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Ein Auswärtssieg auf altbekannte Weise

Ismail Badjie erzielt den Führungstreffer und hinten steht dank einer engagierten Defensivleistung die Null. Die gestrige Leistung der Lila-Weißen im Bochumer Ruhrstadion erinnerte stark an die vergangene Saison und unterstreicht, dass der VfL sich mit seinen Stärken auch eine Liga höher durchsetzen kann.

„Was uns in den ersten beiden Spielen so ein bisschen gekillt hat, ist, dass wir in den ersten zwanzig Minuten schon sehr abwartend waren. Der Trainer hat uns heute und auch schon während der Woche gesagt, dass wir einfach Bock auf das Spiel haben sollen. Ich glaube, 18:30 Uhr an der Castroper Straße – besser geht’s nicht“, erzählte Siegtorschütze Ismail Badjie nach der Partie im Interview bei VfL-TV. Der 20-Jährige erzielte in seinem dritten Zweitligaspiel seinen persönlich ersten Treffer im Wettbewerb. Natürlich war es das 1:0 und am Ende der entscheidende Treffer. Schon in der 3. Liga folgten fünf seiner zehn Tore diesem Prinzip. Dabei hat er bei seinem Treffer gar nicht viel nachgedacht: „Das sind so typische Situationen für Flügelspieler, die sich sehr, sehr gut anfühlen. Ich habe gedacht, ich ziehe jetzt einfach rein. Ich hatte ein paar Minuten vorher auch schon eine Situation, wo ich eigentlich relativ unbedrängt in den Sechzehner ziehen konnte. Und habe mir dabei eigentlich nicht viel gedacht. Einfach ins lange Eck geschossen und das hat dann auf jeden Fall gereicht.“

Die Vorlage zum Treffer des Tages gab Leonhard Münst, der sein Startelfdebüt in der 2. Bundesliga gab und nicht nur mit seiner spieleröffnenden Seitenverlagerung in der 4. Minute zu überzeugen wusste. Spätestens nach vier Minuten waren die 2.800 Osnabrücker Fans im Gästeblock also lautstark im Ruhrstadion zu hören. Und auch die elf Lila-Weißen auf dem Platz waren in den Folgeminuten tonangebend. Mit Adrian Beck stand ein Osnabrücker Neuzugang dabei immer wieder im Mittelpunkt. Die Leihgabe vom Ligakonkurrenten 1. FC Heidenheim stach nicht nur mit der zweitbesten Laufquote aller Osnabrücker (12,53 km) und einer Passquote von 86,7 % hervor, sondern ließ auch immer wieder seine Gegenspieler mit effektiven Finten im Strafraum alt aussehen. Dass der 29-Jährige nicht direkt im ersten Spiel seinen ersten Treffer feiern durfte, wurde lediglich vom Innenpfosten in der 34. Minute und einer knappen Abseitsposition sieben Minuten später verhindert. „Beim ersten kann ich es, glaube ich, viel besser nicht machen. Dann ist natürlich ein bisschen Pech dabei. Beim zweiten habe ich mich auch gar nicht so gefreut, weil ich mir schon sicher war, dass ich einen Tick im Abseits war. Heute haben wir das Tor nicht gebraucht, vielleicht dann in einem anderen Spiel, wenn es wichtiger wird. Heute haben wir 1:0 gewonnen, das ist die Hauptsache“, blickte er dennoch im Interview bei Sky Sport durchweg zufrieden auf sein lila-weißes Debüt zurück.

„Die Jungs haben heute das Herz in die Hand genommen. Natürlich mussten wir viel wegverteidigen. Aber gerade in der ersten Halbzeit haben wir auch drei, vier richtig, richtig gute Einschussmöglichkeiten. Dementsprechend war die Pausenführung nicht unverdient“, so Cheftrainer Timo Schultz bei Sky Sport. Und auch das Torschussverhältnis von 8:7 aus Sicht der Lila-Weißen unterstrich die Einschätzung des VfL-Cheftrainers.

