Am Sonntag empfängt der VfL Osnabrück mit Hertha BSC den aktuellen Tabellenführer der 2. Bundesliga an der Bremer Brücke. Während die Berliner mit dem besten Zweitliga-Start ihrer Vereinsgeschichte im Rücken anreisen, wollen die Lila-Weißen ihre zuletzt überzeugenden Leistungen bestätigen und nicht nur den dritten Sieg in Folge einfahren, sondern auch eine historische Serie ausbauen. Der Vorbericht.
Der Gegner
Mit Hertha BSC erwartet der VfL Osnabrück am Sonntag eine Topmannschaft an der Bremer Brücke. Im Transferfenster blieb es bei den Herthanern allerdings lange ruhig. So stellte man mit Oluwaseun Adewumi erst am 24. Juli den ersten Neuzugang vor. Der offensive Mittelfeldspieler kam per Leihe vom FC Burnley in die Hauptstadt. Neben dem 21-Jährigen stellte man noch drei weitere neue Gesichter vor. Mit Farid-Alfred Ruprecht (Bayer 04 Leverkusen) und Gustaf Nilsson (Club Brügge) verpflichtete man zwei weitere Leihzugänge. Lediglich Mads Pedersen wechselte fest vom FC Augsburg nach Berlin. Deutlich mehr Betrieb herrschte dagegen auf der Abgangsseite. Insgesamt 16 Spieler verließen den Verein. Mit den Verkäufen von Kennet Eichhorn (Bayer 04 Leverkusen), Fabian Reese (VfL Wolfsburg), Tjark Ernst (Feyenoord Rotterdam), Marten Winkler (RSC Anderlecht) und Michaël Cuisance (RC Lens) nahm man dabei eine kolportierte Summe von 29,5 Millionen Euro ein. Auf diese Einnahmen ist der Verein laut eigenen Aussagen angewiesen, wodurch trotz dessen nur wenige externe Neuzugänge präsentiert wurden.
Aufgrund dieser Ausgangslage wurde den Herthanern vor Saisonbeginn von vielen Experten eine schwierige Spielzeit prognostiziert. Bislang konnte die Mannschaft von Cheftrainer Stefan Leitl diese Voraussagen jedoch Lügen strafen. So musste der Berliner Sport-Club noch keine einzige Pflichtspielniederlage einstecken und befindet sich dementsprechend im Höhenflug. Mittendrin ist dabei auch Ex-Osnabrücker Marius Gersbeck. Der 31-Jährige lief von 2016 bis 2018 für die Lila-Weißen auf und absolvierte dabei 69 Pflichtspiele. Nachdem er in den letzten Jahren stets als Ersatzkeeper oftmals auf der Bank Platz nehmen musste, ist er nun erstmals die Nummer 1 der Hertha-Profis. Mit 75 Prozent abgewehrten Torschüssen gehört Gersbeck zu den drei besten Torhütern dieser Zweitliga-Saison. Während der Schlussmann bei den Berlinern also Stamm- und Führungsspieler in der Defensive ist, übernimmt diese Rolle in der Offensive vor allem Josip Brekalo. Der 28-Jährige trägt nicht nur die Kapitänsbinde am Arm, sondern ist in dieser Saison mit drei Treffern und zwei Vorlagen der Topscorer der Berliner. Seit Februar dieses Jahres läuft der Kroate für die Blau-Weißen auf und fühlt sich in der Hauptstadt ausgesprochen wohl. So spielt auch sein jüngerer Bruder Filip Brekalo seit diesem Sommer für die Zweitvertretung des Vereins.
Die Ausgangslage
Die Berliner erwischten den besten Zweitliga-Start ihrer Vereinsgeschichte und überzeugen bislang insbesondere durch ihre Effizienz vor dem Tor. Erstmals seit über 13 Jahren steht Hertha BSC wieder an der Tabellenspitze der 2. Bundesliga. Zuletzt führten die Berliner das Unterhaus im Mai 2013 an, als sie sich am Ende der Saison die Zweitliga-Meisterschaft und damit den Aufstieg sicherten. Insgesamt stand man vor der laufenden Spielzeit in fünf Zweitliga-Saisons an der Tabellenspitze, in allen fünf Fällen gelang am Saisonende der Aufstieg.
