Sensationen gegen Bundesligisten, zwei Viertelfinalteilnahmen, spektakuläre Torfestivals und zahlreiche unvergessene Abende an der Bremer Brücke: Der DFB-Pokal hat in der Geschichte des VfL Osnabrück viele besondere Geschichten geschrieben. In der Saison 2026/27 sind die Lila-Weißen nach DFB-Zählweise zum 50. Mal im Wettbewerb vertreten. Vor dem 97. Pokalspiel der Vereinsgeschichte lohnt sich der Blick zurück auf Rekorde, außergewöhnliche Partien und einige der größten Erfolge des VfL.
Die Anfänge: Pokalgeschichte seit 1952
Die DFB-Pokalgeschichte des VfL reicht bis in die Premierensaison des Wettbewerbs in seiner heutigen Form zurück. Am 17. August 1952 empfingen die Lila-Weißen Phönix Ludwigshafen. Weil nach 120 Minuten ein 2:2 stand, musste, lange bevor Elfmeterschießen über das Weiterkommen entschieden, ein Wiederholungsspiel ausgetragen werden. Dieses gewann der VfL am 5. Oktober in Ludwigshafen mit 2:0. Erst im Achtelfinale war beim späteren Pokalgewinner Rot-Weiss Essen (2:1 gegen Alemannia Aachen) nach einem 0:2 Schluss.
Es war der Beginn einer langen Pokalgeschichte. Vor der Partie gegen den FC Bayern München im September 2026 hat der VfL 96 DFB-Pokalspiele absolviert. Die Bilanz: 41 Siege, zehn Unentschieden und 45 Niederlagen. Besonders bemerkenswert ist das Torverhältnis. 167 VfL-Treffern stehen 166 Gegentore gegenüber – nach mehr als sieben Jahrzehnten Pokalhistorie beträgt die Tordifferenz damit tatsächlich genau plus eins. In der Ewigen Tabelle des DFB-Pokals rangieren die Lila-Weißen auf Platz 32.
Zweimal führte der Weg dabei bis unter die letzten acht Mannschaften Deutschlands. Sowohl 1989/90 als auch 2009/10 erreichte der VfL das Viertelfinale. Ein Halbfinale oder Finale blieb den Lila-Weißen bislang verwehrt.
Zwölf Tore und ein erster großer Dortmunder Pokalabend
Wer nach den höchsten Siegen der VfL-Pokalgeschichte sucht, landet schnell in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren. Den bis heute höchsten Erfolg gab es am 8. August 1976. In der ersten Runde besiegte der VfL den SC Union 06 Berlin mit 12:1. 13 Treffer in einem Spiel machen die Partie gleichzeitig zum torreichsten DFB-Pokalspiel der Vereinsgeschichte.
Der Pokalweg war damit noch lange nicht beendet. Nach einem 2:0 bei der SG Egelsbach kam Borussia Dortmund zur Bremer Brücke. Auch der BVB musste sich geschlagen geben: Der VfL gewann nach Verlängerung mit 3:1 und zog in die nächste Runde ein, in der erst ein 0:1 beim 1. FC Nürnberg das Aus bedeutete.
Was damals noch niemand wissen konnte: Borussia Dortmund sollte sich zu einem ganz besonderen Pokalgegner entwickeln. Bis heute trafen die Lila-Weißen zweimal im DFB-Pokal auf den BVB- und gewannen beide Spiele. Zwei Partien, zwei Siege, 6:3 Tore: Gegen keinen geringeren Gegner als den mehrfachen deutschen Meister weist der VfL eine perfekte Pokalbilanz auf.
1978: Die wohl größte Pokalsensation
Zwei Jahre nach dem 12:1 folgte eine Partie, die bis heute einen herausragenden Platz in der VfL-Historie einnimmt. Am 23. September 1978 gastierten die Lila-Weißen in der zweiten Pokalrunde beim FC Bayern München.
8.500 Zuschauer sahen im Münchner Olympiastadion eine Bayern-Mannschaft mit Namen wie Sepp Maier, Georg Schwarzenbeck, Paul Breitner, Karl-Heinz Rummenigge und Gerd Müller. Der VfL, zu diesem Zeitpunkt Tabellenachter der 2. Bundesliga Nord, ging als klarer Außenseiter in das Spiel.
Zunächst nahm die Partie den erwarteten Verlauf. Udo Horsmann brachte die Gastgeber nach 16 Minuten in Führung. Doch Andreas Wagner drehte die Begegnung mit zwei Treffern innerhalb von nur zwei Minuten. Gerd Müller glich per Strafstoß aus, Reinhold Nordmann stellte auf 3:2 für den VfL, ehe Müller noch vor der Pause erneut traf – 3:3.