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Mit dem Wiederanpfiff wurden die Bochumer offensiv aktiver, sodass die altbekannte Defensivstärke der Osnabrücker noch stärker als schon in der ersten Halbzeit zum Vorschein kam. So warfen sich nicht nur Fridolin Wagner mit 31 bestrittenen Zweikämpfen (Bestwert beim VfL) und Bjarke Jacobsen mit der herausragenden Passquote von 97,1 Prozent in jeden Zweikampf. Auch die defensive Dreierkette rund um Robin Fabinski (69,6 %), Jannik Müller (72,2 %) und Niklas Wiemann (72,7 %) wusste mit ihren Zweikampfwerten zu überzeugen.

„Das hat uns ja schon letzte Saison ausgezeichnet, dass wir uns in jeden Ball reinschmeißen, egal wie weh es tut. Das hat uns heute wieder so ein bisschen gerettet. Ich glaube, wir hatten auch in der zweiten Halbzeit die ein oder andere Gelegenheit, wenn wir es besser ausspielen, noch ein Tor zu schießen und den Deckel draufzumachen. Aber ein großes Lob an die ganze Mannschaft, nicht nur hinten in der Abwehr, sondern wir sind vorne auch die Dinger angelaufen“, so Isy Badjie nach dem Spiel. Eine dieser von ihm angesprochenen Chancen hatte Daniel Kofi Kyereh, der in der 66. Minute für Leonhard Münst in das Spiel kam und damit nach 1.301 Tagen erstmals wieder in einem Profispiel auf dem Platz stand. Der 30-Jährige deutete dabei seine offensive Kreativität bereits an und verpasste eine Hereingabe von Konrad Faber in der 76. Minute nur knapp.

In der Schlussphase zeichnete sich dann immer wieder auch Torwart Jonas Krumrey aus, der gestern zum ersten Mal im Dress des VfL eine weiße Weste einfuhr. Am Ende gaben die Bochumer zwar deutlich mehr Schüsse ab (18:8), zielten dabei aber eben nur zwei auf den Kasten von Krumrey (Osnabrück drei Schüsse auf das Tor). Zudem zeigten sich die Lila-Weißen auch im Zweikampfverhalten engagiert und entschieden 53,2 Prozent der Duelle für sich. Am Ende durften sich die Lila-Weißen also im neunten Pflichtspielduell mit den Bochumern das allererste Mal über einen Sieg vor dem Gästeblock feiern lassen.

Und auch Trainer Timo Schultz war nach der Partie bei Sky Sport außerordentlich zufrieden mit seiner Mannschaft: „Wir sind letztes Jahr relativ überraschend aus der dritten Liga aufgestiegen und ich habe echt eine geile Truppe zusammen, die jeden Tag gerne zum Trainingsgelände kommt. Wir müssen zusammenstehen, wir müssen als Truppe funktionieren. Das hat an den ersten zwei Spieltagen eben nicht geklappt. Und auch heute haben wir in vielen Situationen Lehrgeld bezahlt. […] Und das wird für uns von Woche zu Woche so sein. Das wussten wir vorher und dementsprechend bin ich für den gesamten Verein, für die Jungs, für die Fans froh, dass wir die ersten drei geholt haben. Das sind häufig dann auch die schwierigsten und jetzt kann die Saison für uns losgehen.“

Bevor es in der 2. Bundesliga dann weitergeht, trifft man am Mittwoch im DFB-Pokal auf den FC Bayern München. Gegen den Rekordsieger des Wettbewerbs wollen sich die Lila-Weißen aber keinesfalls verstecken, wie Adrian Beck bei VfL-TV verriet: „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der ein oder andere Unterklassige es gegen Bayern geschafft hat und wenn man nicht daran glaubt, dann kann es auch nichts werden.“ Und auch Ismail Badjie blickt mit viel Vorfreude auf den Brückenabend: „Ich freue mich extrem, auch noch zu Hause gegen Bayern ist Wahnsinn. Also ich habe mich sehr gefreut, als die Auslosung gekommen ist.“ Auf die Nachfrage, ob er denn auch gegen Manuel Neuer das 1:0 erzielen könne, zeigte sich das Eigengewächs gewohnt selbstbewusst: „Absolut, warum nicht?“

Ob dies klappt, wird sich am Mittwochabend ab 20:45 Uhr zeigen. Eines ist dabei aber schon vor dem Anpfiff sicher: Ein Flutlichtabend vor einer ausverkauften Bremer Brücke wird auch für den FC Bayern München eine außergewöhnliche Atmosphäre darstellen.

Titelbild: Fabian Frommeyer

Text: Jendrik Greiwe

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