Nach sechs intensiven Wochen ist die Sommervorbereitung vorbei. Am Samstag (8. August, 13:00 Uhr) startet der VfL Osnabrück beim 1. FC Heidenheim in die neue Saison der 2. Bundesliga. Gegen den Bundesliga-Absteiger steht die Mannschaft von Cheftrainer Timo Schultz direkt vor der ersten anspruchsvollen Herausforderung, will sich in der Voith-Arena aber keinesfalls verstecken. Der Vorbericht.
Der Gegner
Der 1. FC Heidenheim 1846 entwickelte sich innerhalb weniger Jahre vom Amateur- zu einem etablierten Profiverein. Nach der Ausgliederung der Fußballabteilung aus dem Heidenheimer Sportbund im Jahr 2007 begann der kontinuierliche Aufstieg des FCH: 2009 gelang der Sprung in die 3. Liga, 2014 folgte der erstmalige Aufstieg in die 2. Bundesliga. Das Gesicht des Erfolgs ist zweifelsohne Trainer Frank Schmidt. Seit 2007 leitet er die sportlichen Geschicke in Ostwürttemberg und schaffte im Sommer 2023 erstmals den Sprung in die Bundesliga. Dort sorgte der Verein nicht nur mit seiner außergewöhnlichen Geschichte für Aufsehen, sondern qualifizierte sich in der Saison 2024/25 sogar für die UEFA Conference League. Nach drei Jahren im Oberhaus musste der FCH die Bundesliga in der vergangenen Saison allerdings wieder verlassen.
Trotz des Abstiegs setzt der Klub weiterhin auf seine bewährten Strukturen. Frank Schmidt bleibt Trainer und geht in seine 20. Saison auf der Ostalb. Damit ist der 52-Jährige weiterhin der dienstälteste Trainer im deutschen Profifußball. Auch der Kader hat seine Grundstruktur behalten. Mit Kapitän Patrick Mainka, der während der gesamten Bundesliga-Zeit des FCH jede einzelne Minute auf dem Platz stand, bleibt eine zentrale Säule der Mannschaft erhalten. Dennoch mussten die Heidenheimer einige Veränderungen verkraften. Mit Hennes Behrens (FC Augsburg), Eren Dinkçi (SC Freiburg), Diant Ramaj (Borussia Dortmund) und Arijon Ibrahimovic (FC Bayern München) kehrten mehrere Leihspieler zu ihren Stammvereinen zurück. Zudem verließ Mittelfeldspieler Niklas Dorsch den Klub in Richtung FC Toronto. Vor allem der Abgang des Mittelfeldstrategen hinterlässt eine Lücke im Zentrum, in dem künftig neue Lösungen gefragt sein werden. Bei der Suche nach Verstärkungen setzte der FCH unter anderem auf Spieler, die in der vergangenen Saison in der 3. Liga auf sich aufmerksam machten. Mit Oualid Mhamdi (SC Verl), Marcel Costly (FC Ingolstadt 04) und Paul Hennrich (TSG Hoffenheim II) verpflichtete man gleich drei Akteure, die auf der rechten Seite flexibel einsetzbar sind.
Unverändert soll dagegen die Spielweise des FCH bleiben. So steht die Mannschaft von Frank Schmidt traditionell für hohe Intensität, aggressives Pressing und eine große Laufbereitschaft. Diese setzte man auch in den Sommervorbereitungsspielen überwiegend erfolgreich um. Nach deutlichen Siegen gegen unterklassige Gegner folgten mit einem 1:1 gegen den italienischen Erstligisten FC Bologna und einem 4:1-Erfolg gegen den FC Ingolstadt positive Ergebnisse. Im vorletzten Testspiel musste sich der FCH allerdings dem Hamburger SV mit 1:3 geschlagen geben.
