Luca Raimund hat in seiner noch jungen Karriere bereits einige besondere Momente erlebt. Der 21-Jährige stand im Kader des VfB Stuttgart für Spiele gegen Real Madrid und Sparta Prag, wurde zum Torschützen des Monats nominiert und musste zugleich eine mehr als einjährige Verletzungspause überstehen. Nun möchte der Rechtsaußen beim VfL Osnabrück wieder dauerhaft auf dem Platz stehen und durchstarten.

Geboren wurde Luca Raimund am 9. April 2005 in Böblingen. Seine ersten Schritte im Fußball machte er im Alter von fünf Jahren bei seinem Heimatverein, der SpVgg Warmbronn. Vier Jahre später wechselte er zum SV Böblingen, ehe er nach weiteren drei Jahren den Schritt in das Nachwuchsleistungszentrum des VfB Stuttgart wagte. In Kindheitstagen richtete sich sein Blick aber nicht nur zum VfB, sondern auch zur Bundesligakonkurrenz der Schwaben. „Wirklich angefangen mit Fußball bin ich wegen Marco Reus. Er hat mich als Spieler einfach sehr inspiriert und war sehr lange mein Idol“, erzählte Raimund im Juni 2025 im Interview mit Fortuna Düsseldorf. In Stuttgart durchlief Raimund anschließend sämtliche Juniorenteams und wurde dort schnell zum Leistungsträger.

Auch auf internationaler Ebene sammelte der Offensivspieler früh Erfahrung. In der U17 und U18 lief Raimund insgesamt achtmal für die deutsche Nationalmannschaft auf. Dabei stand er unter anderem auch mit Ex-Osnabrücker Kevin Wiethaup auf dem Platz. In der Saison 2021/22 erreichte Raimund mit den B-Junioren des VfB zudem das Finale um die Deutsche Meisterschaft. Gegen den FC Schalke 04 musste sich Stuttgart dabei denkbar knapp mit 3:4 im Elfmeterschießen geschlagen geben.

Sein Bundesligadebüt feierte Raimund am 5. November 2023. Beim 0:2 gegen den 1. FC Heidenheim wurde der damals 18-Jährige eingewechselt und verpasste seinen ersten Treffer nur knapp. In der Nachspielzeit traf er aus kürzester Distanz den Querbalken. Der gebürtige Böblinger ist bevorzugt auf der rechten Außenbahn unterwegs, obwohl sein linker Fuß sein stärkerer ist. „Ich denke, ich habe ein ganz spannendes Spielerprofil, weil ich ungewöhnlich groß bin für meine Position. Ich bin recht schnell, habe eine gute Technik und auch einen ganz guten Torabschluss. Also bin ich ein sehr schön anzusehender Fußballer, wenn man das so sagen darf“, so Raimund bei seiner Vorstellung bei Fortuna Düsseldorf ein wenig scherzhaft.

In der Saison 2023/24 gehörte Raimund zeitweise auch zum Kader des VfB in der UEFA Champions League. Beim Auswärtsspiel bei Real Madrid und zwei Wochen später beim Heimspiel gegen Sparta Prag stand er im Aufgebot, kam jedoch nicht zum Einsatz. Gegen die Königlichen stand er allerdings bereits in der UEFA Youth League auf dem Platz, musste dabei aber eine 1:3-Niederlage hinnehmen. Im weiteren Saisonverlauf gehörte Raimund zum festen Bestandteil des Trainingskaders der Profis und kam zu zwei weiteren Einsätzen in der Bundesliga. Einer davon könnte sich schon in wenigen Wochen bezahlt machen. Denn der 21-Jährige weiß bereits, wie man gegen den FC Bayern München gewinnt. Beim 3:1-Erfolg des VfB im Mai 2024 wurde er in der Nachspielzeit für Deniz Undav eingewechselt. Mit einem Ballgewinn im Mittelfeld leitete er dabei den Treffer zum 3:1 durch Silas ein. Aus Sicht der VfL-Fans darf sich dieses Szenario Anfang September, wenn man in der ersten Runde des DFB-Pokals auf den Rekordpokalsieger trifft, gerne wiederholen.

Zu Beginn der Saison 2024/25 gehörte Raimund schließlich vollwertig zum Profikader der Schwaben. Mit dem VfB reiste er auch ins Trainingslager nach Asien, wo es in einem Testspiel gegen den südkoreanischen Erstligisten Kyoto Sanga FC ging. Beim 5:3-Erfolg erzielte der damals 18-Jährige mit einem Distanzschuss aus rund 20 Metern den Endstand. Bemerkenswert dabei war, dass Raimund mit seinem eigentlich schwächeren rechten Fuß traf. Für diesen Treffer wurde er von der Sportschau zum “Tor des Monats Juli” nominiert. Die Auszeichnung ging schließlich an Elisa Senß, doch Raimund erhielt erstmals bundesweit größere Aufmerksamkeit.

