Sieben Tore, ein aufreibender Spielverlauf und am Ende keine Punkte: Der VfL Osnabrück ist mit einer Niederlage beim 1. FC Heidenheim in die neue Zweitligasaison gestartet. Trotz des bitteren Ergebnisses zeigten die Lila-Weißen nach einem frühen Rückschlag eine starke Reaktion und bewiesen, dass sie auch eine Liga höher offensiv Akzente setzen können.
Der Start in Heidenheim hatte es direkt in sich. Die Gastgeber erwischten den besseren Beginn und gingen früh in Führung. Nach einer Viertelstunde schien der VfL sogar noch weiter ins Hintertreffen zu geraten als Budu Zivzivadze zum vermeintlichen 2:0 traf. Dass der Fußball eine Liga höher ein anderer ist, merkten die Osnabrücker spätestens dann, als der VAR erstmals in die Partie eingriff und den vermeintlichen Treffer aufgrund einer Abseitsposition zurückpfiff. Ein Weckruf für die Lila-Weißen, die anschließend deutlich besser in die Partie fanden.
Nur wenige Augenblicke später fiel der Ausgleich. Konrad Faber, der bei seinem Pflichtspieldebüt für den VfL direkt seine offensiven Qualitäten zeigte, brachte den Ball von außen in den Strafraum. Niklas Wiemann stieg hoch und köpfte die Hereingabe ins lange Eck. Damit erzielte der 26-Jährige nicht nur das erste VfL-Tor der neuen Zweitligasaison, sondern schloss auch einen besonderen Kreis: Sein Treffer gegen Hertha BSC im Mai 2024 war bis zu diesem Samstag das letzte Zweitligator der Lila-Weißen gewesen.
Die Partie blieb anschließend offen und entwickelte sich zu einem Schlagabtausch. Der VfL erspielte sich immer wieder Möglichkeiten und stellte die Heidenheimer Defensive vor Aufgaben. Besonders Robin Meißner suchte konsequent den Abschluss. Mit acht Torschüssen gab der Angreifer die meisten Abschlüsse des bisherigen Spieltags ab. Insgesamt kam der VfL auf 24 Torschüsse und damit auf mehr als jede andere Mannschaft der Liga am bisherigen Spieltag.
„Alles in einem war es ein wilder Ritt heute, sieben Tore in Heidenheim, von zwei Mannschaften, die eigentlich für defensive Stabilität stehen“, sagte Cheftrainer Timo Schultz anschließend bei Sky Sport. Zufrieden konnte der 48-Jährige trotz der offensiven Leistung nicht sein. Denn während die Lila-Weißen immer wieder gefährlich nach vorne kamen, offenbarte die Mannschaft in der Defensive ungewohnte Schwächen.
Vor allem bei Standardsituationen bekam der VfL Probleme. Zwei Gegentore fielen nach Eckbällen per Kopf. Gleichzeitig ließ Osnabrück zwölf Flanken aus dem Spiel zu – so viele wie kein anderes Team am bisherigen Spieltag. Die Heidenheimer kamen dadurch insgesamt auf einen xG-Wert von 3,23, den höchsten der Liga an diesem Spieltag. „Nicht Standards, sondern Tore sind ein Faktor und wir haben halt zwei nach Ecken hinten reinbekommen. Da ist eigentlich letztes Jahr eine Stärke von uns gewesen, dass wir da sehr stabil waren“, ordnete Schultz ein.
Dass es nicht an der offensiven Durchschlagskraft lag, zeigen auch die weiteren Daten. Mit einem xG-Wert von 2,89 stellte der VfL den drittbesten Wert des Spieltags. Die Lila-Weißen kamen immer wieder in aussichtsreiche Positionen und setzten die Gastgeber unter Druck. „Ich habe Respekt für meine Mannschaft, wie wir zurückgekommen sind“, sagte Schultz trotz der bitteren Niederlage.

