Mit dem 1. FC Kaiserslautern steht dem VfL Osnabrück am Wochenende ein echtes Abwehrbollwerk gegenüber. Dem wollen sich die Lila-Weißen mit ihrer Zweikampfstärke und dem mit einer ausverkauften Bremer Brücke im Rücken garantierten Heimvorteil entgegenstellen und zum vierten Saisonsieg kämpfen. Der Vorbericht.
Der Gegner
Mit dem 1. Fußball-Club Kaiserslautern ist am Wochenende nicht nur der mitgliederstärkste Verein Rheinland-Pfalz’ (39.000 Mitglieder), sondern auch ein Gründungsmitglied der Bundesliga an der Bremer Brücke zu Gast. Dort spielten die „Roten Teufel“ zuletzt allerdings in der Saison 2011/12, bevor sie in die 2. Bundesliga abstiegen und sechs Jahre später auch den Gang in die 3. Liga antreten mussten. Nach dem Wiederaufstieg in der Saison 2021/22 näherte man sich von Spielzeit zu Spielzeit immer mehr der Rückkehr in die Bundesliga an, blieb am Ende aber stets wenige Punkte hinter den vordersten drei Plätzen. Und auch in der aktuellen Saison spielt die Mannschaft von Trainer Torsten Lieberknecht oben mit. Mit aktuell 18 Punkten steht der FCK nach zehn Spieltagen auf dem vierten Tabellenplatz. Lieberknecht, der seit April 2025 bei den Lauterern Cheftrainer ist, stabilisierte die Mannschaft dabei vor allem in der Defensive. Mit lediglich sieben Gegentoren stellt man die beste Abwehr der Liga. Fast die Hälfte davon kassierte man am vergangenen Wochenende, als man mit 0:3 gegen Hertha BSC verlor. Die Partie war für Torsten Lieberknecht, der zusammen mit seinem Neffen Max Lieberknecht (Co-Trainer) die „Roten Teufel“ coacht, das insgesamt 350. Spiel als Zweitligatrainer. Damit ist der 53-Jährige vor Frank Schmidt (1. FC Heidenheim, 316 Zweitligaspiele) der erfahrenste Coach der 2. Bundesliga.
Auf so viel Zweitligaerfahrung verzichtete man allerdings bei den Sommerneuzugängen. Von den insgesamt acht neuen Akteuren lief nur Erencan Yardimci bereits vor der Saison in der 2. Bundesliga auf. Der 24-jährige Mittelstürmer lief in der vergangenen Spielzeit leihweise für Eintracht Braunschweig auf und wechselte in diesem Sommer ebenfalls per Leihe zum FCK. Von den Kraichgauern wechselten zudem Kelven Frees (Leihe) und Yannick Onohiol (ablösefrei) nach Kaiserslautern. Allgemein setzte man bei den „Roten Teufeln“ vermehrt auf Leihgeschäfte und verpflichtete auf diesem Weg auch Milos Lukovic (Racing Straßburg), Alex Murphy (Newcastle United), Mário Sauer (FC Toulouse) und Ibrahim Kanaté (RSC Anderlecht). Fest nach einer Leihe zum FCK wechselte dagegen Paul Joly, der bereits in der vergangenen Saison im Fritz-Walter-Stadion auflief und dabei mit sechs Vorlagen und einem Tor in 29 Einsätzen überzeugte.
Die Ausgangslage
Wie bereits erwähnt, steht dem VfL am 11. Spieltag die defensivstärkste Mannschaft der Liga gegenüber. Alle Gegentore fielen dabei aus dem Spiel heraus. Bei Standardsituationen ist man somit besonders sicher. Statistisch lässt sich diese Stärke allerdings nur bedingt untermauern. So erspielten sich die Gegner des FCK in dieser Saison eigentlich bereits einen xGoals-Wert von 15,29 (Platz acht im Ligavergleich). Ein wesentlicher Faktor für die Defensivstärke ist somit vor allem Torwart Julian Krahl, der mit 88,1 Prozent abgewehrter Torschüsse den Bestwert der Liga stellt. So hielt der 26-Jährige vor der Niederlage gegen Hertha BSC in den Spielen gegen Hannover 96 (2:0 im DFB-Pokal), den 1. FC Nürnberg (1:0) und den VfL Bochum (2:0) die weiße Weste und steht mit insgesamt sieben Spielen ohne Gegentor auch in dieser Statistik an der Spitze. Und auch bei den Sprintwerten gibt es kein Vorbeikommen am FCK. Mit durchschnittlich 171 Sprints pro Partie setzte man im Ligavergleich am häufigsten zum Tempovorstoß an. Personifiziert wird dieser Wert vor allem durch Mika Haas, der mit 228 Sprints die zweitmeisten aller Zweitligaspieler zurücklegte.