Nach dem Seitenwechsel vollendete der „Bomber der Nation“ seinen Dreierpack und brachte den FC Bayern per Elfmeter wieder in Führung. Doch die Lila-Weißen antworteten ein weiteres Mal. Michael Strunck traf in der 69. Minute zum 4:4, nur zwei Minuten später erzielte Andreas Wagner mit seinem dritten Treffer des Tages das 5:4. Dabei blieb es.
Gerd Müller drei Tore, Andreas Wagner drei Tore – und am Ende ein 5:4-Auswärtssieg des VfL Osnabrück beim FC Bayern München. Ein Ergebnis, das fast fünf Jahrzehnte später nichts von seiner Besonderheit verloren hat.
Für den VfL war die Pokalreise anschließend noch nicht beendet. In der nächsten Runde wurde Fortuna Köln mit 2:1 bezwungen, ehe ein 0:1 bei Rot-Weiß Oberhausen das Ausscheiden bedeutete.
Zwei Hattricks in einem Spiel
Auch zwei Jahre später produzierten die Lila-Weißen eine bis heute außergewöhnliche Pokalgeschichte. Am 4. Oktober 1980 gewann der VfL in der zweiten Runde mit 7:1 beim VfB Wissen – bis heute der höchste Auswärtssieg der Osnabrücker im DFB-Pokal.
Bemerkenswert war nicht nur das Ergebnis. Antoine Fagot erzielte bereits in der ersten Halbzeit drei Treffer. Nach dem Seitenwechsel legte Detlef Olaidotter ebenfalls einen Dreierpack nach. Zwei verschiedene Spieler des VfL erzielten somit in derselben Pokalpartie jeweils drei Tore.
Nur ein Jahr später folgte der nächste Hattrick mit einer ganz eigenen Geschichte. Beim 5:0 gegen den VfB Bottrop wurde Frank Dietrich zur Halbzeit eingewechselt. In der 69., 77. und 88. Minute traf er dreimal – ein Hattrick als Einwechselspieler innerhalb einer Halbzeit.
Nicht immer waren die Ergebnisse auf Osnabrücker Seite so erfreulich. Die höchste Pokalniederlage stammt aus dem Jahr 1986. In der ersten Runde unterlag der VfL bei Bayer 04 Leverkusen mit 0:6.
1989/90: Erstmals unter den letzten Acht
In der Saison 1989/90 erreichte der VfL erstmals das Viertelfinale des DFB-Pokals. Schon der Auftakt hatte es in sich: An der Bremer Brücke wurde der damalige Zweitligist FC Schalke 04 mit 3:1 nach Verlängerung bezwungen.
Anschließend führte der Weg zur SG Wattenscheid 09. Auch dort setzte sich Osnabrück durch, diesmal mit 2:0. Im Achtelfinale gastierte der Karlsruher SC an der Bremer Brücke. Nach einem 3:2-Erfolg war der bis dahin größte Pokalerfolg der Vereinsgeschichte perfekt: Der VfL stand unter den besten acht Mannschaften Deutschlands.
Das Viertelfinale führte die Lila-Weißen zu Eintracht Braunschweig. In einem erneut engen Spiel setzte sich der Gastgeber mit 3:2 durch und beendete den Osnabrücker Pokallauf. Es sollte 20 Jahre dauern, ehe der VfL wieder so weit kommen würde.
20.000 an der Bremer Brücke und vier Tore nach der Pause
Ein weiteres Spiel, das einen festen Platz in der Pokalchronik verdient, fand am 9. Oktober 1992 statt. Borussia Mönchengladbach gastierte in der dritten Runde an der Bremer Brücke. 20.000 Zuschauer sorgten für eine Kulisse, die in den ausgewerteten Quellen bis heute die größte verifizierte Besucherzahl bei einem VfL-Heimspiel im DFB-Pokal darstellt.
Zunächst sah es nach einem Erfolg des Bundesligisten aus. Horst Steffen brachte die Borussia unmittelbar vor der Pause mit 1:0 in Führung. Doch nach dem Seitenwechsel drehte der VfL die Partie vollständig.
Holger Karp glich in der 47. Minute aus. Claus-Dieter Wollitz verwandelte nach einer Stunde einen Elfmeter zur Führung, drei Minuten später erhöhte Gerrit Meinke auf 3:1. Paolo da Palma setzte in der 87. Minute den Schlusspunkt. Vier Osnabrücker Tore in einer Halbzeit und damit ein 4:1 gegen Borussia Mönchengladbach.