Die Ausgangslage
Nach zweijähriger Abstinenz ist der VfL Osnabrück zurück in der 2. Bundesliga. Mit 80 Punkten sicherte sich die Mannschaft von Timo Schultz die Meisterschaft in der 3. Liga und machte den achten Zweitliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte perfekt. Vor allem auf fremden Plätzen überzeugte der VfL eindrucksvoll. 13 Siege, drei Unentschieden und lediglich drei Niederlagen bedeuteten insgesamt 42 Auswärtspunkte. Damit stellte Osnabrück einen neuen Rekord in der Geschichte der 3. Liga auf und übertraf die bisherige Bestmarke, die unter anderem vom 1. FC Heidenheim gehalten wurde. Auch in der kommenden Saison möchten die Lila-Weißen diese Auswärtsstärke fortführen und das am liebsten direkt an diesem Samstag.
Zuletzt folgte am Doppeltestspieltag am vergangenen Samstag jedoch ein kleiner Dämpfer. Gegen den SV Meppen (0:3) und den SC Paderborn (0:2) musste man zwei Niederlagen hinnehmen. Für Cheftrainer Timo Schultz ist dies aber kein Grund zur Unruhe: „In der Vorbereitung sind Spiele da, um etwas auszutesten. Und wir haben auch da noch einiges dazugenommen, was noch nicht ganz sitzt. Da wird auch am ersten Spieltag noch nicht alles ready sein. Aber: Meine Mannschaft ist eingespielt und meine Mannschaft weiß, was sie zu tun hat. Wir werden nach Heidenheim fahren und werden ein gutes Spiel abliefern, da bin ich mir zu hundert Prozent sicher.“
Ebenfalls Verlass wird auf die Unterstützung der VfL-Fans sein. Mindestens 1.200 Lila-Weiße werden die längste Auswärtsfahrt der Saison auf sich nehmen und hoffen, die über 500 Kilometer lange Rückfahrt mit drei Punkten im Gepäck antreten zu können.
Das Personal
Beim Gastgeber aus Heidenheim kann Trainer Frank Schmidt zum Auftakt auf nahezu sämtliche Spieler zurückgreifen. Verletzungsbedingte Ausfälle gibt es beim FCH nicht.
Beim VfL Osnabrück fehlt hingegen Jonathan Wensing. Der Neuzugang musste im Testspiel gegen den SC Paderborn bereits nach wenigen Minuten ausgewechselt werden und arbeitet seitdem an seiner Rückkehr nach einer leichten Muskelverletzung im Oberschenkel. Alle weiteren Spieler stehen Timo Schultz zur Verfügung und sind für den Saisonauftakt einsatzbereit.
Stimmen zum Spiel
Cheftrainer Timo Schultz blickte im Spieltagsinterview am Donnerstagvormittag mit großer Vorfreude auf die Partie: „Es wird Zeit, dass es losgeht. Wir sind jetzt fast sechs Wochen dabei, haben eine planmäßige Vorbereitung durchziehen können und durften einige neue Spieler integrieren. Ich denke, alle haben ihren Platz gefunden, jeder ist ready und alle kennen ihre Aufgabe. Wir wissen, dass wir am Wochenende in Heidenheim natürlich direkt einen dicken Brocken vor uns haben, aber das wollten wir und da freuen wir uns jetzt drauf.“
Weiter führt er zu den Qualitäten des Gegners aus: „Es ist eine Mannschaft, die ähnlich wie wir im Kern zusammengeblieben ist und die auch den Trainer behalten hat. Das ist auch nicht selbstverständlich, dass man nach dem Abstieg so fest noch im Sattel sitzt. […] Dementsprechend wissen wir, was uns da erwartet, und wissen, dass dort eine enorme Power auf uns zukommen wird. Hohes Pressing, viele Zweikämpfe, gute Standards, aber das sind auch alles Sachen, die uns letztes Jahr ausgezeichnet haben und die wollen wir natürlich auch in die neue Saison mit reinnehmen.“
TV und Liveticker
Der Pay-TV Sender Sky überträgt die Partie sowohl im Einzelspiel (Sky Sport Bundesliga 2) als auch in der Konferenz ab 12:30 Uhr live. Zudem meldet sich wenige Minuten vor Anpfiff wie gewohnt das Liveradio unter vfl.de/fans/liveradio. Ansonsten ist das Spiel auch im Liveticker in der App und über die Website verfolgbar.

Titelbild: Jonas Jürgens
Text: Jendrik Greiwe



