Nach dem Pokalabend gegen den FC Bayern München steht für den VfL Osnabrück am Sonntag bereits die nächste wichtige Heimpartie auf dem Programm. Am 4. Spieltag der 2. Bundesliga empfangen die Lila-Weißen Eintracht Braunschweig an der Bremer Brücke (Anpfiff: 13:30 Uhr). Während die Eintracht zuletzt drei Pflichtspielniederlagen in Folge hinnehmen musste, geht der VfL nach dem Auswärtssieg in Bochum mit Rückenwind in das Niedersachsenduell. Der Vorbericht.
Der Gegner
Der Braunschweiger Turn- und Sportverein Eintracht von 1895 e. V. ist mit einem in weiten Teilen neu zusammengestellten Kader in die Saison 2026/27 gestartet. Im Mittelpunkt des sportlichen Umbruchs steht Lars Kornetka, der im März das Amt des Cheftrainers übernommen hat und damit erstmals im deutschen Profifußball als hauptverantwortlicher Trainer an der Seitenlinie steht. Der 48-Jährige blickt dabei auf einen ungewöhnlichen Karriereweg zurück: Nach dem Abitur wollte Kornetka zunächst als Journalist über den Sport berichten und sammelte unter anderem Erfahrungen beim WDR, bei Premiere und DSF. Über Bernhard Peters führte sein Weg 2007 schließlich zur TSG Hoffenheim, wo ihm Ralf Rangnick eine Stelle als Videoanalyst anbot. Kornetka gehörte damit zu den ersten Vertretern dieses damals noch jungen Berufsbildes im deutschen Profifußball.
Aus der Analysekabine ging es für den gebürtigen Würseler anschließend immer weiter auf die Trainerbank. Nach seinen Stationen als Videoanalyst bei Hoffenheim, Schalke 04 und dem FC Bayern München arbeitete Kornetka unter anderem als Co-Trainer bei Bayer 04 Leverkusen, RB Leipzig und der PSV Eindhoven. Bei Lokomotive Moskau war er zudem zunächst als Berater des Managements und später als Geschäftsführer für die Bereiche Sport und Kommunikation tätig. Seit 2022 gehörte Kornetka zum Trainerteam der österreichischen Nationalmannschaft und arbeitete dort erneut eng mit Rangnick zusammen. Mit Österreich gelang die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2026. Im Januar dieses Jahres schloss Kornetka zudem seine Ausbildung zum Fußball-Lehrer ab.
Seine erste Cheftrainerstation nutzt Kornetka nun, um seine Vorstellungen vom modernen Fußball umzusetzen. Im Zentrum stehen dabei eine hohe taktische Disziplin, intensives Spiel gegen den Ball und vor allem schnelle Umschaltmomente. Nach Ballgewinnen soll die Eintracht möglichst schnell den Weg in Richtung gegnerisches Tor suchen. Dabei kommt dem Trainer seine langjährige Erfahrung aus der Videoanalyse zugute. Kornetka gilt insbesondere als Spezialist für Defensivarbeit und das Verhalten in Umschaltsituationen.
Für die Umsetzung seiner Spielidee wurde der Kader im Sommer an mehreren Stellen verändert. Insgesamt begrüßte die Eintracht eine Reihe neuer Gesichter. Unter anderem kamen mit Noah Katterbach (Leihe vom Hamburger SV), Yann Sturm (SC Freiburg II), Samuele Di Benedetto (VfB Stuttgart II), Tristan Wagner (Greifswalder FC), Benjamin Uphoff (F.C. Hansa Rostock), Nick Bodon (U19 FC Schalke 04), Damjan Kovacevic (TSV Hartberg) und Jan Urbich (Leihe von Borussia Mönchengladbach) gleich acht Neuzugänge zum Trainingsauftakt. Hinzu kamen mit Maximilian Entrup (LASK) und Junior Zé (FC Basel) zwei weitere Verstärkungen, die kurz darauf verpflichtet wurden. Außerdem kehrten mit Justin Duda, Sanoussy Ba und Jona Borsum drei Leihspieler nach Braunschweig zurück.
Einer dieser Neuzugänge hat bereits eindrucksvoll gezeigt, warum die Verantwortlichen in ihm großes Potenzial sehen: Jan Urbich kam auf Leihbasis von Borussia Mönchengladbach an die Hamburger Straße. Der 21-Jährige hatte in der vergangenen Saison in 20 Regionalligapartien 14 Treffer erzielt und fünf weitere vorbereitet. Zudem feierte er sein Bundesliga-Debüt für die Borussia. In Braunschweig ist Urbich nun direkt durchgestartet und erzielte bereits drei Treffer in den ersten drei Ligaspielen. Damit gehört er aktuell zu den besten Torschützen der 2. Bundesliga. Auch Aaron Opoku zählt zu den auffälligsten Akteuren der Eintracht-Offensive. Der 27-Jährige sorgt insbesondere über seine Dynamik und seine Aktionen im letzten Drittel für Gefahr. In den ersten drei Spieltagen sammelte Opoku bereits elf Torschussvorlagen – ligaweit ist dies der zweitbeste Wert. Eine seiner Vorlagen führte beim 6:1-Auftaktsieg in Magdeburg zum Treffer.
