Wer gestern beim Spiel der deutschen Nationalmannschaft ganz genau hingeschaut hat, wird zwischen den vielen schwarz-rot-goldenen auch eine lila-weiße Fahne entdeckt haben. Mit ins Stadion gebracht hat diese Sebastian Grothus, der seit über 30 Jahren Fan des VfL ist und seine Faszination auch an seinen Sohn Xaver weitergegeben hat.
Seit etwas mehr als einem Jahr lebt Sebastian Grothus mit seiner Familie in Mountain View in Kalifornien, nicht unweit des Google Headquarters. Schnell war für Vater Sebastian und Sohn Xaver mit Blick auf die diesjährige Weltmeisterschaft in den USA klar, dass der Urlaub in diesem Jahr ausfallen müsse. Stattdessen wollte das fußballverrückte Vater-Sohn-Duo die WM-Spiele der deutschen Mannschaft im Stadion verfolgen. Nachdem die Tickets gebucht und die Reise organisiert waren, ging es also daran, die Koffer zu packen. Dabei war beiden sofort klar, dass die VfL-Fahne, die sonst im Haus in Kalifornien hängt und die Gäste begrüßt, mit ins Stadion muss. Schließlich könne diese nach der herausragenden Aufstiegssaison der Lila-Weißen, deren Spiele Sebastian und Xaver meist morgens um 5 Uhr live aus den USA verfolgten, auch der deutschen Mannschaft Glück bringen.
„Außerdem hat es der VfL immer verdient, dass seine Farben erstrahlen. Osna international, ganz egal wie weit!“, so Sebastian Grothus selbst. Nach diesem Motto lebt er schon seit mehreren Jahren. Denn auch vor seinem Umzug nach Kalifornien lebte er immer wieder in weiter Ferne der Hasestadt. Neben München, Bonn und Biberach an der Riß wohnte er auch bereits in Sydney und Darwin (Australien). Seine lila-weiße Leidenschaft litt darunter allerdings nie. Egal, wo er auf der Welt lebte, behielt er stets seine Dauerkarte. Wenn er nicht selbst vor Ort ist, teilt er diese natürlich mit Freunden und Bekannten aus Osnabrück oder dem Fanclub Hagen, bei dem er ebenfalls Mitglied ist.
Und auch seinen Sohn Xaver hat er früh mit dem lila-weißen Virus infiziert. Mit gerade einmal vier Jahren erlebte dieser seinen ersten Stadionbesuch. Beim Auswärtsspiel gegen den VfR Aalen saß er mit seinem Vater im Sitzplatzbereich, feuerte den VfL aber so lautstark an, dass er von der Fanszene in der Halbzeit eine Fahne geschenkt bekam. Nach weiteren Besuchen von Auswärtsspielen der Lila-Weißen folgte am 20. April 2019 im Alter von fünf Jahren schließlich der allererste Besuch an der Bremer Brücke. Mit dem 2:0-Sieg gegen den VfR Aalen und dem damit perfekt gemachten Aufstieg in die 2. Bundesliga hätte dieser kaum besser verlaufen können.

Mittlerweile ist Xaver mindestens genauso vom VfL fasziniert wie sein Vater. In seinem Zimmer hängt ein Originaltrikot von VfL-Legende Marc Heider, das er nach dem Spiel gegen die Zweitvertretung des SC Freiburg von diesem persönlich am Zaun geschenkt bekommen hat. Live mit dabei waren Sebastian und Xaver natürlich auch beim unvergesslichen Saisonfinale gegen Borussia Dortmund und Jannes Wulffs Treffer zum Aufstieg in 90.+6. Damals lebten die beiden noch in Oberschwaben, wodurch die Anreise zur Bremer Brücke etwas einfacher war.
Aber auch aus weiter Ferne verpassen die beiden kein einziges Spiel. Über VPN und MagentaSport wurde in der vergangenen Saison der Aufstieg aus den USA verfolgt und die lila-weiße Sehnsucht dadurch nur noch größer. Der nächste Trip nach Osnabrück ist bereits geplant. So wird Sebastian aufgrund der schulischen Verpflichtungen leider ohne Sohn Xaver zum DFB-Pokalspiel gegen den FC Bayern München fliegen. Sein Aufenthalt ist jedoch länger vorgesehen, sodass er je nach Ansetzung auch zwei weitere Ligaspiele der Lila-Weißen im Stadion verfolgen möchte. Seine VfL-Fahne wird ihn auf der Reise natürlich begleiten. Und wer weiß, vielleicht bringt diese gegen Bayern München genauso viel Glück wie dem DFB-Team beim gestrigen 7:1-Sieg gegen Curaçao.
Text: Jendrik Greiwe
Fotos: Privat
