
16 Ligaspiele gab es bislang zwischen dem VfL Osnabrück und Dynamo Dresden, fünf konnten die Lila-Weißen für sich entscheiden. Doch nur einmal gelang es ihnen, in einer Saison sowohl das Hin- als auch das Rückspiel zu gewinnen.
Sechs Bundesliga-Nachwuchsteams spielten 2006/07 in der alten Regionalliga Nord und machten den Traditionsvereinen das Leben schwer. Denn hier tummelten sich seinerzeit auch der FC St. Pauli, Union Berlin, Magdeburg und Kiel sowie Kickers Emden, Wuppertal, Lübeck, Fortuna Düsseldorf und Rot-Weiß Erfurt, Ahlen mit „h“, Wilhelmshaven - und der VfL Osnabrück und Dynamo Dresden.
Beide gehörten zum Kreis der Aufstiegsaspiranten und trafen bereits am 4. Spieltag aufeinander. Etwas zu früh nach dem Gefühl mancher Osnabrücker, denn der VfL hatte zehn neue Spieler geholt und vier Youngster aus dem Nachwuchsbereich befördert, um nach den höchst attraktiven, aber nicht immer erfolgreichen Offensivspektakeln der letzten Jahre mehr Stabilität zu gewinnen. Den Stilwandel beschrieb NOZ-Sportchef Harald Pistorius mit dem „Unterschied zwischen Wunderkerze und Glühbirne“ und er machte sich viel schneller bezahlt als die Skeptiker befürchtet hatten.
An diesem 19. August drangen viele Angriffe der Sachsen gar erst nicht zu Marko Tredup, Oliver Beer, Dominique Ndjeng und Andreas Schäfer durch, weil sie vom überragenden Duo Joe Enochs/Mathias Surmann frühzeitig gestoppt wurden. Als hinten keine unmittelbare Gefahr mehr bestand, legten die Lila-Weißen den Vorwärtsgang ein und tauchten in Person von Bilal Aziz, Addy Menga, Thomas Reichenberger und Markus Feldhoff immer häufiger vor ihrem Ex-Keeper und künftigen Stammtorwart Tino Berbig auf.
Der Matchwinner kam allerdings von der Bank. In der 58. Minute verwandelte der zur 2. Halbzeit für Feldhoff eingewechselte Daniel Cartus einen direkten Freistoß zum umjubelten 1:0. Nur eine Minute später war Cartus auch an der Vorbereitung des 2:0 durch Reichenberger beteiligt und kurz vor dem Abpfiff versenkte er einen weiteren Freistoß im Kasten der Dresdner. Jan Koziak war zuvor der Ehrentreffer für die Gäste gelungen.
Die gut 10.000 Osnabrücker unter den 12.000 Zuschauern waren restlos begeistert und doch gab es auch negative Schlagzeilen. Schon vor Spielbeginn wurde VfL-Kapitän Markus Feldhoff von eigenen Fans beschimpft und beleidigt. In der Schlussphase randalierten Dresdner Hooligans am Rande der Nordtribüne und auf dem Platz wurde Thomas Reichenberger durch eine Notbremse des dann vom Platz gestellten Tomas Votava so schwer an der Schulter verletzt, dass er einige Wochen pausieren musste.
Im Rückspiel am 24. Februar 2007 war der Stürmer wieder mit von der Partie und wie so oft der Mann des Tages. In der 41. Minute verwandelte Reichenberger die Hereingabe von Aziz, die Menga mit dem Kopf verlängerte, gedankenschnell zum entscheidenden 1:0. „Das hat er perfekt gemacht“, fand sogar Dynamo-Trainer Norbert Maier, doch der knappe Sieg im Rudolf-Harbig-Stadion war auch das Ergebnis einer umsichtigen, souveränen Mannschaftsleistung. Der stürmische VfL hatte tatsächlich Disziplin gelernt, hielt die Hausherren auf Distanz und überzeugte durch Zweikampfstärke und eine clevere Raumaufteilung (Titelbild: Andreas Schäfer (li.) und Dave de Jong stoppen Samuel Koejoe beim Rückspiel in Dresden).
Am Ende stiegen die Lila-Weißen nach einem dramatischen Saisonfinale mit St. Pauli in die 2. Bundesliga auf. Dresden holte aus den letzten vier Partien nur vier von zwölf möglichen Punkten und musste sich mit Rang 7 begnügen.
Titelbild: © IMAGO / photoarena/Eisenhuth
Text: Thorsten Stegemann