Gerade das Umschaltspiel gehört zu den größten Waffen der Blau-Gelben. Nach Balleroberungen wird schnell der Schalter umgelegt und mit hohem Tempo der direkte Weg zum Tor gesucht. Zwei Kontertore und drei Treffer nach gegnerischen Ballverlusten unterstreichen die Gefährlichkeit dieser Spielweise. Gleichzeitig erspielte sich nur der 1. FC Heidenheim in den ersten drei Spieltagen mehr Großchancen als die Eintracht. Auch bei ruhenden Bällen ist Braunschweig gefährlich: Drei Treffer erzielten die Löwen bereits nach Standardsituationen.
Die Ausgangslage
Zum Saisonstart feierte die Eintracht einen 6:1-Auswärtssieg beim 1. FC Magdeburg und grüßte damit nach dem ersten Spieltag von der Tabellenspitze. Anschließend folgte allerdings eine deutliche Delle. Im ersten Heimspiel unterlag Braunschweig dem VfL Bochum mit 0:1, im DFB-Pokal folgte ein 2:4 gegen Union Berlin. Zuletzt musste sich die Eintracht trotz einer zwischenzeitlichen 2:0-Führung Hertha BSC mit 3:5 geschlagen geben. Damit kassierten die Blau-Gelben in ihren vergangenen beiden Partien insgesamt neun Gegentore.
Trotz der jüngsten Ergebnisse ist die Mannschaft von Kornetka vor allem in der Offensive jederzeit gefährlich. Mit neun Treffern aus den ersten drei Ligaspielen stellt Braunschweig gemeinsam mit einigen weiteren Teams eine der torgefährlicheren Offensivreihen der Liga. Charakteristisch für das Spiel der Eintracht ist dabei die hohe Intensität nach Ballgewinnen. Nach einer Balleroberung schalten die Blau-Gelben schnell um und suchen mit hohem Tempo den direkten Weg zum gegnerischen Tor.
Aber auch der VfL zeigte sich in den ersten Saisonspielen laufstark und zielstrebig: Nach dem Karlsruher SC legten die Lila-Weißen an den ersten drei Spieltagen die zweitmeisten Kilometer der Liga zurück und gaben ligaweit die meisten Kontertorschüsse ab (zehn). Der VfL geht mit drei Punkten aus den ersten drei Ligaspielen in den 4. Spieltag. Nach den Niederlagen zum Auftakt beim 1. FC Heidenheim (3:4) und gegen den 1. FC Magdeburg (0:3) gelang in Bochum zuletzt der erste Saisonsieg. Mit 1:0 setzten sich die Lila-Weißen im Ruhrstadion durch und feierten damit gleichzeitig den ersten Dreier der Saison.
Unter der Woche war bei den Lila-Weißen einiges los. So vollzog man am Dienstag mit den Leihen von Jonathan Gómez (PAOK Saloniki), Leon Flach (Jagiellonia Białystok) und Elias Bakatukanda (1. FC Köln) gleich drei Deadline-Day-Verpflichtungen. Alle drei trainierten bereits am Mittwoch mit der Mannschaft mit, kamen im DFB-Pokalduell mit dem FC Bayern München aber nicht zum Einsatz. Gegen den Rekordmeister ging der VfL durch ein Traumtor von Robin Meißner in Führung und hielt lange gut mit, musste sich am Ende jedoch verdient mit 1:4 geschlagen geben. Dennoch kann die Mannschaft von Cheftrainer Timo Schultz einiges Positives aus der Partie ziehen.
Mit den drei Neuverpflichtungen könnte es am Sonntag also zu einem oder mehreren lila-weißen Pflichtspieldebüts kommen. Jonathan Gómez wurde dabei im letzten Moment der Traum vom Familienduell genommen. So wechselte sein Bruder Johan Gómez am Mittwoch zurück in die amerikanische Heimat zu Chicago Fire in die MLS.
Der linke Außenbahnspieler sollte bei einem möglichen Einsatz dabei besonders bei Standardsituationen aufpassen. Denn nur der 1. FC Heidenheim traf in den ersten drei Spieltagen häufiger nach ruhenden Bällen als Braunschweig. Für den VfL ist dabei besondere Aufmerksamkeit gefragt: Beim 3:4 in Heidenheim kassierten die Lila-Weißen bereits zwei Gegentreffer nach Eckbällen. Der VfL weist dagegen einen Topwert in den Zweikampfwerten auf. Durchschnittlich 211 Zweikämpfe pro Partie bestritten die Osnabrücker an den ersten drei Spieltagen, nur zwei Mannschaften kommen im Ligavergleich auf einen höheren Wert.
