Am Freitagabend trifft der VfL Osnabrück auswärts auf den VfL Bochum (Anpfiff: 18:30 Uhr). Im Ruhrstadion wollen die Lila-Weißen mit einem ausverkauften Gästeblock im Rücken die erste Punktausbeute der Saison feiern. Der Vorbericht.
Der Gegner
In der aktuellen Transferphase gab es beim VfL Bochum viel Fluktuation. Insgesamt elf externe Neuzugänge stellte man an der Castroper Straße vor. Zudem rückten mit Alessandro Crimaldi (VfL Bochum II), Luis Pick, Lasse Isbruch und Tom Meyer (alle U19) vier Spieler zu den Profis auf. Dabei gab man nur für Innenverteidiger Michael Steinwender, der für 500.000 Euro vom schottischen Erstligisten Hearts of Midlothian FC ins Ruhrgebiet kam, eine Ablöse aus. Ansonsten verpflichtete man ausschließlich ablösefreie Neuzugänge.
Darunter weilt neben Namen wie Berkan Taz (SC Verl), Jean Manuel Mbom (Viborg FF), Karol Mets (FC St. Pauli) und Christian Rasmussen (Fortuna Düsseldorf) auch Ex-Osnabrücker Yigit Karademir, der im Sommer aus der Hasestadt nach Bochum wechselte. Nach fünf Jahren in Lila-Weiß, in denen er in der A-Jugend in der DFB-Nachwuchsliga auflief, eine Leihe zum SV Meppen vollzog und sein Profidebüt in der 3. Liga feierte, stand er am ersten Spieltag für die Bochumer direkt in der Startelf und absolvierte somit sein erstes Zweitligaspiel in seiner Karriere. Im zweiten Heimspiel kommt es für den 22-Jährigen also nun direkt zum Wiedersehen mit seinen alten Mannschaftskameraden. Aber nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz treffen die Lila-Weißen mit Mathis Beckmann und Simon Zoller auf bekannte Gesichter. Während Beckmann von 2020 bis 2025 als Reha- und Athletiktrainer in Osnabrück tätig war, lief Zoller in der Saison 2012/13 in 39 Partien (15 Tore, 7 Vorlagen) für den VfL auf. Mittlerweile sind beide in Bochum als Rehatrainer (Beckmann) und Leiter des Lizenzbereichs (Zoller) tätig.
Wie bereits angedeutet, mussten die Bochumer aber auch auf der Abgangsseite viele Spieler verabschieden. Insgesamt 17 Akteure (davon fünf beendete Leihen) verließen den VfL. Mit den Transfers von Cajetan Lenz (TSG Hoffenheim, Ablöse 10 Millionen Euro), Moritz-Broni Kwarteng (1. FC Magdeburg, Ablöse 300.000 Euro) und Niclas Thiede (ADO Den Haag, Ablöse 100.000 Euro) konnte der Verein dabei allerdings auch einige Erlöse generieren.
Für Trainer Uwe Rösler hieß das allerdings auch, in der Sommerpause den neu formierten Kader wieder zu einer Einheit zu formen. Der 57-Jährige ist seit Oktober 2025 Cheftrainer der Bochumer und konnte in bislang 31 Partien 13 Siege und 11 Unentschieden einfahren. In der vergangenen Saison landete er mit dem VfL am Ende mit 44 Punkten auf dem neunten Tabellenplatz. In der Sommervorbereitung musste man schließlich nur eine einzige Testspielniederlage gegen Werder Bremen (0:2) hinnehmen. Gegen internationale Erstligisten wie Royal Antwerpen (1:0) und Ajax Amsterdam (1:1) blieb man dagegen ungeschlagen.
