Seit der gestrigen DFB-Pokalauslosung herrscht Gewissheit: Zum vierten Mal in der Historie trifft der VfL Osnabrück in einem Pflichtspiel auf den FC Bayern München. Ein Blick in die vergangenen Duelle zeigt, dass sich die Lila-Weißen gegen den scheinbar übermächtigen Gegner keinesfalls verstecken müssen.
Zum ersten Aufeinandertreffen kam es am 23. September 1978. Damals reisten die Osnabrücker als Tabellenachter der 2. Bundesliga Nord in der zweiten Runde des DFB-Pokals als Underdog ins Münchner Olympiastadion und spielten gegen die mit zahlreichen Weltmeistern von 1974 gespickte Bayern-Elf groß auf. Dabei musste VfL-Keeper Rolf Meyer bereits früh hinter sich greifen. In der 16. Minute brachte Udo Horsmann die Gastgeber vor 8.500 Zuschauern in Führung. Die Osnabrücker ließen sich davon allerdings nicht beirren. Mittelstürmer Andreas Wagner drehte die Partie kurzerhand im Alleingang und schnürte mit seinen Treffern in der 27. und 29. Minute einen blitzschnellen Doppelpack. Auf der Gegenseite zeigten aber auch die Münchner in Person von Gerd Müller ihre Offensivqualität. In einem Hin und Her glich Müller per Elfmeter in der 31. Minute aus, ehe Reinhold Nordmann den VfL zehn Minuten später wieder in Führung brachte (41.). Kurz vor dem Halbzeitpfiff köpfte Gerd Müller erneut zum 3:3-Ausgleich ein.
Und auch nach der Pause traf der „Bomber der Nation“ ins Osnabrücker Gehäuse. Erneut per Elfmeter brachte er den FCB mit 4:3 in Führung. Doch auch das brachte die Lila-Weißen nicht aus dem Konzept. Es folgte wieder ein Doppelschlag innerhalb von drei Minuten. Michael Strunck glich in der 69. Minute zum 4:4 aus und Andreas Wagner setzte mit dem 5:4 in der 71. Minute den Schlusspunkt der Partie. Sensationell warf der VfL Osnabrück den großen FCB also in der zweiten Runde des DFB-Pokals im Münchner Olympiastadion aus dem Wettbewerb. Zwar war für den VfL nach einer 0:1-Niederlage gegen Rot-Weiß Oberhausen später im Achtelfinale Schluss (zuvor hatte man in der dritten Runde Fortuna Köln mit 2:1 besiegt), der Sieg gegen die Bayern bleibt jedoch bis heute in Erinnerung und ist ein fester Bestandteil der lila-weißen Geschichtsbücher.

23 Jahre später kam es schließlich zum zweiten Pokalduell mit dem FCB. Wieder in der zweiten Runde, diesmal aber an der Bremer Brücke, trafen am 12. Dezember 2001 der VfL als Absteiger aus der 2. Bundesliga und der amtierende Champions-League-Sieger aufeinander. Vor 17.500 Zuschauern hielten die Osnabrücker mit Alexander Ukrow, Joe Enochs, Daniel Thioune und Co. lange mit und gingen mit einem 0:0 in die Halbzeitpause. Am Ende setzte sich die individuelle Klasse der Bayern dennoch durch. Carsten Jancker (49.) und Mehmet Scholl (62.) sorgten für die 2:0-Führung des FCB, sodass auch die Gelb-Rote Karte von Robert Kovac eine Viertelstunde vor Schluss (74.) keine großen Auswirkungen auf den Spielverlauf mehr hatte. Am Ende konnte der VfL als Drittligist den Platz dennoch erhobenen Hauptes verlassen. Drei Jahre später bot sich schließlich die Chance zur Revanche.