Dabei sorgte auch Konrad Faber immer wieder für Gefahr. Der Neuzugang bereitete in seinem ersten Pflichtspiel gleich zwei Treffer vor und hatte damit entscheidenden Anteil daran, dass der VfL offensiv immer wieder Antworten auf die Heidenheimer Treffer fand. Auch David Kopacz trug sich in die Torschützenliste ein. Bei seinem Treffer habe er bereits gewusst, was er mit dem Ball machen wolle, erklärte der Offensivspieler bei Sky Sport. „Klar ist das ein super Tor, aber das sind auch die Dinge, die wir trainieren, die ich individuell immer nach dem Training vornehme, deswegen hat das zum Glück funktioniert.“
Während es für David Kopacz bereits der 33. Einsatz in der 2. Bundesliga war, feierten neben Fridolin Wagner, Robin Fabisnki und Ismail Badjie auch die später eingewechselten Tony Lesueur, Bernd Riesselmann und Leonhard Münst ihr Zweitligadebüt. Dabei zeigten alle Debütanten keinerlei Anpassungsschwierigkeiten auf dem Platz. Robin Fabisnki gab sich in der Defensive gewohnt souverän und überzeugte insbesondere in den direkten Duellen. 68 Prozent seiner Zweikämpfe gewann der Innenverteidiger, womit er auch im Ligavergleich herausstach. Insgesamt lag der VfL bei einer Zweikampfquote von 51,9 Prozent.
Isy Badjie brachte derweil mit seiner Geschwindigkeit immer wieder Tempo in das VfL-Spiel. Der Offensivspieler erreichte eine Maximalgeschwindigkeit von 34,21 Kilometern pro Stunde und war damit der zweitschnellste Akteur auf dem Platz. 22-mal setzte er zum Sprint an und stellte die Heidenheimer Defensive damit vor zusätzliche Herausforderungen.
Am Ende blieb trotz der offensiven Akzente die Erkenntnis, dass die Effizienz der Gastgeber in Umschaltsituationen und bei Standards den Unterschied machte. „Es tut gerade extrem weh, dass wir heute ohne Punkte nach Hause fahren“, sagte Kapitän Jannik Müller bei Sky Sport. „Ich glaube, man hat gemerkt, wie effektiv Heidenheim in dem Umschalt- und Standardsituationen war. Und das war das, was uns heute gefehlt hat.“
Auch Niklas Wiemann sah nach dem Schlusspfiff vor allem die Reaktion seiner Mannschaft positiv. „Wir hatten so ein bisschen einen Weckruf mit dem 2:0, was zurückgenommen wird. Ich finde, ab da sind wir besser ins Spiel gekommen und machen dann den Ausgleich.“ In der zweiten Halbzeit habe der VfL zudem häufiger die eigenen Abläufe auf den Platz bekommen. „Am Einsatz hat es nicht gemangelt, ich glaube, man hat gesehen, dass wir alles versucht haben“, erläuterte der Innenverteidiger im Interview bei VfL-TV.
Nun geht es darum, die Erfahrungen aus dem Zweitliga-Comeback schnell aufzuarbeiten. Gerade bei Standards muss der VfL Lösungen finden, um die defensive Stabilität wiederherzustellen. „Wir müssen uns da schnellstmöglich an das neue Niveau gewöhnen und dürfen nun natürlich nicht zu viele Gegentore nach Standards kriegen“, sagte Schultz. Viel Zeit bleibt dafür nicht: „Da müssen wir jetzt schnell draus lernen, generieren und aufarbeiten und dann geht es nächste Woche ja schon weiter“, fügte auch Niklas Wiemann hinzu.
Am nächsten Samstag empfängt der VfL dann den 1. FC Magdeburg zum Heimspielauftakt an der Bremer Brücke (Anpfiff: 13:00). Für die Partie sind nur noch wenige Sitzplätze auf der Stadtwerke Osnabrück-Südtribüne sowie Stehplatztickets auf der Dieckmann-Westkurve verfügbar. Wer bei der Partie live mit dabei sein möchte, sollte sich also schnell sein Ticket im Online-Ticketshop (Spiel erst nach Anmeldung sichtbar) sichern.
Titelbild: Jonas Jürgens
Text: Jendrik Greiwe




