
Nur rund zwei Monate nach seinem Abschied vom VfL Osnabrück kehrt Lukas Jonsson an die Bremer Brücke zurück. Am Samstag trifft der schwedische Torhüter mit seinem neuen Klub Djurgårdens IF im Testspiel auf die Lila-Weißen. Vor dem Wiedersehen spricht der 33-Jährige über seine Rückkehr nach Osnabrück, seine ersten Wochen in Stockholm und seine besondere Verbindung zum VfL.
Lukas, nach nur zwei Monaten gibt es am Samstag schon das Wiedersehen an der Bremer Brücke. Wie war deine Reaktion, als du erfahren hast, dass ihr ein Testspiel in Osnabrück absolvieren werdet?
„Ich habe mich natürlich sehr gefreut. Als ich bei Djurgården unterschrieben habe, hatte ich schon ein bisschen davon gehört, dass es möglicherweise zu einem Testspiel kommen könnte. Als dann feststand, dass es tatsächlich stattfinden wird, war die Freude natürlich groß. Es wird richtig schön, zurückzukommen und alle wiederzusehen. Es sind schließlich erst zwei Monate vergangen, seit ich gegangen bin. Ich freue mich wirklich sehr darauf.“
Bei deinem neuen Verein bist du zunächst, ganz ähnlich wie zu deiner Anfangszeit in Osnabrück, die Nummer zwei im Tor. Im Pokal hast du vor drei Wochen beim 7:1-Sieg gegen IFK Haninge dein Debüt gefeiert. Wie waren die ersten Wochen bei deinem neuen Verein sportlich und persönlich für dich?
„Meine erste Zeit bei Djurgården war wirklich gut. Der Verein und alle Menschen drumherum haben mich mit offenen Armen empfangen und ich bin sehr froh, hier zu sein. Wir hatten zuletzt einen erfolgreichen Monat. Leider haben wir das letzte Spiel vor der Länderspielpause verloren, davor hatten wir aber sowohl in der Liga als auch im Pokal einen richtig guten Lauf.
Im Pokal habe ich die Möglichkeit bekommen, mein Debüt zu geben. Das war für mich ein besonderes Spiel, weil wir im alten Stadion von Djurgården, dem Stockholmer Olympiastadion, gespielt haben. Das war nicht nur für mich als Spieler, sondern auch für den Verein und die Fans etwas Besonderes. Es war ein schöner Rahmen für mein Debüt [Am heutigen Ort des Stockholmer Olympiastadions begann die Geschichte der Fußballabteilung des Vereins. Von 1899 bis 1906 spielte man dort auf einem Sandplatz. Nach dem Bau des Stadions im Zuge der olympischen Sommerspiele 1912 kehrte man 1936 an dem Ort zurück und trug bis 2014 dort seine Spiele aus].
Auch persönlich haben meine Freundin und ich uns sehr gut eingelebt. Stockholm ist zu dieser Jahreszeit wunderschön und alle Menschen hier waren unglaublich freundlich und hilfsbereit. Ich kann mich wirklich über nichts beschweren.“
Du hattest beim VfL deine wohl erfolgreichste Zeit deiner bisherigen Karriere. In 67 Spielen kassiertest du lediglich 68 Gegentore, stelltest einen neuen Vereinsrekord in der 3. Liga auf und feiertest am Ende die Meisterschaft und den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Wie blickst du auf deine Zeit in Osnabrück zurück?
„Die zwei Jahre in Osnabrück waren wirklich, wirklich besonders. Ich glaube, es gibt bestimmte Phasen und Orte im Leben, bei denen man spürt, dass sie einen besonderen Eindruck hinterlassen werden. Und ich bin mir sicher, dass Osnabrück für mich einer dieser Orte sein wird.
Es waren zwei Jahre mit einigen Tiefen, aber eben auch mit sehr vielen Höhepunkten. Ich bin mit einem glücklichen Herzen und einem Lächeln im Gesicht gegangen. Vor allem bin ich unglaublich dankbar dafür, dass ich die Chance hatte, Osnabrück erleben zu dürfen. Bevor ich gekommen bin, hatte ich keine Ahnung, was mich erwartet. Ich kannte weder die Stadt noch den Verein wirklich.
Diese zwei Jahre waren dann einfach großartig und haben unglaublich viel Spaß gemacht. Besonders ist für mich die Art und Weise, wie die Menschen den Verein sehen, und diese Verbindung zwischen den Menschen in der Stadt und dem Fußballklub. Das ist etwas ganz Besonderes. Ich hoffe sehr, dass das immer so bleiben wird – unabhängig davon, was sportlich passiert. Ich bin einfach sehr dankbar, dass ich das erleben durfte.“
Verfolgst du die Spiele des VfL noch und hast du noch Kontakt zu deinen ehemaligen Kollegen?
„Ja, natürlich verfolge ich die Spiele. Ich sehe vielleicht nicht jede Partie über die kompletten 90 Minuten, aber ich schaue zumindest in jedes Spiel rein. Außerdem verfolge ich die Tabelle, die Ergebnisse und alles, was drumherum passiert.
Ich habe auch weiterhin Kontakt zu einigen Leuten aus dem Staff und zu einigen Jungs aus der Mannschaft. Wenn man sich über einen langen Zeitraum jeden Tag gesehen hat, ist es ganz normal, dass diese Kontakte auch nach einem Wechsel bestehen bleiben.“
Was traust du dem VfL Osnabrück in der aktuellen Saison zu?
„Ich finde, Osnabrück ist gut in die Saison gestartet. Ein Stück weit haben sie dort weitergemacht, wo wir in der vergangenen Saison aufgehört haben – natürlich jetzt auf einem höheren Niveau und gegen stärkere Gegner.
Man sieht aus meiner Sicht, dass die Mannschaft mental bereit für diese Saison ist. Das war auch im vergangenen Jahr eine unserer Stärken: Wenn es einen Rückschlag gab, wir ein Spiel verloren haben oder Probleme aufgetreten sind, sind wir trotzdem ruhig geblieben und haben die Situation nüchtern betrachtet. Wir haben nicht gleich ein großes Thema daraus gemacht, wenn es dafür keinen Grund gab. Nach allem, was ich bislang gesehen habe, ist diese Ruhe auch weiterhin in der Mannschaft vorhanden.“
Für euch geht es nach der Länderspielpause in den Saisonendspurt. Aktuell steht ihr zehn Punkte hinter dem Tabellenführer und deinem Ex-Verein IK Sirius auf Platz drei. Im ersten Spiel nach der Pause wartet direkt das Stadtderby gegen Hammarby IF. Was habt ihr euch für die letzten acht Spiele vorgenommen?
„Wir hatten zuletzt einen wirklich guten Lauf, haben aber leider das letzte Spiel vor der Länderspielpause verloren. Dadurch ist der Abstand zur Tabellenspitze inzwischen natürlich ziemlich groß. Aber wir haben noch acht Spiele vor uns und werden sehen, wie viele Punkte wir daraus noch holen können.
Unser Mindestziel ist ganz klar ein Platz unter den ersten drei. Wir wollen international spielen und uns für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren. Das ist der Anspruch dieses Vereins. Deshalb wollen wir mindestens diesen dritten Platz erreichen und dann schauen, was bei den beiden Mannschaften vor uns noch passiert [In der Allsvenskan qualifiziert sich der Meister für die Champions League, Platz zwei und drei sind für die Qualifikation zur Conference League berechtigt]. Wir spielen unter anderem noch gegen Hammarby und Sirius. Es liegen also noch einige wichtige Spiele vor uns.“
Titelbild: Marc Niemeyer
Text: Jendrik Greiwe