Trotz dieser herausragenden Werte weist die Mannschaft von Torsten Lieberknecht auch Schwachstellen auf. So hat nur der VfL Bochum eine schlechtere Trefferquote als der FCK. Lediglich jeder 17. Torschuss der „Roten Teufel“ landet im gegnerischen Tor. Zudem besitzt man die niedrigste Passquote aller Zweitligisten und bringt nur 78 Prozent aller Zuspiele bei den Mitspielern an. Umso mehr schmerzt es, dass Innenverteidiger Maxwell Gyamfi aufgrund seiner fünften gelben Karte bei seiner Rückkehr an die Bremer Brücke nicht aktiv auf dem Platz stehen kann. Schließlich weist der 26-Jährige mit 87,8 Prozent die beste Passquote seines Teams auf. Der 1,89 Meter große Defensivmann ist mittlerweile unangefochtener Stammspieler beim FCK und stand in jeder Partie der aktuellen Saison in der Anfangsformation. Für den VfL lief er in 105 Partien in der 2. Bundesliga und 3. Liga auf. Auf dem Rasen hätte Gyamfi ohnehin nur auf fünf Spieler treffen können, mit denen er gemeinsam das Trikot des VfL getragen hat: Niklas Wiemann (64 Spiele), Bryan Henning (15), Ismail Badjie (11), Jannik Müller (10) und Luca Böggemann (2).
Seine ehemaligen lila-weißen Teamkollegen unterlagen am vergangenen Samstag beim VfL Wolfsburg mit 0:2, präsentierten sich aber auch bei den starbesetzten Wölfen engagiert und kämpferisch. Ohnehin agiert die Mannschaft von Timo Schultz in der Zweikampfführung wie eine Spitzenmannschaft. Mit 1.047 gewonnenen Duellen steht man in dieser Statistik auf Platz vier und ist dabei von den Konkurrenten aus Nürnberg (1.080), Berlin (1.076), Heidenheim (1.051) und Wolfsburg (1.034) umgeben. Schwierigkeiten bereitet dem VfL allerdings das Umschalten nach eigenen Ballverlusten. Mit sechs Gegentoren nach Fehlern im Spielaufbau weist kein anderes Team eine höhere Anzahl auf. Allerdings erwartet man am Samstag mit dem 1. FC Kaiserslautern auch die drittschwächste Offensive (16 Tore) der 2. Bundesliga. Der VfL möchte dann vor einer wieder einmal restlos ausverkauften Bremer Brücke die Heimbilanz in eine positive Richtung lenken. Bislang ist diese nach sechs Spieltagen mit zwei Siegen, zwei Remis und zwei Niederlagen exakt ausgeglichen.
Dass man am Samstag jedoch bis zur letzten Sekunde aufmerksam bleiben sollte, zeigt der Blick zurück auf den letzten Brückentag gegen die „Roten Teufel“. Am 1. Oktober 2023 mussten die Lila-Weißen ein bitteres 2:2-Unentschieden hinnehmen, bei dem sie nach einer 2:0-Führung in der achten Minute der Nachspielzeit noch den Ausgleich kassierten.
Das Personal
Beim FCK muss Trainer Torsten Lieberknecht am Samstag auf Kelven Frees (Muskelfaserriss), Enis Kamga (Augenverletzung), Jacob Rasmussen (muskuläre Probleme), Semih Sahin (Krankheit), Ibrahim Kanaté (Krankheit), Simon Asta (Krankheit) und den gelbgesperrten Maxwell Gyamfi verzichten.
Beim VfL ist das Lazarett wie gewohnt deutlich kleiner beziehungsweise gar nicht existent. So kann Chefcoach Timo Schultz erneut auf den kompletten Kader zurückgreifen.
Stimmen zum Spiel
„Wir gehen jedes Spiel so an, dass wir es gewinnen wollen“, betont Timo Schultz. Das galt auch für die Partie in Wolfsburg, deren Ausgang der VfL-Cheftrainer über die gesamten 90 Minuten als verdient einordnet. In der Aufarbeitung standen sowohl die positiven Ansätze als auch die Punkte im Fokus, die zum Erfolg gegen einen solchen Gegner noch fehlen.
Mit Kaiserslautern erwartet Schultz nun „eine sehr starke, intensive Mannschaft“. Besonders hebt er die Zweikampfstärke und die kompakte Ordnung gegen den Ball hervor. Auch Gyamfis Sperre ändert für ihn wenig an der Qualität der Lauterer Defensive. Um die Punkte an der Bremer Brücke zu behalten, ist aus seiner Sicht entsprechend viel Einsatz gefragt. Schultz bringt die Aufgabe auf den Punkt: „Wird für uns eine harte Nuss.“
TV, Liveradio und Liveticker
Der Pay-TV Sender Sky überträgt die Partie sowohl im Einzelspiel (Sky Sport Bundesliga 4) als auch in der Konferenz ab 13:00 Uhr live (Hier Angebot sichern). Zudem meldet sich wenige Minuten vor Anpfiff - präsentiert von Fuchs Gruppe - wie gewohnt das Liveradio unter vfl.de/fans/liveradio. Ansonsten ist das Spiel auch im Liveticker in der App und über die Website verfolgbar.

Titelbild: Fabian Frommeyer
Text: Jendrik Greiwe