Nachdem der VfL in der Saison 2004/05 in der ersten Runde den FC Erzgebirge Aue mit 3:2 geschlagen hatte, bekam man erneut in der zweiten Runde den FC Bayern München zugelost. Am Abend des 21. September 2004 empfing man vor 18.200 Zuschauern zum zweiten Mal den Rekordsieger des Wettbewerbs in der Hasestadt. Dabei schockte Claudio Pizarro den VfL früh. Schon in der vierten Minute traf der Peruaner per Kopfball ins Tor von Keeper Tino Berbig. Mit deutlich mehr Wucht jagte jedoch anschließend Joe Enochs das Spielgerät in den Kasten der Münchner. Mit einem Distanzschuss traf der VfL-Rekordspieler unhaltbar für Torwart Michael Rensing zum zwischenzeitlichen 1:1. Nach dem Wiederanpfiff ließen die Lila-Weißen keinesfalls nach. Thomas Reichenberger brachte die Osnabrücker per Abstauber in der 64. Minute in Führung und ließ den Schinkel endgültig beben. Neun Minuten später vollendete Pizarro jedoch seinen Doppelpack und glich zum 2:2 aus. Daraufhin sah es lange Zeit nach einem verlängerten Abend an der Bremer Brücke aus. Doch die lila-weißen Träume zerstörte schließlich Roy Makaay, der in der 90. Minute ins Osnabrücker Herz und zum 3:2-Siegtreffer für die Bayern traf. Am Ende musste sich der VfL somit trotz einer herausragenden Leistung gegen den späteren Pokalsieger geschlagen geben.
Die Historie zeigt dennoch, dass die Lila-Weißen in allen drei bisherigen Duellen mit dem FCB stets mithalten und diesen sogar besiegen konnten. Die VfL-Fans dürfen sich also definitiv auf ein packendes Flutlichtduell Anfang September (1./2. September, Anpfiff: 20:45 Uhr) freuen. Im aktuellen Osnabrücker Kader befindet sich zudem bereits einige Erfahrung mit Duellen gegen den Rekordsieger. So traf Robin Meißner im Dress des FC Viktoria Köln 2022 in der ersten Runde auf den FC Bayern, musste sich jedoch mit 0:5 im RheinEnergieSTADION geschlagen geben. Zwar nicht im DFB-Pokal, aber bereits gegen die Bayern getroffen hat dagegen Kai Pröger. Mit dem SC Paderborn empfing er die Münchner im September 2019 in Ostwestfalen. Nur sechs Minuten nach seiner Einwechslung erzielte der Offensivakteur per Rechtsschuss in der 68. Minute den 1:2-Anschlusstreffer. Damit machte der heute 34-Jährige es seinem Trainer gleich.
Timo Schultz traf als Spieler mit dem FC St. Pauli am 9. September 2006 in der ersten Runde des DFB-Pokals auf den FCB und brachte seine Mannschaft in der 31. Minute in Führung. Erst in der Verlängerung mussten sich die Kiezkicker damals mit 1:2 geschlagen geben. Wenige Monate zuvor war Schultz mit St. Pauli erst im Halbfinale des DFB-Pokals ebenfalls an den Münchnern gescheitert. Damals unterlag man allerdings deutlich mit 0:3. Und auch Co-Trainer Ferydoon Zandi stand in seiner Spielerkarriere im Halbfinale des Wettbewerbs. In der Saison 2003/04 schied er mit dem VfB Lübeck gegen den späteren Sieger Werder Bremen mit 2:3 nach Verlängerung aus. Dabei brachte Zandi die Lübecker selbst mit seinem Treffer zum 2:1 in der 94. Minute in Führung. Vier Jahre zuvor traf der ehemalige iranische Nationalspieler mit dem SV Meppen in der dritten Runde des Pokals auf den FC Bayern München, musste sich jedoch mit 1:4 geschlagen geben.
Mit Blick auf die Vergangenheit dürfte eines bereits feststehen: Der VfL wird sich auch im vierten Pflichtspielduell mit dem FC Bayern München nicht verstecken. Die bisherigen Aufeinandertreffen haben gezeigt, dass die Lila-Weißen den Rekordmeister immer wieder vor große Herausforderungen stellen konnten. Beste Voraussetzungen also für einen besonderen Pokalabend an der Bremer Brücke.
Informationen zum Ticketverkauf für die Partie folgen nach dem abgeschlossenen Dauerkartenverkauf. Bis dahin bittet der VfL von Nachfragen abzusehen.
Text: Jendrik Greiwe
Foto: Nico Herbertz
