Am morgigen Mittwochabend empfängt der VfL Osnabrück in der ersten Runde des DFB-Pokals den FC Bayern München (Anpfiff: 20:45 Uhr). Trotz der eindeutigen Ausgangslage geht die Mannschaft von Cheftrainer Timo Schultz mit der heimischen Bremer Brücke im Rücken selbstbewusst in die Partie. Der Vorbericht.
Der Gegner
Zweifelsohne hat der VfL Osnabrück mit dem Los des FC Bayern München den schwierigsten Gegner des Wettbewerbs gezogen. Nicht nur auf individueller Ebene, sondern auch in der Historie des Wettbewerbs lässt sich dies ablesen. 21-mal konnte der FCB den DFB-Pokal bereits gewinnen und ist damit mit weitem Abstand (Platz 2: Werder Bremen mit sechs Siegen) der Rekordsieger des Wettbewerbs. In den letzten Jahren durchlief man im Pokal jedoch eine leichte Schwächephase und konnte in der letzten Saison erstmals nach sechs Jahren wieder den 52 cm hohen und 6,25 kg schweren Pokal in die Höhe stemmen. Zwar stolperten die Bayern also auf dem Weg ins Finale in jüngster Vergangenheit immer wieder, in der ersten Runde zeigte man sich aber stets souverän. Das letzte Mal, dass die Münchner in der ersten Runde ausschieden, ist auf die Saison 1994/95 datiert, als man mit 0:1 gegen den TSV Vestenbergsgreuth verlor. Während der TSV zwei Jahre später mit der SpVgg Greuther fusionierte, entwickelten sich die Bayern zu einer scheinbar unüberwindbaren Hürde. So ist man seit 30 Erstrundenpartien ungeschlagen.
Nach der letztjährigen überzeugenden Doublesaison stellte man an der Säbener Straße bislang zwei Neuzugänge vor. Für eine kolportierte Ablöse von jeweils 50 Millionen Euro verstärkte man sich mit Ismael Saibari (PSV Eindhoven) und Nathaniel Brown (Eintracht Frankfurt). Zudem zog man die Kaufoption bei Bara Sapoko Ndiaye, der bereits im vergangenen Winter auf Leihbasis zu den Münchnern wechselte und in der Rückrunde auf vier Einsätze in der Bundesliga kam. Auf der Gegenseite verabschiedete man unter anderem Leon Goretzka (Aston Villa) und Raphaël Guerreiro (vereinslos), die den Verein beide ablösefrei verlassen haben. Ansonsten verkaufte man unter anderem auch die zuvor ausgeliehenen João Palhinha (Benfica Lissabon), Daniel Peretz (FC Southampton) oder Alexander Nübel (Besiktas Istanbul). Insgesamt transferierte man in diesem Transferfenster somit 16 Spieler (13 Abgänge und drei Neuzugänge).
Auf der Führungsebene führte man im Sommer ebenfalls Personalentscheidungen durch. Am vergangenen Dienstag gab man die Vertragsverlängerungen von Sportvorstand Max Eberl und Vorstandsvorsitzendem Jan-Christian Dreesen bekannt, die beide bis 2029 gebunden wurden.
Die Ausgangslage
Die Bayern starteten makellos in die neue Spielzeit und fuhren sowohl im Supercup gegen Borussia Dortmund (2:1) als auch zum Bundesligaauftakt gegen den VfB Stuttgart (5:1) Siege ein. Dabei wartet Harry Kane noch auf sein erstes Saisontor. Der Mittelstürmer wurde nicht nur Torschützenkönig in der vergangenen Bundesligasaison, sondern stellte mit zehn Treffern auch im DFB-Pokal den Bestwert auf. Innenverteidiger Jannik Müller stand dem englischen Nationalspieler bereits in seiner Zeit bei Darmstadt 98 gegenüber. Wie er auf der Pressekonferenz am Montagnachmittag verriet, widmet er diesem aber keine außergewöhnliche Vorbereitung: „Wir kriegen wie vor jedem Spiel die Videos von unseren Gegnern. Dementsprechend werde ich mir auch nochmal Harry Kane anschauen. Natürlich ist es so, dass man ihn schon des Öfteren im Fernsehen gesehen hat, allein durch die ganzen Champions-League-Spiele. Ich habe in der Bundesliga auch schon gegen ihn gespielt. Deswegen weiß man so ein Stück weit, was auf einen zukommt, aber wenn man dann auf dem Platz ist, hat man nochmal ein anderes Gefühl dafür, was für eine Qualität das ist. Von daher schaue ich mir ihn an und ich freue mich auf das Duell.“
Neben Harry Kane trugen sich für die Bayern in der vergangenen Pokalsaison nur noch Michael Olise und Luis Diaz in die Torschützenliste der Münchner ein. Dies gab es zuletzt und bisher einzigen Male in der Saison 1968/69, als mit Gerd Müller und Rainer Ohlhauser sogar nur zwei Spieler für den FCB trafen.
Bereits mehr als drei Torschützen konnten sich beim VfL in dieser Saison eintragen. Nach der 4:5-Niederlage in Heidenheim und dem 0:3 gegen den 1. FC Magdeburg konnten die Lila-Weißen am vergangenen Freitag mit dem 1:0-Auswärtssieg beim VfL Bochum die ersten drei Punkte sichern. Mit diesem Schwung wollen die Osnabrücker nun auch in die Pokalpartie gegen den FC Bayern München gehen. In der restlos ausverkauften Partie wird man dabei in einem besonderen Dress auflaufen. Als Hommage an den historischen Pokalerfolg gegen eben jene Münchner aus der Saison 1978/79, als man auswärts im Münchner Olympiastadion mit 5:4 gewann, laufen Jannik Müller und Co. am Mittwochabend im weißen Gewand auf. Das Sondertrikot ist seit Dienstagvormittag sowohl stationär im Fanshop an der Bremer Brücke als auch im Online-Fanshop verfügbar.

