Am Samstag ist der VfL Osnabrück im Holstein-Stadion in Kiel zu Gast (Anpfiff: 13:00 Uhr). Gegen die KSV will die Mannschaft von Cheftrainer Timo Schultz zurück in die Erfolgsspur und vor der Länderspielpause erneut auswärts punkten. Der Vorbericht.
Der Gegner
Die Kieler Sportvereinigung Holstein von 1900 e. V. hat sich in den vergangenen Jahren als stabiler Zweitligist im deutschen Fußball etabliert und durfte in der Saison 2024/25 sogar ein Jahr lang Bundesliga-Luft schnuppern. Nach dem Abstieg sind die Kieler also wieder zurück in der 2. Bundesliga und wollen nach einer durchwachsenen vergangenen Saison wieder eine schlagkräftige Truppe aufstellen. Dafür stellte Geschäftsführer Sport Olaf Rebbe bei den Kielern im Transfersommer 13 Neuzugänge vor. Dabei wurde offenbar auf der ganzen Welt gescoutet. So wurden beispielsweise mit Hiroki Sekine (Stade Reims), Taisei Abe (V-Varen Nagasaki) und Niko Takahashi (Cerezo Osaka) gleich drei Japaner ausgeliehen. Für die Dienste des Niederländers Gyan de Regt (1,7 Millionen Euro von Excelsior Rotterdam), des Dänen Noah Madsen (700 Tausend Euro von CS Marítimo) und des Argentiniers Guillermo Balzi (550 Tausend Euro von CA Newell's Old Boys) gab man zudem Ablösesummen aus. Ablösefrei zu den Störchen kamen beispielsweise Sebastian Schonlau (Vancouver Whitecaps) und Faride Alidou (1. FC Kaiserslautern). Die beiden kehrten somit zu ihrem ehemaligen und nun wieder aktuellen Trainer Tim Walter zurück, der sie bereits in ihrer Zeit beim Hamburger SV trainiert hatte.
Der 50-Jährige steht seit dem 25. Februar dieses Jahres bei den Kielern unter Vertrag und führte diese in der vergangenen Saison am Ende mit 41 Punkten auf Platz 12. Für Walter ist es dabei bereits die zweite Amtszeit an der Förde. Schon von Juli 2018 bis Juni 2019 stand er für eine Saison bei der KSV an der Seitenlinie. Anschließend führte ihn sein Weg über den VfB Stuttgart zum Hamburger SV. Zuletzt war er auch das erste Mal in seiner Karriere im Ausland aktiv. Beim englischen Zweitligisten Hull City musste er jedoch nach 17 Spielen gehen und kehrte schließlich 15 Monate später nach Kiel zurück, wo er nun also einen kleineren Umbruch in der Kaderstruktur moderieren muss.
Denn auch auf der Abgangsseite gab es viel Betrieb. So generierte die KSV vor allem durch die Transfers von Alexander Bernhardsson (für 5 Millionen Euro zum VfL Wolfsburg), Marko Izevic (für 465 Tausend Euro zum Hibernian FC) und Tymoteusz Puchacz (für 500 Tausend Euro zu Sabah FK), der in der vergangenen Saison bereits an Sabah FK ausgeliehen war, Einnahmen. Ansonsten setzte man auf der Abgangsseite vor allem auf Leihgeschäfte. Dazu gehört natürlich auch Jonas Krumrey, der im Sommer zum VfL kam und seitdem in jedem Pflichtspiel das Osnabrücker Tor hütete. Zudem verließen die beiden Ex-Osnabrücker Niklas Niehoff (SC Altach) und Marcus Müller (Wehen Wiesbaden) den Verein.
Die Ausgangslage
Holstein Kiel steht nach dem fünften Spieltag erstmals seit fünf Jahren wieder am Tabellenende der 2. Bundesliga. Die Störche haben bislang noch keinen Sieg eingefahren. So spielte man gegen Darmstadt, St. Pauli und Nürnberg gleich dreimal 2:2 und verlor gegen Magdeburg (0:2) und zuletzt den 1. FC Heidenheim (0:1). Insgesamt weisen die Kieler mit 6,3 erwarteten Toren (xGoals) den zweitniedrigsten Wert der Liga auf. Offensiv kommen die „Störche“ bislang also nur schwer in Fahrt. So haben nur zwei Mannschaften weniger Torschüsse abgegeben als die KSV (66). Eine weitere Auffälligkeit betrifft Standardsituationen und Zweikämpfe in der Luft. Nur Fürth kassierte bislang mehr Gegentore per Kopf als Kiel, während die Gegner der Störche mit 17 Abschlüssen per Kopf ebenfalls häufig zum Zuge kommen. In der Kartenstatistik weist Kiel mit 14 Gelben Karten den zweithöchsten Wert der Liga auf. Nur die Spieler des VfL Bochum wurden bislang häufiger verwarnt.
Ein Lichtblick im Kieler Spiel ist dagegen Stürmer Phil Hares. Mit jeweils 22 Abschlüssen weist er zusammen mit Robin Meißner die zweitmeisten im Ligavergleich auf. Nur Matuesz Zukowski hat ligaweit häufiger auf das gegnerische Tor geschossen. Hares ist mit drei Toren und zwei Vorlagen zugleich an fünf der bislang sechs Kieler Treffer direkt beteiligt und erzielte alle drei eigenen Tore per Kopf. Und auch Adrian Kapralik machte in dieser Saison bereits auf sich aufmerksam und sorgt auf der Außenbahn für viel Tempo. Der Kieler kommt auf 17 Flanken aus dem Spiel, was ligaweit dem viertbesten Wert entspricht. Mit einer gemessenen Höchstgeschwindigkeit von 36,32 km/h ist er zudem der zweitschnellste Spieler der 2. Bundesliga und hat bislang 111 Sprints angesetzt.