Die Ausgangslage
Im Auftaktspiel der 2. Bundesliga trafen die Bochumer im heimischen Ruhrstadion auf Hertha BSC und mussten dabei eine 0:1-Niederlage hinnehmen. Den ersten Saisonsieg fuhr man so eine Woche später im Auswärtsspiel bei Eintracht Braunschweig ein, als man 1:0 gewinnen konnte. Das Siegtor erzielte dabei Philipp Hofmann, der damit seinen insgesamt 85. Treffer in der 2. Bundesliga schoss. Unter allen aktuellen Zweitligaspielern kann nur Robert Glatzel (VfL Wolfsburg, 94 Tore) mehr Treffer in der zweithöchsten deutschen Spielklasse vorweisen. Und auch im DFB-Pokal konnte Hofmann seiner Mannschaft mit einem Treffer beim 2:1-Sieg gegen Greuther Fürth zum Weiterkommen verhelfen.
Das bislang spielerische Prunkstück der Bochumer ist dabei aber nicht die offensive, sondern die defensive Stabilität. Mit einem Gegentor, einer zugelassenen Top-Chance und einem gegnerischen xGoals-Wert von 2,1 weist man Topwerte im Ligavergleich auf. Das hebt auch Innenverteidiger Michael Steinwender im Interview mit dem VfL Bochum auf der Vereinswebsite hervor: „Wir sind aktuell sehr, sehr kompakt. Da spreche ich auch für die gesamte Mannschaft. Wir versuchen immer, so schnell wie möglich alle Spieler hinter den Ball zu bekommen. Hinten die Null zu halten ist die Basis, in der Offensive haben wir viele Waffen, um jederzeit ein Tor schießen zu können. Wir müssen uns noch verbessern, das wissen wir. Aber das werden wir machen und es am Freitag auf den Platz bringen.“
Offensiv zeigen die Bochumer in ihrem Spiel bislang eine klar favorisierte Seite auf. 47 Prozent aller Angriffe liefen bislang über die linke Außenbahn, weitere 21 Prozent über das linke Halbfeld. Dabei greifen die Bochumer oftmals auf lange Bälle zurück. 97 lange Bälle aus den ersten beiden Spielen stellen bislang den Topwert in der 2. Bundesliga dar. Zudem scheut sich die Mannschaft von Uwe Rösler vor keinem Zweikampf. Mit 29 begangenen Fouls weist man den dritthöchsten Wert auf. Deutlich fairer ist dagegen der VfL Osnabrück unterwegs. Mit 16 begangenen Foulspielen steht man im Ligavergleich auf Platz 16.
Läuferisch kann man dem VfL Osnabrück dagegen keinen Vorwurf machen, die Lila-Weißen waren an den ersten beiden Spieltagen nach dem KSC am zweitmeisten unterwegs und zogen sogar von allen Teams die meisten intensiven Läufe an. Trotzdem steht man nach den Niederlagen gegen Heidenheim (3:4) und Magdeburg (0:3) mit null Punkten am Tabellenende. Dank dessen, dass die Osnabrücker im DFB-Pokal auf den FC Bayern München treffen und somit die erste Runde erst am kommenden Mittwoch ausgespielt wird, hatte Cheftrainer Timo Schultz zwei Trainingswochen Zeit, seiner Mannschaft weitere taktische Impulse mit auf den Weg zu geben. Mit auf dem Trainingsplatz waren dabei auch die beiden Neuzugänge Daniel Kofi Kyereh und Adrian Beck. Während Daniel Kofi Kyereh bereits vor dem Magdeburg-Spiel offiziell als Neuzugang vorgestellt wurde, stieß Leihgabe Adrian Beck an diesem Montag dazu.
Einen ersten Eindruck von den Qualitäten Kyerehs konnten sich die VfL-Fans bereits im Testspiel gegen den TuS Bersenbrück machen, das die Lila-Weißen am vergangenen Freitag absolvierten. Beim 4:0-Sieg erzielte der Nationalspieler Ghanas den Führungstreffer. Zuvor gewann der VfL auch das zweite Testspiel der Woche gegen den SC Spelle-Venhaus mit 5:3. Cheftrainer Timo Schultz hob im Spieltagsinterview am Mittwochnachmittag nochmals die enorme Qualität der beiden Neuzugänge hervor: „Beide haben ich weiß nicht wie viele hundert Spiele in der ersten und zweiten Liga absolviert. Dass die uns sofort helfen, steht außer Frage.“
Mit frischen Kräften reisen die Osnabrücker also am Freitagabend an die Castroper Straße und wollen dort zusammen mit den über 2.800 mitreisenden Fans einen historischen Auswärtserfolg feiern. Denn in einem Pflichtspiel konnten die Lila-Weißen bislang noch nie gegen die Bochumer gewinnen. In den sechs bisherigen Zweitliga-Duellen zwischen beiden Vereinen gab es vier Siege für den VfL Bochum und zwei Remis. Osnabrück bestritt in seiner Zweitliga-Historie gegen keinen anderen Verein so viele Spiele wie gegen den blau-weißen VfL, ohne auch nur einmal zu gewinnen.