Elfmeterschießen: Zwischen Nervenstärke und Drama
Sechsmal musste in der Pokalgeschichte des VfL bislang ein Elfmeterschießen über das Weiterkommen entscheiden. Zweimal gingen die Lila-Weißen als Sieger vom Platz, viermal war anschließend Schluss.
1991 gegen Rot-Weiß Hasborn und 2003 gegen Hansa Rostock verlor der VfL jeweils mit 4:5. Besonders spektakulär wurde es 2005 gegen die SpVgg Greuther Fürth: Mit 10:9 nach Elfmeterschießen setzte sich Osnabrück durch. In der unmittelbar folgenden Runde ging es gegen den 1. FSV Mainz 05 erneut vom Punkt weiter – diesmal mit dem besseren Ende für die Gäste.
2009 gelang gegen den Hamburger SV der zweite Sieg im Elfmeterschießen. 2021 folgte schließlich gegen den SC Freiburg das bislang letzte Pokalduell vom Punkt.
2009/10: Eine Pokalsaison für die Geschichtsbücher
Wenn es eine Saison gibt, die wie kaum eine andere für den Pokalcharakter der Bremer Brücke steht, dann ist es 2009/10. Der VfL spielte damals in der 3. Liga und schaffte es trotzdem zum zweiten Mal in seiner Geschichte bis ins Viertelfinale.
Zum Auftakt wurde Hansa Rostock mit 2:1 bezwungen. In der zweiten Runde kam der Hamburger SV nach Osnabrück. Die Gäste gehörten zur deutschen Spitze, der VfL war klarer Außenseiter. Es entwickelte sich ein Pokalabend, der alles bot.
Niels Hansen brachte die Gastgeber kurz nach der Pause in Führung, Benjamin Siegert erhöhte auf 2:0. Der HSV rettete sich jedoch noch in die Verlängerung. Auch dort ging der VfL erneut in Führung, doch Hamburg schlug wieder zurück. Nach 120 Minuten stand es 3:3. Die Entscheidung fiel vom Punkt. 4:2 für Lila-Weiß. 16.130 Zuschauer feierten den Einzug ins Achtelfinale.
Dort wartete Borussia Dortmund. Und wie schon 1976 ging der BVB an der Bremer Brücke leer aus. Angelo Barletta brachte den VfL mit einem Doppelpack 2:0 in Führung. Nach dem Dortmunder Anschlusstreffer stellte Benjamin Siegert auf 3:1. Lucas Barrios' Treffer zum 3:2 kam zu spät. Wieder 16.130 Zuschauer, wieder ein großer Pokalabend – und erstmals seit 1989/90 wieder ein Viertelfinale.
Auch dort war die Bremer Brücke mit exakt 16.130 Zuschauern gefüllt, das ZDF übertrug live. Der FC Schalke 04 mit Manuel Neuer, Benedikt Höwedes, Ivan Rakitić und Kevin Kurányi war zu Gast. Lange hielt der Drittligist das Spiel offen. Ein Treffer von Kurányi in der 59. Minute entschied die Partie schließlich zugunsten der Schalker. Mit 0:1 endete einer der größten Pokalläufe der Vereinsgeschichte.

Der HSV – erneut ein besonderer Pokalgegner
Acht Jahre nach dem Erfolg im Elfmeterschießen kreuzten sich die Wege des VfL und des Hamburger SV erneut. Am 13. August 2017 kam der Bundesligist zur ersten Runde an die ausverkaufte Bremer Brücke.
Die Voraussetzungen wurden für den Drittligisten schon früh denkbar schwierig: Marcel Appiah sah nach 19 Minuten die Rote Karte. Mehr als 70 Minuten musste der VfL damit in Unterzahl bestreiten.
Es folgte einer jener Nachmittage, an denen die Bremer Brücke ihrem Ruf als besonderer Pokalort gerecht wurde. Halil Savran traf vor der Pause zum 1:0. Marc Heider erhöhte nach einer Stunde auf 2:0, Ahmet Arslan machte mit dem dritten Osnabrücker Treffer die Sensation perfekt. Der HSV verkürzte per Elfmeter lediglich noch auf 3:1. 16.000 Zuschauer erlebten einen VfL-Sieg gegen einen Bundesligisten trotz mehr als 70 Minuten in Unterzahl.
