
Am 11. April 1976 wurde er mitten im Derby gegen Preußen Münster zur Nr.1 befördert, doch auf den endgültigen Durchbruch musste Uwe Seiler noch viele Jahre warten. Erst als es Rolf Meyer 1983 nach Dortmund zog, bekam er den ersehnten und verdienten Stammplatz zwischen den Pfosten des Osnabrücker Tores. Heute feiert Uwe Seiler seinen 70. Geburtstag.
Reinhold Ertel hieß der Cheftrainer des VfL in der Saison 1975/76. Der frühere Oberligaspieler war bei der Abschlussprüfung zum Fußballlehrer-Lehrgang durchgefallen, hatte aber Lizenzinhaber Eduard Sausmikat an seiner Seite und nach den damaligen Statuten die Chance, es im Sommer 1976 besser zu machen. Doch da weilte er schon nicht mehr in Osnabrück. Ertel wechselte nach einem Jahr zum VfB Lübeck, blieb vielen VfL-Fans aber aus mindestens zwei Gründen im Gedächtnis. Er erreichte mit den Lila-Weißen Platz 6 und damit ein wahrlich herausragendes Zweitliga-Ergebnis. Ertel sorgte aber auch für einen völlig unerwarteten und anschließend heiß diskutierten Affront. Ausgerechnet beim Derby in Münster befahl er den populären VfL-Schlussmann Werner Kamper in der 20. Minute an die Seitenlinie und schickte an seiner Stelle den erst 19-jährigen Ersatzkeeper Uwe Seiler zwischen die Pfosten. Nach Ertels Ansicht hatte Kamper die beiden ersten Gegentore verschuldet - eine Einschätzung, die keineswegs alle Beobachter teilten.
Der ins kalte Wasser geworfene Youngster machte seine Sache allerdings gut. Er kassierte im Preußenstadion keine weiteren Treffer und hielt seinen Kasten auch in drei der neun folgenden Spiele sauber. Seiler blieb bei Ertels Nachfolger Siegfried Melzig erste Wahl, musste dann aber verletzungsbedingt pausieren und feststellen, dass der eilig von Schweinfurt 05 nachverpflichtete Wolfgang Dramsch nicht als Vertreter gekommen war. Er avancierte zum neuen Stammkeeper der Lila-Weißen, bis er 1978 zu Alemannia Aachen wechselte und die Osnabrücker Rolf Meyer von Werder Bremen holten.
Für den Stellvertreter, den die Mannschaftskollegen in Anlehnung an den berühmten österreichischen (seinen Nachnamen freilich mit „a“ schreibenden) Skirennläufer „Toni“ riefen, blieben trotz seines offenkundig herausragenden Talents nur gelegentliche Einsätze. Dass er sich mit dieser Rolle zufriedengeben würde, galt als durchaus unwahrscheinlich, doch der Torwart, der dem VfL seit Jugendjahren verbunden war, harrte geduldig aus und wartete auf seine große Chance.
Sie kam mehr als sieben Jahre nach dem überraschenden Debüt. Ausgerechnet in der Saison 1983/84, an deren Ende der VfL zum ersten Mal überhaupt den Gang in die Drittklassigkeit antreten musste, wurde Uwe Seiler die unumstrittene Nr.1. Sein Name ist jedoch vor allem mit dem direkten Wideraufstieg verbunden. In 34 Partien der Amateuroberliga Nord kassierte Seiler nur 31 Gegentore, in den folgenden acht Spielen der Aufstiegsrunde waren es gerade einmal fünf. Vor allem beim denkbar knappen Auftaktsieg an der Essener Hafenstraße erwies sich Seiler als herausragender Rückhalt seines Teams. Mit Ruhe, Übersicht und spektakulären Paraden rettete er die hauchdünne 1:0-Führung über die Ziellinie. Zwei Wochen später trug er sich dann selbst in die Torschützenliste ein. Beim 5:0 gegen Eintracht Hamm sorgte Uwe Seiler per Elfmeter für den letzten Treffer des Tages.
Summa summarum verbuchte der VfL in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga sieben Siege und nur eine Niederlage und kehrte souverän ins Fußball-Unterhaus zurück. Uwe Seiler konnte den Platz zwischen den Pfosten auch in den kommenden Jahren behaupten. 1990 beendete er seine Karriere nach 245 Einsätzen für die Lila-Weißen - ein Rekord in der Geschichte der VfL-Torhüter, den erst Uwe Brunn übertreffen sollte.
Titelbild: © IMAGO / Rust
Text: Thorsten Stegemann


