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Zu Gast auf der Alm: VfL reist zum Derby nach Bielefeld

Am Samstag gastiert der VfL Osnabrück zum Derby beim DSC Arminia Bielefeld. Gegen die Ostwestfalen wollen die Lila-Weißen in einem erwartbar hitzigen Spiel ihre Auswärtsstärke untermauern. Der Vorbericht.

Der Gegner
Beim Deutschen Sportclub Arminia Bielefeld gab es im Sommer vergleichsweise wenig Bewegung auf dem Transfermarkt. Mit David Min (Leihe vom FC Utrecht), Leon Jensen (Hertha BSC), Jannik Rochelt (Hannover 96) sowie Maximilian Bauer und Henri Koudossou (beide FC Augsburg) stellte der DSC lediglich fünf Neuzugänge vor. Dabei waren Bauer und Rochelt bereits in der vergangenen Saison leihweise für die Arminen aktiv. Auf der Gegenseite verabschiedete man sich mit Christopher Lannert (Darmstadt 98), Roberts Uldrikis (SC Heerenveen), Mael Corboz (Grenoble Foot) und Noah Sarenren Bazee (Waldhof Mannheim) von vier Stammspielern der vergangenen Spielzeit. Auch Julian Kania, der in der Rückrunde der abgelaufenen Saison noch leihweise für den VfL Osnabrück auflief, wechselte nach seiner Rückkehr nach Bielefeld zum niederländischen Zweitligisten De Graafschap. Ein mögliches Wiedersehen könnte es dagegen mit Lukas Kunze geben. Der Ex-Osnabrücker lief zuletzt leihweise für Hansa Rostock auf, kehrte im Sommer aber nach Bielefeld zurück. In dieser Saison kam der 28-Jährige bislang jedoch nur für die zweite Mannschaft in der Oberliga Westfalen zum Einsatz (zwei Spiele, eine Vorlage).

Die größte Veränderung gab es in Bielefeld somit auf der Trainerbank. Nachdem die Zusammenarbeit mit Mitch Kniat im beidseitigen Einvernehmen im Sommer nicht fortgesetzt wurde, präsentierte der Klub aus der Leineweberstadt Oliver Kirch als neuen Cheftrainer. Der 44-Jährige ist auf der Alm jedoch kein Unbekannter. Als Spieler war der defensive Mittelfeldakteur bereits drei Jahre für die Arminia aktiv und sammelte nach seinem Karriereende ab Sommer 2018 erste Erfahrungen im Nachwuchsbereich der Bielefelder. 2021 wechselte Kirch zum Hamburger SV, wo er die U19 als Cheftrainer übernahm und zwei Jahre lang betreute. In den vergangenen drei Jahren war er bei Borussia Mönchengladbach tätig, zunächst ebenfalls für die U19 und nach der Beförderung von Eugen Polanski zum Cheftrainer der Profis für die Zweitvertretung. Im Sommer kehrte der in Soest geborene Kirch damit in die Nähe seiner Heimat zurück.

Sportlich legte die Arminia einen zufriedenstellenden Saisonstart hin. Zwar schied der DSC im DFB-Pokal gegen den Drittligisten Sonnenhof Großaspach im Elfmeterschießen mit 0:3 aus, in der 2. Bundesliga stellte die Mannschaft jedoch insbesondere ihre Heimstärke unter Beweis. In der heimischen SchücoArena ist Bielefeld in dieser Saison noch ungeschlagen. Auf den 3:0-Sieg gegen Energie Cottbus folgten zwei 2:2-Unentschieden gegen den FC St. Pauli und den 1. FC Heidenheim. Am vergangenen Wochenende gelang mit dem 1:0 beim VfL Bochum zudem der erste Auswärtssieg. Mit acht Punkten steht die Arminia nach sieben Spieltagen auf Rang neun und damit aufgrund des besseren Torverhältnisses einen Platz vor dem VfL Osnabrück.