Nach vier Spieltagen stehen für die Berliner vier Siege zu Buche. Nach dem knappen 1:0-Auswärtssieg beim VfL Bochum folgten ein 4:1 gegen den 1. FC Heidenheim sowie ein spektakulärer 5:3-Auswärtserfolg bei Eintracht Braunschweig. Am vergangenen Wochenende fuhr man schließlich einen 2:1-Heimsieg gegen den 1. FC Magdeburg ein. Das ist eine Bilanz, die der Hauptstadtklub weder in der 2. Bundesliga noch in der Bundesliga zuvor vorweisen konnte. Dabei zeichnet man sich vor allem durch seine Abschlussstärke aus. Mit durchschnittlich nur sechs Torschüssen pro Treffer verfügt Hertha über die beste Abschlusseffizienz der Liga. Der VfL Osnabrück benötigt im Vergleich neun Torschüsse für ein Tor. Und auch in den Umschaltsituationen präsentieren sich die Berliner gefährlich. Drei Kontertore stehen bislang zu Buche, ein Gegentor nach einem Konter kassierte Hertha noch nicht. Hinzu kommen drei Treffer aus der Distanz sowie eine hohe Zweikampfintensität. 51 Prozent der Duelle entscheiden die Berliner für sich.
Mit Hertha BSC kommt ein aggressiver Gegner an die Bremer Brücke. Mit 57 begangenen Foulspielen und elf kassierten gelben Karten weist man jeweils die drittmeisten Werte der Liga auf. Die bislang zwei Platzverweise kann im Ligavergleich niemand übertreffen. Dabei könnte am Sonntag auch Deyovaisio Zeefuik nach abgesessener Rot-Sperre wieder zum Einsatz kommen. Der Verteidiger sammelte in seinen vergangenen sechs Zweitliga-Partien saisonübergreifend fünf gelbe und eine rote Karte. Verzichten müssen die Berliner in Osnabrück dagegen auf Paul Seguin, der nach einer Gelb-Roten Karte gesperrt ist.
Der VfL kassierte dagegen bislang, wie in der kompletten vergangenen Zweitligasaison, noch keinen einzigen Platzverweis. Mit zwei Siegen nach vier Spieltagen gehen die Lila-Weißen mit sechs Punkten als Tabellensiebter in den Spieltag. Mit Hertha BSC trifft man dabei kurioserweise auf einen Gegner, der an den ersten vier Spieltagen auf dieselben Mannschaften wie der VfL traf. Während die Herthaner wie bereits erwähnt eine makellose Bilanz vorweisen können, mussten sich die Osnabrücker gegen Heidenheim (3:4) und Magdeburg (0:3) geschlagen geben. Am vergangenen Spieltag konnte die Mannschaft von Cheftrainer Timo Schultz wieder ihre Standardstärke unterstreichen. So fielen zwei der drei lila-weißen Treffer beim 3:1-Heimsieg gegen Eintracht Braunschweig nach einem Eckball. So ist man ligaweit die drittgefährlichste Mannschaft nach Standardsituationen. 42,9 Prozent der Osnabrücker Tore fielen demnach nach einem ruhenden Ball und das, obwohl man mit nur 15 Ecken die wenigsten im Ligavergleich vorweisen kann.
An die zuletzt überzeugenden Leistungen möchte man am Sonntag dann auch gegen Hertha BSC anknüpfen. Im Erfolgsfall könnte Osnabrück drei Siege am Stück feiern. Das ist dem VfL in der 2. Bundesliga zuletzt im November/Dezember 2019 gelungen. Hoffnung macht dabei auch der Blick auf die Historie des Duells. Elfmal empfing der VfL Hertha BSC bislang an der Bremer Brücke und nur zweimal ging man punktlos aus der Partie. Sieben Siege und zwei Remis komplettieren die Statistik. Zuletzt verlor man im September 2007 im Achtelfinale des DFB-Pokals mit 0:3 ein Heimspiel gegen die Berliner. Die letzte und bis dato einzige Heimniederlage gegen die Alte Dame in der 2. Bundesliga ist somit auf den 17. Oktober 1981 datiert. Damals unterlag man ebenfalls mit 0:3. Seit 45 Jahren sind die Lila-Weißen also in der 2. Bundesliga an der Bremer Brücke gegen die Herthaner ungeschlagen. Diese Serie möchte der VfL vor einer wieder einmal ausverkauften Brücke am Sonntag also gerne ausbauen. Dabei reisten die Berliner schon einmal als Tabellenführer nach Osnabrück. Im November 2010 erzielten dabei Mamadou Diabang und Nicky Adler die Osnabrücker Treffer beim 2:0-Erfolg.