Die Vorfreude auf den Flutlichtabend ist dabei nicht nur bei den Fans riesengroß. Auch die Spieler freuen sich auf den herausfordernden Gegner: „Ich freue mich einfach, wie alle, riesig auf das Spiel und werde versuchen, alles auf dem Platz zu lassen. Dann wollen wir mal schauen, was dabei rauskommt“, betonte Jannik Müller. Der letzte Erstrundensieg der Lila-Weißen ist im Übrigen fünf Jahre her. Gegen Werder Bremen gewann man mit 2:0, schied eine Runde später erst im Elfmeterschießen (4:5) gegen den späteren Finalisten SC Freiburg aus.
Die Vorzeichen sind damit klar, doch der VfL will sich nicht allein davon beeindrucken lassen. Mit dem Rückenwind aus dem ersten Saisonsieg, der ausverkauften Bremer Brücke und der Unterstützung der eigenen Fans wollen die Lila-Weißen dem Rekordsieger des Wettbewerbs einen möglichst unangenehmen Pokalabend bereiten.
Das Personal
Bei den Bayern muss Trainer Vincent Kompany auf Serge Gnabry (Adduktorenverletzung) verzichten. Ein Einsatz von Jamal Musiala bleibt nach seiner neurologischen Dysfunktion fraglich.
Bei den Lila-Weißen kann Cheftrainer Timo Schultz erneut aus dem Vollen schöpfen und muss keinerlei Ausfälle verzeichnen.
Stimmen zum Spiel
Timo Schultz gab sich auf der Pressekonferenz vor dem Spiel selbstbewusst und freut sich auf den besonderen Abend an der Bremer Brücke: „Das ist nun mal der Pokal und der Pokal hat, das finde ich, ist ein toller Spruch, seine eigenen Gesetze. Ich denke, gerade so ein Stadion wie die Bremer Brücke, das Setting, mittwochsabends, 20:45 Uhr, früh in der Saison, das gibt einiges her. Ich glaube, dass das Spiel für die Bayern deutlich unangenehmer ist als jetzt der Auftakt, wo sie fünf, sechs Wochen darauf hintrainieren konnten, zu Hause gegen den VfB Stuttgart. Wir wollen und wir werden es den Bayern so schwer wie möglich machen. Wir haben nichts zu verlieren in dem Spiel und wissen, dass einiges zusammenkommen muss. Aber das Spiel geht bei 0:0 los, wir starten im Elf gegen Elf und ich bin der festen Überzeugung, dass im Fußball alles möglich ist. Das ist ja das Schöne, dass man vorher nie sagen kann, wie es am Ende ausgeht.“
Angesprochen auf die taktische Ausrichtung seiner Mannschaft und die wohl wahrscheinliche Überlegenheit des Gegners, gab sich der 49-Jährige ebenfalls gelassen: „Ich kann mich an ein Spiel erinnern zu Hause gegen Viktoria Köln. Da hatten wir, glaube ich, 25 zu 75 Prozent Ballbesitz für Viktoria Köln und 0:9 Ecken. Und wir haben das Spiel verdient 2:0 gewonnen. Von daher ist Ballbesitz nicht das Entscheidende. Du musst versuchen, die Räume zu kontrollieren und bei Bayern natürlich auch ihre individuelle Klasse rauszunehmen. Da werden viele Sachen zusammenkommen. Das wird natürlich eine Mammutaufgabe. Aber wir fühlen uns wohl, wenn wir auch tiefer verteidigen können, wir fühlen uns wohl, wenn wir auch in der eigenen Box verteidigen können, das haben wir auch in Bochum gezeigt. Von daher ist es für uns nichts Neues.“
FCB-Coach Vincent Kompany ist sich über die besondere Atmosphäre an der Bremer Brücke bewusst: „Das Wichtigste ist, dass man weiß, dass alles schwierig sein kann, dass man es nicht unterschätzt. Ich habe schon viel über die Bremer Brücke gehört. Du musst immer dieses Puzzle lösen - egal ob Champions League, Bundesliga oder Pokal. Es geht immer darum zu gewinnen. Du musst die Informationen mitnehmen und die Latte genauso hochhalten. Dieses Puzzle zu lösen ist manchmal schwierig, aber wir haben einen Kader, der uns das erlaubt.“
Taktisch wird es laut dem Belgier für seine Mannschaft vor allem darum gehen die Räume zwischen den Defensivketten zu finden: „Sie hatten letzte Saison viel Erfolg, mit defensiver Kompaktheit und daraus mit Kontern gefährlich zu werden. In den ersten Spielen hat es nicht so geklappt, dann haben sie gegen Bochum aber wieder diese Kompaktheit gefunden. Es sind nie leichte Spiele. Wenn wir einen guten Tag haben, funktioniert oft viel. Aber es ist immer abhängig, wie schnell du die Räume findest und wie sie gefährlich werden können.“
TV, Liveradio und Liveticker
Der Pay-TV Sender Sky überträgt die Partie ab 20:15 Uhr live (Hier Angebot sichern). Darüber hinaus ist das Spiel ab 20:15 Uhr auch im Free TV in der ARD sowohl im TV als auch im Stream zu sehen. Das Liveradio – präsentiert von der Fuchs Gruppe – meldet sich wie gewohnt unter vfl.de/fans/liveradio. Ansonsten ist das Spiel auch im Liveticker in der App und über die Website verfolgbar.
Titelbild: Marc Niemeyer
Text: Jendrik Greiwe