Noch einmal Pokaldrama: Werder und Freiburg 2021
Auch in der Saison 2021/22 gelangen den Lila-Weißen besondere Pokalabende. In der ersten Runde war Werder Bremen zu Gast. Maurice Trapp erzielte unmittelbar vor der Halbzeit das 1:0, Sven Köhler machte in der Schlussphase den 2:0-Erfolg perfekt. Wieder hatte der VfL einen höherklassigen Gegner an der Bremer Brücke aus dem Wettbewerb geworfen.
In Runde zwei wurde es gegen den SC Freiburg noch dramatischer. Vincenzo Grifo brachte den Bundesligisten in Führung. Erst tief in der Nachspielzeit glich Lukas Gugganig zum 1:1 aus und erzwang die Verlängerung.
Dort drehte Sebastian Klaas das Spiel mit dem 2:1 in der 108. Minute. Der VfL war nur wenige Augenblicke vom Einzug ins Achtelfinale entfernt, ehe Keven Schlotterbeck in der 120. Minute zum 2:2 traf. Im anschließenden Elfmeterschießen setzte sich Freiburg mit 3:2 durch.
Drei Jahre später war der SC Freiburg erneut Pokalgegner an der Bremer Brücke. Diesmal gab es in der ersten Runde beim 0:4 nichts zu holen. Es war zugleich die bislang letzte DFB-Pokalpartie der Lila-Weißen vor der Rückkehr in den Wettbewerb 2026/27.
Lothar Gans vorne, Reinhold Nordmann treffsicherster VfL-Spieler
Kein Spieler lief häufiger für die Lila-Weißen im DFB-Pokal auf als Lothar Gans. 25 Pokalspiele absolvierte er für den VfL. Dahinter folgen Klaus Baumanns mit 19 sowie Karl-Friedrich Wessel und Dirk Gellrich mit jeweils 17 Partien. Gerd-Volker Schock kommt auf 16 Einsätze.
Bei den Torjägern führt nach den offiziellen Daten des DFB Reinhold Nordmann mit acht Treffern. Dahinter folgt Andreas Wagner mit sechs Toren. Die Hälfte davon erzielte er an jenem legendären Septembertag 1978 in München. Detlef Olaidotter kommt auf fünf Pokaltore.
Auf jeweils vier Treffer für den VfL kommen Frank Schulz, Claus-Dieter Wollitz, Antoine Fagot, Markus Feldhoff, Thomas Reichenberger, Frank Dietrich und Günter Schäfer.
Gerade bei historischen Spielerstatistiken können verschiedene Datenbanken voneinander abweichen. So wird Reinhold Nordmann teilweise mit neun Pokaltoren geführt. Für die offizielle Einordnung wird die Zahl des DFB-Datencenters verwendet: acht Tore.
Und nun Pokalspiel Nummer 97
Am kommenden Mittwoch wird diese Geschichte um ein weiteres Kapitel ergänzt. Um 20:45 Uhr empfängt der VfL Osnabrück den FC Bayern München an der ausverkauften Bremer Brücke. Für die Lila-Weißen ist es nach DFB-Zählweise die 50. Teilnahme am Wettbewerb und das 97. DFB-Pokalspiel der Vereinsgeschichte.
Zum vierten Mal treffen Osnabrück und München damit im DFB-Pokal aufeinander. Nach dem legendären 5:4-Erfolg von 1978 folgten zwei Duelle an der Bremer Brücke: 2001 gewann Bayern mit 2:0, 2004 setzte sich der Rekordpokalsieger mit 3:2 durch. Die bisherige Pokalbilanz gegen den FC Bayern lautet aus VfL-Sicht somit ein Sieg, zwei Niederlagen und 7:9 Tore.
Fast 74 Jahre nach dem ersten DFB-Pokalspiel des VfL gegen Phönix Ludwigshafen heißt der Gegner beim 97. Spiel also FC Bayern München. Der Wettbewerb hat den Lila-Weißen in dieser langen Zeit Siege, Niederlagen, Rekorde, Dramen und einige der größten Überraschungen der Vereinsgeschichte beschert. Am Mittwoch kommt ein weiteres Spiel hinzu.
Wer einen Blick auf alte Exponate aus den Pokalspielen gegen die Bayern erhaschen will, kann in diesen Tagen zur NOZ-Geschäftsstelle in der Osnabrücker Innenstadt kommen. Im Schaufenster werden dort unter anderem die (alten) Trikots der Partien ausgestellt in Zusammenarbeit mit der noz.
Titelbild: osnapix
Text: Malik Scherz