Hoffnung macht dagegen der Testspielsieg der Osnabrücker im November 2025, als man mit 4:1 gewann. Und auch Timo Schultz blickt zuversichtlich auf die Partie: „Das Schöne am Fußball ist es ja, dass es immer bei null losgeht. Dass es immer mit elf gegen elf startet und dementsprechend gehen wir das Spiel so an, dass wir es gewinnen wollen. […] Es wird in der zweiten Liga häufiger vorkommen, dass wir zwei, drei Spiele am Stück nicht gewinnen. Darauf sind wir vorbereitet und trotzdem fahren wir voller Optimismus nach Bochum.“
Das Personal
Bei den Bochumern fallen mit Mikkel Rakneberg (Meniskusschaden), Philipp Strompf (grippaler Infekt), Gerrit Holtmann (Rückenprobleme), Babis Drakas (Knieverletzung) und Jean Manuel Mbom (Sprunggelenksverletzung) fünf Spieler am Freitagabend aus.
Timo Schultz kann auf der Osnabrücker Seite dagegen aus dem Vollen schöpfen. So kehrte der zuletzt verletzt ausgefallene Jonathan Wensing unter der Woche wieder vollumfänglich ins Mannschaftstraining zurück und könnte somit genau wie die beiden Neuzugänge Daniel Kofi Kyereh und Adrian Beck erstmals Teil des Osnabrücker Spieltagskaders sein.
Stimmen zum Spiel
VfL-Cheftrainer Timo Schultz freut sich nach der zweiwöchigen Pflichtspielpause auf ein intensives Flutlichtspiel: „Es wird intensiv. Dafür ist die Castroper Straße bekannt. Immer Visier runter und ab dafür. Also ich freue mich auf das Spiel. Es ist eine geile Atmosphäre, ähnlich wie bei uns hier. Flutlicht geht an, also schöner kann es nicht sein.“
Auch Bochums Innenverteidiger Michael Steinwender erwartet am Freitagabend eine umkämpfte Partie: „Ich erwarte ein sehr, sehr intensives Spiel. Wir haben uns im Training gut vorbereitet. Aufsteiger nehmen in der Regel auch einen gewissen Schwung mit in die neue Saison. Osnabrück wird sich sicherlich auch gut auf uns einstellen. Aber wir haben die letzten beiden Spiele gewonnen und wollen daran anknüpfen.“
„Sie haben eine extreme defensive Stabilität. Mit der [Verpflichtung] von Karol Metz einen sehr wichtiger Spieler dazugekommen, der für die Ordnung hinten drin sorgt. Es ist eine sehr zweikampfstarke und robuste Mannschaft. Und trotzdem auch spielerisch immer wieder darum bemüht, Lösungen zu finden. Und sie haben wirklich ein paar richtig gute Spieler im letzten Drittel mit Hoffmann und Taz. Das sind Jungs, die das Spiel auch im Alleingang entscheiden können. Also ein richtig guter Zweitligist.“
TV, Liveradio und Liveticker
Der Pay-TV Sender Sky überträgt die Partie sowohl im Einzelspiel (Sky Sport Bundesliga 2) als auch in der Konferenz ab 18:00 Uhr live (Hier Angebot sichern). Zudem meldet sich wenige Minuten vor Anpfiff wie gewohnt das Liveradio unter vfl.de/fans/liveradio. Ansonsten ist das Spiel auch im Liveticker in der App und über die Website verfolgbar.

Titelbild: Fabian Frommeyer
Text: Jendrik Greiwe