Das Personal
Die Gäste aus Berlin müssen am Sonntag definitiv auf Paul Seguin (Gelb-Rotsperre), Boris Mamuzah Lum (ligaübergreifende Rotsperre nach Platzverweis in der Regionalliga Nordost) und Niklas Hildebrandt (Schulterverletzung) verzichten.
Beim VfL trainierten einige Spieler unter der Woche immer wieder individuell. Darunter unter anderem auch Ismail Badjie, dessen Einsatz am Sonntag aufgrund von Kniebeschwerden unwahrscheinlich ist. Ebenfalls fraglich sind auch Daniel Kofi Kyereh und Elias Bakatukanda (Krank). Timo Schultz macht dies allerdings keine Sorgen: „Selbst wenn nicht, dann kommt mal jemand anderes auf den Acker, da freue ich mich auch.“
Stimmen zum Spiel
VfL-Cheftrainer Timo Schultz ließ im Spieltagsinterview am Donnerstag durchblicken, dass er am Sonntag einen anspruchsvollen Gegner für seine Mannschaft erwartet: „Die vier Siege, die auch größtenteils absolut verdient zustande gekommen sind, die zeigen schon ihre Stärke. Sie haben wirklich eine sehr homogene Truppe, viele gute individuelle Spieler, aber eben auch ein als Mannschaft funktionierendes Gerüst. Dementsprechend erwartet uns ein sehr guter Gegner.“
Gleichzeitig freut sich Schultz auf eine weitere besondere Begegnung an der Bremer Brücke: „Jeder Fan hier in Osnabrück hat darauf hingefiebert, dass wir in der zweiten Liga spielen dürfen. Jetzt hatten wir hier sogar zwischendurch die Bayern zu Gast. Ich denke, Hertha BSC ist ein absolutes Highlight, es ist einer der größten Namen in der Liga. Und ich freue mich, dass die Alte Dame in unser altehrwürdiges Stadion an der Bremer Brücke sich die Ehre gibt.“
Hertha-Coach Stefan Leitl blickte auf der Pressekonferenz am Freitag mit Vorfreude auf das Auswärtsspiel an der Bremer Brücke: „Ich bin gerne dort, es ist, glaube ich, noch ein Fußballstadion das Fußball lebt. Klein, eng, gute Stimmung. Wir haben 1500 Fans mit dabei, die sicherlich da ihren Teil dazu beitragen werden. Wir treffen auf einen Gegner, auf einen Aufsteiger, der schon jetzt auch durch die letzten Ergebnisse, eine Euphorie erzeugen konnte. Und ich glaube in Summe werden sie versuchen, das Stadion auch zu nutzen. Mit der Art und Weise wie sie spielen werden. Sie werden sehr intensiv spielen, sie werden unangenehm sein. Wir werden bei Umschaltsituationen wach sein müssen, bei Standardsituationen und dann wird es ein interessantes Spiel werden am Sonntag.“
TV, Liveradio und Liveticker
Der Pay-TV Sender Sky überträgt die Partie sowohl im Einzelspiel (Sky Sport Bundesliga 2) als auch in der Konferenz ab 13:00 Uhr live (Hier Angebot sichern). Zudem meldet sich wenige Minuten vor Anpfiff wie gewohnt das Liveradio unter vfl.de/fans/liveradio. Ansonsten ist das Spiel auch im Liveticker in der App und über die Website verfolgbar.

Titelbild: Fabian Frommeyer
Text: Jendrik Greiwe