Die Ausgangslage
Ein Blick auf die Tabelle verspricht ein enges Duell zwischen zwei Tabellennachbarn. Beide Mannschaften bringen unterschiedliche Stärken mit, die im Derby entscheidend werden könnten. Während Bielefeld bislang vor allem durch seine defensive Stabilität und die Torgefahr von der Bank auffällt, setzt der VfL auf eine hohe Laufleistung und will die Räume nutzen, die sich im Spiel nach vorne ergeben.

Defensiv präsentiert sich die Arminia bislang grundsätzlich stabil. Mit lediglich 84 zugelassenen Torschüssen weist Bielefeld den Bestwert der Liga auf. Der VfL kommt in dieser Statistik auf 122 gegnerische Abschlüsse und liegt damit auf Rang 17. Besonders auffällig ist zudem die Absicherung gegen Konter, bei denen die Bielefelder bislang nur zwei gegnerische Torschüsse zuließen. Beim VfL waren es zwölf, womit die Lila-Weißen in dieser Statistik den zweithöchsten Wert der Liga aufweisen. Wenn die Bielefelder ihre Gegner dann aber doch zum Abschluss kommen lassen, wird es direkt gefährlich. So kassierte der DSC mit zwölf Gegentoren nur eines weniger als der VfL (13).

Offensiv bewies Trainer Oliver Kirch bislang ein glückliches Händchen. Vier der bislang elf Bielefelder Saisontore erzielten eingewechselte Spieler. Damit ist der DSC besonders bei personellen Veränderungen während der Partie gefährlich. Nur Energie Cottbus kommt mit fünf Treffern durch Einwechselspieler auf einen höheren Wert. Ansonsten übernimmt vor allem Stürmer Joel Grodowski eine zentrale Rolle im Bielefelder Offensivspiel. Der Angreifer zählt mit einer gemessenen Spitzengeschwindigkeit von 35,4 km/h zu den zehn schnellsten Spielern der 2. Bundesliga und stellte seine Qualitäten auch beim 1:0-Sieg in Bochum unter Beweis, als er den entscheidenden Treffer vorbereitete. Zudem überzeugt der 28-Jährige mit einer hohen Effizienz im Abschluss. Bei zwölf Torschüssen erzielte er bislang fünf Tore und nutzte drei seiner vier Großchancen. Seine fünf Saisontreffer erzielte er allesamt in der SchücoArena. Damit traf er in jedem Bielefelder Heimspiel der laufenden Saison und war auch in den letzten fünf Heimpartien saisonübergreifend erfolgreich. Nur Nürnbergs Mohamed Ali Zoma kommt in dieser Spielzeit auf mehr Heimtore. Grodowskis Treffsicherheit ist somit ein wesentlicher Faktor für die Bielefelder Heimserie, in der der DSC seit acht Zweitligaspielen ungeschlagen ist.

Einer der Osnabrücker, der Grodowski am Sonntag aufhalten möchte, ist Robin Fabinski. Der 23-Jährige benötigte nach dem Aufstieg, wie die gesamte Osnabrücker Mannschaft, nicht allzu viel Eingewöhnungszeit und setzt auch in der 2. Bundesliga seine souveränen Leistungen fort. Am vergangenen Wochenende sorgte er mit seinem Kopfballtreffer in der 87. Minute sogar für den Punktgewinn gegen Dynamo Dresden. Seine Paradedisziplin ist jedoch vor allem die defensive Zweikampfführung. Mit einer Zweikampfquote von 65 Prozent überzeugt der Abwehrspieler insbesondere bei der Balleroberung (Anzahl: 33) und führt diese Statistik ligaweit an.

Lange behält der VfL das Spielgerät allerdings nicht in den eigenen Reihen. Aber auch die Bielefelder überlassen den Ball lieber dem gegnerischen Team. Bielefeld kommt bislang auf durchschnittlich 46 Prozent, der VfL auf 42 Prozent Ballbesitz. Im Ligavergleich belegen beide Mannschaften damit die Plätze 16 und 17. Bei der Laufleistung gehören sie dagegen zu den stärkeren Teams der Liga. Der DSC liegt auf Rang vier, der VfL sogar auf Rang drei der Gesamtlaufdistanz.