Mit Beginn der Saison 2024/25 kam Raimund jedoch zunächst in der Zweitvertretung des VfB zum Einsatz, mit der er wenige Monate zuvor die Meisterschaft in der Regionalliga Südwest und den damit verbundenen Aufstieg in die 3. Liga gefeiert hatte. So stand er auch am 6. Oktober 2024 beim Auswärtsspiel der VfB-Zweitvertretung an der Bremer Brücke auf dem Platz. „Ich glaube, es war mein fünfter Drittligaeinsatz. Da habe ich schon einmal gespürt, wie laut es hier ist“, erinnerte sich Raimund im Vorstellungsinterview bei VfL-TV. In der 69. Minute musste er jedoch verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Es folgte die bislang schwierigste Phase seiner Karriere.

Einen Tag nach seinem Einsatz an der Bremer Brücke wurde eine Oberschenkelverletzung diagnostiziert, die ihn 86 Tage außer Gefecht setzen sollte. Nur wenige Tage nach seiner Rückkehr auf den Trainingsplatz folgte im Januar 2025 ein Muskelbündelriss, wodurch Raimund 224 Tage und bis zum Saisonende ausfiel. In der Saison 2024/25 kam er dadurch lediglich in fünf Pflichtspielen zum Einsatz.

Im Sommer 2025 wagte Raimund nach sieben Jahren den Weg aus seiner Heimat und wechselte in die 2. Bundesliga zu Fortuna Düsseldorf. Doch am Rhein verfolgte ihn zu Beginn das Verletzungspech. Nach zwei Einsätzen in der Regionalliga West für Fortuna Düsseldorf II traten erneut muskuläre Probleme auf. Insgesamt verpasste Raimund in dieser Zeit 51 Pflichtspiele für den VfB Stuttgart und Fortuna Düsseldorf.

Nach mehr als einem Jahr Leidenszeit feierte Raimund am 17. Oktober 2025 endlich sein Proficomeback und gleichzeitig sein Debüt für die erste Mannschaft von Fortuna Düsseldorf. Beim 1:2 gegen Eintracht Braunschweig stand er in der Startelf, wurde zur Halbzeit jedoch ausgewechselt. Zum Jahresende fand der Offensivspieler dann endgültig zurück in den Rhythmus und kam an sechs aufeinanderfolgenden Spieltagen zum Einsatz. Zeitgleich feierte auch sein Cousin Philipp Raimund einen besonderen sportlichen Erfolg. Der Skispringer gewann bei den Olympischen Winterspielen in Mailand-Cortina die Goldmedaille auf der Normalschanze. Mit seinem zweiten Sprung auf 106,5 Meter sicherte er sich den Olympiasieg.

In einer sportlich schwierigen Saison, in der es zu mehreren Trainerwechseln kam, wurde Raimund im Laufe der Rückrunde nur noch sporadisch eingesetzt, feierte aber dennoch seinen ersten Treffer in der 2. Bundesliga. Im Heimspiel gegen Dynamo Dresden (3:1) vollendete er im April dieses Jahres das zwischenzeitliche 3:0 mit einem satten Linksschuss ins rechte untere Eck. Die wichtigen drei Punkte im Abstiegskampf reichten bekanntermaßen aber am Ende nicht aus. Am letzten Spieltag verlor die Fortuna mit 0:3 bei Greuther Fürth und musste damit auf Platz 17 den Gang in die 3. Liga antreten. Luca Raimund kam bei der Partie nicht mehr zum Einsatz und blieb der Liga mit seinem anschließenden Wechsel zum VfL Osnabrück erhalten. Mit einem spannenden Spielerprofil und wichtigen Erfahrungen aus dem Abstiegskampf in der 2. Bundesliga soll der Außenbahnspieler also das Offensivspiel der Lila-Weißen bereichern.

Im Trainingslager im österreichischen Lienz fiel Raimund gegen Ende mit einem leichten grippalen Infekt aus. Am letzten gemeinsamen Abend erholte sich der 21-Jährige jedoch so weit, dass er seinen obligatorischen Einstand beim Karaokesingen geben konnte. „Ich hatte ja viel Zeit zum Üben, deshalb habe ich mir etwas Besonderes überlegt“, leitete er seine Performance ein und stimmte anschließend „Billie Jean“ von Michael Jackson an. Und auch der dazugehörige Moonwalk durfte dabei natürlich nicht fehlen. Auf dem Platz möchte Luca Raimund nun ebenfalls wieder für besondere Momente sorgen. Nach einer langen Leidenszeit will der linksfüßige Rechtsaußen beim VfL Osnabrück an seine früheren Leistungen anknüpfen und den nächsten Abschnitt seiner Karriere an der Bremer Brücke schreiben.


Text: Jendrik Greiwe
Foto: Jonas Jürgens