Historie

Latteks großer Tag und das Duell um die Bundesliga

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Mit drei Nordvereinen sollte die Bundesliga 1963 in ihre erste Saison starten. Der Hamburger SV und Werder Bremen waren schon aufgrund ihrer sportlichen Ergebnisse in den letzten Jahren gesetzt. Doch wer würde ihnen in die neue Beletage des deutschen Fußballs folgen? Der VfL Osnabrück und Eintracht Braunschweig machten sich besonders große Hoffnungen. Das Niedersachsenderby am 21. Oktober 1962 wurde folgerichtig zu einer Art Finale stilisiert. Doch der Sieger musste am Ende trotzdem draußen bleiben.

Mit dem 1:0-Erfolg bei Hannover 96 und dem 2:1-Sieg am Millerntor hatten die Lila-Weißen in der noch jungen Saison bereits zwei aussichtsreiche Konkurrenten geschlagen. Und vor dem Heimspiel gegen Braunschweig gingen fünf Treffer auf das Konto eines jungen Stürmers, der vom VfR Wipperfürth zum VfL gewechselt war. 14 weitere sollten noch folgen in der erfolgreichsten der drei Spielzeiten, die der spätere Meistertrainer Udo Lattek beim VfL verbrachte.

Der Auftritt gegen die Eintracht gehörte sicher zu seinen besten im Trikot der Osnabrücker. In der 23. Minute setzte Lattek zu einem Sprint über 40 Meter an, ließ zwei Braunschweiger stehen und Torwart „Hennes“ Jäcker keine Abwehrchance. Der wuchtige Schuss schlug aus spitzem Winkel im Tor der Gäste ein, die den nun noch mutiger aufspielenden VfL kaum in Schach halten konnten. Drei Minuten vor dem Pausenpfiff fuhr Wolfgang Brase Osnabrücks Rolf Ernst in die Parade. Schiedsrichter Gerhard Höger entschied auf Strafstoß, den Erwin „Ata“ Türk sicher verwandelte.

Kurz nach dem Seitenwechsel brachte ein Kopfball von Ernst Saalfrank die Eintracht wieder ins Spiel. Doch der VfL ließ sich davon nur kurz beeindrucken. Nach einer sehenswerten Kombination, die von Türk eingeleitet und mit einem Doppelpass von Lattek und Iwanzik veredelt wurde, erzielte der Stürmer seinen zweiten Treffer. Warum nur 10.000 Zuschauer dieses mitreißende Spiel sehen wollten, wurde noch einige Zeit diskutiert. Doch wer gekommen war, ließ sich von der Begeisterung anstecken, so auch der Osnabrücker Pressevertreter, der den nächsten Tag mit der Schlagzeile „Dritter Mitbewerber zu den Akten gelegt!“ begrüßte.

Aber dieser Sekt wurde zu früh kaltgestellt. Das Team von Emil Izsó verlor die nächste Partie beim Hamburger SV (1:3) und rutschte in den kommenden Wochen und Monaten immer weiter ab. Die beiden letzten Heimspiele, in denen ein derangierter VfL sowohl Altona 93 (3:5) als auch dem VfR Neumünster (0:1) unterlag, wollten nur noch knapp 3.000 Zuschauer sehen. Am Ende belegten die Osnabrücker in der Oberliga den 7. Tabellenplatz. Der HSV, wie so oft Klassenbester, und Vizemeister Werder Bremen hatten besser abgeschnitten, aber auch Braunschweig und Neumünster, Kiel und St. Pauli.

Am 8. Mai 1963 bekam der VfL Post vom Deutschen Fußball-Bund. „Wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen“, hieß es da, „daß der Bundesliga-Ausschuss des DFB nach eingehender Prüfung aller für seine Entscheidung wichtigen Gesichtspunkte dem Gesuch Ihres Vereins um Aufnahme in die Bundesliga nicht stattgeben konnte.“ Der maßlos enttäuschte Präsident Friedel Schwarze, der vor den Trümmern seines Lebenswerks zu stehen glaubte, wollte sich mit dem Bescheid nicht abfinden. Er stützte seinen Protest auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des VfL und die sportlichen Resultate der letzten Oberligajahre. Doch vergebens. Der dritte Nordvertreter in Deutschlands höchster Spielklasse wurde Eintracht Braunschweig.

Foto: Neu in Osnabrück: Vor dem Start in die Saison 1962/63 stellte der VfL Udo Lattek, Rolf Ernst und Peter Beckmann vor. Alle drei waren beim 3:1-Erfolg gegen Eintracht Braunschweig mit von der Partie.

Titelbild: © VfL-Archiv NOZ

Text: Thorsten Stegemann

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