Ebenfalls auffällig im Kieler Spiel ist die Ballbesitzverteilung. Nur Dynamo Dresden hat bislang mehr Spielanteile als Kiel, das auf durchschnittlich 55,4 Prozent Ballbesitz kommt. Die Störche spielen zudem vergleichsweise selten lange Bälle. Osnabrück überlässt dagegen dem Gegner häufig den Ball: Mit 41,1 Prozent Spielanteilen weist der VfL den niedrigsten Ballbesitzwert der Liga auf. Während Kiel in seinem für Tim Walter typischen Spielstil also vor allem über Ballbesitz und Tempo kommt, zeichnet sich der VfL durch hohen Laufaufwand aus. Nur der Karlsruher SC spulte bislang mehr Kilometer pro Partie ab als die Lila-Weißen, die auf durchschnittlich 122,1 Kilometer kommen. Bei den Sprints liegt Kiel mit 159 pro Spiel an der Spitze, lediglich Heidenheim kommt auf einen höheren Wert. Osnabrück folgt mit 138 Sprints pro Partie auf Rang sechs. Die Lila-Weißen mussten sich am vergangenen Wochenende trotz einer engagierten Leistung mit 1:3 gegen Tabellenführer Hertha BSC geschlagen geben. Nachdem man zum zweiten Mal in Folge mit einem 0:0 in die Pause ging, drehten beide Mannschaften mit dem Wiederanpfiff auf und konnten die stark aufspielenden Schlussmänner beider Mannschaften überwinden.
Nun reist man mit Holstein Kiel zu einem altbekannten Gegner. So ist die Partie am Samstag bereits das 100. Pflichtspiel gegen die KSV. Gegen keinen anderen Verein hat der VfL so viele Pflichtspiele bestritten. Mit 49 Siegen und 14 Remis behält man in diesem Duell historisch gesehen die Oberhand. Das jüngste Duell im April 2024 entschieden jedoch die Störche mit 4:0 für sich und holten aus den vergangenen drei Begegnungen sieben Punkte. Zuvor hatte Osnabrück allerdings sieben Spiele in Folge gegen Kiel gewonnen, darunter das 2:1 im Januar 2021, als Niklas Schmidt und Sebastian Kerk an der Förde für den VfL trafen. Auch die jüngere Auswärtsbilanz spricht für die Lila-Weißen: Vier der vergangenen fünf Gastspiele in Kiel konnte Osnabrück gewinnen.
Für VfL-Cheftrainer Timo Schultz ist die Partie zugleich eine Rückkehr an eine frühere Wirkungsstätte. Der VfL-Cheftrainer spielte von Januar 2003 bis Sommer 2005 für den damaligen Regionalligisten Holstein Kiel. In dieser Zeit kam er auf 44 Einsätze für die erste Mannschaft und erzielte vier Tore. Zudem absolvierte Schultz 33 Partien für die zweite Mannschaft der KSV, in denen er 14 Treffer erzielte. Bei seinem Ex-Verein will der 49-Jährige aber keinesfalls Geschenke verteilen und stattdessen mit den 1.500 mitreisenden VfL-Fans nach Abpfiff den dritten Saisonsieg feiern.
Das Personal
Das Lazarett bei den Kielern ist groß. So fallen Taisei Abe (Rückenbeschwerden), Faride Alidou (Bandverletzung im Knie), Hamza Muqaj (Knieverletzung), Moritz Reimers (Sprunggelenksverletzung), Lasse Rosenboom (Syndesmoseriss), Frederik Roslyng (Meniskusverletzung), Ben Schmit (Fingerbruch) und Sebastian Schonlau (Muskelfaserriss) verletzt aus. Außerdem muss Cheftrainer Tim Walter auch auf Jonas Therkelsen (Gelb-Rot-Sperre) verzichten.
Beim VfL fällt dagegen lediglich Ismail Badjie für die Partie aus, der unter der Woche erneut aufgrund von Kniebeschwerden überwiegend individuell trainierte. Ansonsten sind alle Spieler fit und einsatzbereit.
Stimmen zum Spiel
Timo Schultz lässt sich von der aktuellen Tabellensituation nicht täuschen und erwartet am Samstag einen qualitativ hochkarätigen Gegner: „Holstein hat ganz andere Ambitionen. Sie haben richtig investiert im Sommer, viele Spieler dazugeholt, die auch wirklich in einer ganz anderen Preiskategorie liegen als bei vielen anderen Vereinen in der 2. Liga. Ich denke, sie haben auch den Anspruch, im oberen Drittel mitzuspielen. Die Spielleistungen hätten das in einigen Spielen auch hergegeben. Sie haben bis jetzt einfach auch nicht das nötige Spielglück gehabt, aber wir wissen, dass das für uns ein dickes Brett wird, das wir bohren müssen, und da haben wir Bock drauf.“
TV, Liveradio und Liveticker
Der Pay-TV Sender Sky überträgt die Partie sowohl im Einzelspiel (Sky Sport Bundesliga 5) als auch in der Konferenz ab 13:00 Uhr live (Hier Angebot sichern). Zudem meldet sich wenige Minuten vor Anpfiff wie gewohnt das Liveradio unter vfl.de/fans/liveradio. Ansonsten ist das Spiel auch im Liveticker in der App und über die Website verfolgbar.

Titelbild: Jonas Jürgens
Text: Jendrik Greiwe