An diesem Sonntag treffen der VfL Osnabrück und Eintracht Braunschweig zum 23. Mal in der 2. Bundesliga aufeinander. Insgesamt fielen in den bislang 22 Zweitligaduellen beider Mannschaften 73 Tore, was einen Durchschnittswert von 3,3 Treffern pro Partie darstellt. Zuletzt hatte der VfL allerdings wenig Grund zur Freude. Die vergangenen drei Zweitliga-Duelle gingen allesamt an die Eintracht. Dabei erzielten die Braunschweiger jeweils mindestens drei Treffer und insgesamt zehn Tore. Der letzte Osnabrücker Sieg gegen die Löwen gelang im Dezember 2020, als sich der VfL in Braunschweig mit 2:0 durchsetzte. An der Bremer Brücke wartet der VfL dagegen bereits seit längerer Zeit auf einen Zweitliga-Heimsieg gegen die Eintracht. Zuletzt gelang dieser im September 1992: Damals setzten sich die Lila-Weißen mit 2:0 durch. Der insgesamt letzte Heimsieg gegen Braunschweig datiert aus dem April 2019, als Osnabrück in der 3. Liga durch den Treffer von Benjamin Girth mit 1:0 gewann.
Auf den VfL wartet somit eine Mannschaft, die trotz ihrer jüngsten Ergebnisse viel Offensivqualität und Tempo mitbringt. Gleichzeitig könnte die hohe Risikobereitschaft der Eintracht den Lila-Weißen Räume eröffnen. Für das Duell an der Bremer Brücke dürfte daher insbesondere die Frage entscheidend sein, wer nach Ballverlusten schneller reagiert und seine Umschaltmomente besser auf den Platz bringt. Neben dem Platz dürfen sich die Lila-Weißen dabei erneut auf eine großartige Unterstützung freuen. So sind im Online-Ticketshop nur noch Tickets für die Dieckmann-Westkurve erhältlich.
Das Personal
Bei der Eintracht fallen mit Robin Heußer (Innenbandverletzung im Knie) und Frederik Jäkel (Aufbautraining) zwei Spieler verletzungsbedingt aus. Neuzugang Isidoros Koutsidis hat noch nicht mit der Mannschaft trainiert, sodass die Partie an der Bremer Brücke für ihn noch zu früh kommt.
Bei den Lila-Weißen standen unter der Woche alle Akteure inklusive der drei Neuzugänge auf dem Trainingsplatz, sodass Timo Schultz wie gewohnt aus dem Vollen schöpfen kann. Und auch eine übermäßige Rotation aufgrund der englischen Woche ist für den Cheftrainer kein Thema: „Das spielt bei uns grundsätzlich keine Rolle, die Jungs sind fit.“
Stimmen zum Spiel
Wie im Spieltagsinterview am Freitagvormittag erwähnt, erwartet Timo Schultz am Sonntag einen spielstarken Gegner an der Bremer Brücke: „Es sind zwar erst drei Spieltage, aber man sieht schon ganz gut: Die wollen kicken, sind mutig und haben Bock, nach vorne etwas zu entwickeln. Sie haben einen Raketenstart hingelegt in Magdeburg, 6:1, wirklich begeisternd. Haben dann allerdings die nächsten drei Spiele alle verloren. Trotzdem muss man da immer etwas inhaltlicher rangehen aus unserer Sicht. Sie haben auch gegen Hertha BSC eine richtig gute Anfangsphase gespielt. Es ist eine Mannschaft, die mit dem Trainer, der zwar schon seit der Endphase der letzten Saison da ist, neu zusammengewürfelt ist, die aber bereits guten, flüssigen Fußball spielen kann. Wir sind gewarnt.“
Eintracht-Coach Lars Kornetka stellte in der Pressekonferenz vor der Partie klar, dass er seine Mannschaft auf eine hart umkämpfte Partie einstellt: „Wir tun gut daran, uns auf einen Gegner vorzubereiten, der sehr viel unterwegs ist, sehr viel läuft und viel Energie auf den Platz bringt. Sie lassen ihr Herz auf dem Platz. Sie werden uns viel abverlangen. Wir müssen im Gegenpressing sehr scharf sein, weil ich finde, dass Osnabrück eine unfassbar gute Mannschaft im Kontern ist. Sie haben da echt gute Abläufe und Klarheit, das müssen wir kontrollieren.“
Nachgefragt auf was sich Timo Schultz am Sonntag am meisten freue, hat der 49-Jährige eine klare Antwort: „Ich freue mich immer auf unsere Hymne und das Einlaufen. Alleine das lässt einen dann schon immer kribbeln. Ich freue mich auf die Bremer Brücke. Ich habe in Osnabrück einen Spruch gelernt: „Fußball muss dreckig bleiben“, und ich glaube, dafür steht die Bremer Brücke und dafür wollen auch wir stehen.“
TV, Liveradio und Liveticker
Der Pay-TV Sender Sky überträgt die Partie sowohl im Einzelspiel (Sky Sport Bundesliga 3) als auch in der Konferenz ab 13:00 Uhr live (Hier Angebot sichern). Zudem meldet sich wenige Minuten vor Anpfiff wie gewohnt das Liveradio unter vfl.de/fans/liveradio. Ansonsten ist das Spiel auch im Liveticker in der App und über die Website verfolgbar.

Titelbild: Fabian Frommeyer
Text: Jendrik Greiwe



