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Offener Brief an Minister
11.11.11
In der Ausgabe der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 7. November 2011 ist unter der Überschrift „Schünemann sagt Fußball-Chaoten den Kampf an“ ein Artikel zum Thema „zunehmende Gewaltbereitschaft in Fußballstadien“ erschienen. Zu den in diesem Artikel getätigten Aussagen vom niedersächsischen Innenminister Uwe Schünemann im Zusammenhang mit dem VfL Osnabrück nimmt der Verein in einem offenen Brief wie folgt Stellung:

Sehr geehrter Herr Minister Schünemann,
mit Interesse haben wir den am Montag dieser Woche in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung unter der Überschrift „Schünemann sagt Fußball-Chaoten den Kampf an“ erschienenen Artikel gelesen.
Auch die Verantwortlichen des VfL Osnabrück verfolgen die zunehmende Gewaltbereitschaft und den in den letzten Wochen wieder vermehrten Einsatz von Pyrotechnik in den Fußballstadien mit größter Sorge und begrüßen es grundsätzlich, dass sich die Innenminister der Länder über dieses Thema Anfang der kommenden Woche mit dem DFB und der DFL beraten.
Als befremdlich empfinden wir allerdings die in dem eingangs erwähnten Artikel im Zusammenhang mit dem hohen Gewaltpotenzial der Ultraszene angeführte Äußerung von Ihnen, die Anzahl und Gewaltbereitschaft der „autonomen Fußball-Chaoten“ sei neben Eintracht Braunschweig beim VfL Osnabrück besonders groß.
Für den VfL Osnabrück möchten wir zu der getroffenen Aussage folgendermaßen Stellung nehmen:
In den vergangenen Jahren ist es zu keinen größeren Zwischenfällen in Fußballstadien unter Beteiligung von VfL-Fans gekommen, die eine derartige Verurteilung der Osnabrücker Ultraszene rechtfertigen würden. Insbesondere in der osnatel ARENA kamen seitens der Heim-Fans in den letzten Spielzeiten keine pyrotechnischen Gegenstände zum Einsatz. Wir räumen ein, dass bei verschiedenen Spielen in auswärtigen Stadien seitens der Ultras des VfL Osnabrück Pyrotechnik gezündet wurde, dafür wurde der Verein in der Vergangenheit mit empfindlichen Geldstrafen belegt. Dass dieses Verhalten dem Verein finanziell und bezogen auf das Ansehen großen Schaden zufügt, ist unbestritten.
Zu dieser Thematik befindet sich der Verein mit den betreffenden Gruppierungen in regelmäßigem Kontakt. Neben der Installation eines „Runden Tisches“, an dem sich vierteljährlich Vertreter der Fans und des Vereins zum Austausch zusammensetzen, ist in Osnabrück ein Fanprojekt ins Leben gerufen worden, um die Kommunikation der einzelnen Interessensgruppen und das Verständnis füreinander zu fördern.
Es handelt sich aber bei den Vertretern der Osnabrücker Ultraszene nicht um die beschriebenen „Fußball-Chaoten“. Sofern Ihre Meinung, die Fanszene in Osnabrück wäre von erhöhter Gewaltbereitschaft geprägt, aus den Berichten über Vorkommnisse im Rahmen der Spiele gegen Holstein Kiel (April 2010), Dynamo Dresden (Relegationsrückspiel im Mai 2011) und Preußen Münster (September 2011) resultiert, sollten Sie doch auch Kenntnis darüber haben, dass es sich in allen drei Fällen um Ausschreitungen handelte, die von den jeweiligen Fans der Gastmannschaft ausgingen und sich im Gästeblock unseres Stadions abspielten. Osnabrücker Anhänger waren an diesen Vorkommnissen nicht beteiligt.
Es liegt uns fern, die aktuellen Entwicklungen zu verharmlosen oder den Eindruck zu vermitteln, der VfL Osnabrück würde sich mit der Problematik nicht auseinandersetzen. Aber eine Aussage des Innenministers unseres Bundeslandes, die die Fans eines niedersächsischen Profi-Fußballvereins als Negativ-Beispiel für „autonome Fußball-Chaoten“ anführt, die isoliert und aus den Stadien verbannt gehören, empfinden wir als überzogene und ungerechtfertigte Darstellung, von der sich der VfL Osnabrück deutlich distanziert.
Mit freundlichen Grüßen
VfL Osnabrück
Dr. Dirk Rasch -Präsident -
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