Aber nicht nur läuferisch dürfte es am Sonntag im Derby ordentlich zur Sache gehen. Das zeigt der Blick auf die jüngere Vergangenheit. In den vergangenen zehn Pflichtspielen zwischen Bielefeld und Osnabrück gab es insgesamt sieben Platzverweise. Viermal traf es dabei einen Spieler des DSC, dreimal einen Akteur des VfL. Auch VfL-Cheftrainer Timo Schultz freut sich auf eine umkämpfte Partie: „Es ist dann schon ein besonderes Spiel. Auch die Tatsache, dass wir erst am Spieltag hinfahren, zeigt, dass man regional gesehen auf jeden Fall vom Derby sprechen kann. Und wenn es dann nachher so hitzig wird auf dem Platz und neben dem Platz im Stadion, dann können wir uns, glaube ich, alle auf einen tollen Sonntag freuen.“ Auf eine besondere Vorbereitung oder Ansprache in der Kabine will der 49-Jährige aber verzichten: „Wir bereiten uns auf ein Auswärtsspiel vor, auf ein wichtiges Auswärtsspiel, auf ein schönes Auswärtsspiel. Wir bereiten uns aber vor allem so vor, dass wir das Spiel dann gewinnen wollen.“

Ebenfalls siegeswillig werden auch die rund 2.800 VfL-Fans nach Bielefeld reisen. Der wieder einmal ausverkaufte Gästeblock möchte die Lila-Weißen im 38. Aufeinandertreffen mit den Bielefeldern gerne zum siebten Sieg anfeuern. Der letzte Auswärtserfolg der Osnabrücker in der 2. Bundesliga liegt dabei ganze 26 Jahre zurück. Am 15. Dezember 2000 feierte man dank des Treffers von Wolfgang Schütte einen 1:0-Sieg.

Das Personal
Bei der Arminia muss Cheftrainer Oliver Kirch lediglich auf Daniel Richter verzichten, der nach einem Kreuzbandriss noch Trainingsrückstand aufweist. Ansonsten stehen dem Bielefelder Trainer alle Akteure zur Verfügung.

VfL-Cheftrainer Timo Schultz kann seinerseits aus dem vollen Kader schöpfen und hat damit zahlreiche Optionen für die Zusammenstellung des Spieltagskaders.

Stimmen zum Spiel
VfL-Cheftrainer Timo Schultz verriet im Spieltagsinterview, dass er die Bielefelder schon seit längerer Zeit genauer beobachtet: „Ich war vor ein paar Wochen da, als Sie zu Hause gegen St. Pauli gespielt haben. Da haben beide Mannschaften ein sehr, sehr intensives Spiel hingelegt, viele Zweikämpfe, sehr viel Vertikalität drin. Sie haben eine Mannschaft, die jetzt über Jahre gewachsen ist. Ähnlich wie wir haben sie eine super Rückrunde in der 3. Liga gespielt und konnten es sogar noch krönen mit dem Pokalfinale. Die Bielefelder haben letztes Jahr, ich würde mal sagen, auch souverän die Klasse gehalten. Von daher ist es eine Zweitligamannschaft, die uns einen Schritt voraus ist, wenn man die Historie der letzten Jahre nimmt. Und trotzdem, glaube ich, dass wir auf Augenhöhe sind und dass wir auch eine Mannschaft sein können, die sie richtig ärgert.“

TV, Liveradio & Liveticker
Der Pay-TV Sender Sky überträgt die Partie sowohl im Einzelspiel (Sky Sport Bundesliga 4) als auch in der Konferenz ab 13:00 Uhr live (Hier Angebot sichern). Zudem meldet sich wenige Minuten vor Anpfiff - präsentiert von Fuchs Gruppe - wie gewohnt das Liveradio unter vfl.de/fans/liveradio. Ansonsten ist das Spiel auch im Liveticker in der App und über die Website verfolgbar.