottbus zeigte. In der Regionalliga-Saison 2010/11 erzielte Schwarz 5 Tore in 22 Spielen, 2009/10 war er auch im Zweitligateam zum Einsatz gekommen. Im Wacker-Kader stehen überdies drei ehemalige Osnabrücker. Matthias Heidrich und Nicky Adler wechselten im Sommer vom VfL zum neuen Ligakonkurrenten. Heidrich eroberte sich auf Anhieb einen Stammplatz, zog sich dann allerdings einen Bruch des rechten Unterarms zu. Er wird in Osnabrück nicht auflaufen können. Adler nahm zunächst auf der Reservebank Platz, erzielte bei seinem ersten Auftritt in der Startelf aber gleich den Führungstreffer gegen Babelsberg. Auch Darlington Omodiagbe ist den Lila-Weißen noch bestens bekannt. Der Defensivstratege kam 2008/09 zu 22 Einsätzen für den VfL und mutierte in der vergangenen Saison zum gefürchteten Goalgetter. Mit fünf Treffern war er neben Alexander Eberlein zweitbester Torschütze seines Teams. Der sportlich verpasste Klassenerhalt bescherte „Omo“ allerdings auch einen beispiellosen Rekord, auf den der sympathische Nigerianer gerne verzichtet hätte. Nach Unterhaching, Jena, Osnabrück und Ahlen war Burghausen der fünfte Verein in Folge, mit dem der 33-jährige am Ende einer Saison abstieg. Dass dieses „Jubiläum“ in der Presse ausführlich gewürdigt wurde, braucht kaum besonders betont zu werden. „Sein Name ist Omodiagbe; Darlington Omodiagbe - und er ist der Fußballer mit der Lizenz zum Absteigen“, hieß es beispielsweise in der „Rheinischen Post“. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott bekanntlich nicht zu sorgen …
Gelungener Start
Schon in der Vorbereitung deutete Bommers Team an, dass der von der Vereinsführung versprochene Neuanfang schnell Früchte tragen könnte. Selbst Racing Santander, Testspielgegner aus der spanischen Primera Division, kam in der Wacker Arena nicht über ein 0:0 hinaus. Dem 3:2-Auftaktsieg gegen Oberhausen folgte eine knappe Niederlage bei Carl Zeiss Jena. Am dritten Spieltag trennten sich die Oberbayern 1:1 vom SV Babelsberg. Gegen die beiden Bundesliga-Nachwuchsteams aus Bremen und Stuttgart spielte Wacker zuletzt jeweils 1:1.
Von: Thorsten Stegemann
|