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Konterstärke gegen Offensivpower: Der VfL zu Gast in Wolfsburg

Am Samstag reist der VfL Osnabrück zu seinem Namensvetter aus Wolfsburg in die Autostadt und will nach dem überzeugenden Auftritt im Heimspiel gegen Fürth auch in der Volkswagen Arena Punkte mitnehmen. Im Duell mit dem Topfavoriten der Liga erwartet Cheftrainer Timo Schultz ein mutiges Spiel seiner Mannschaft. Der Vorbericht.

Der Gegner
Als der Bundesligaabstieg des VfL Wolfsburg durch die Niederlage im Relegationsrückspiel am 25. Mai 2026 endgültig besiegelt wurde, war klar, dass es in der kommenden Zweitligasaison einen ungleichen Teilnehmer geben würde. Schließlich profitieren die Wolfsburger nicht nur vom Sponsoring des ortsansässigen Automobilherstellers, sondern konnten im Sommer auch dank einiger Transferbewegungen Einnahmen in Millionenhöhe generieren. So spülten die Abgänge von unter anderem Dzenan Pejcinovic (VfB Stuttgart), Konstantinos Koulierakis (AS Rom), Patrick Wimmer (TSG Hoffenheim) und Lovro Majer (AEK Athen) insgesamt rund 66 Millionen Euro in die Kassen. Dieses Geld legte Sportdirektor Dieter Hecking jedoch nicht zur Seite, sondern investierte es prompt in die Zusammenstellung einer zweitligaerfahrenen Mannschaft. Insgesamt gaben die Wolfsburger mit 27,7 Millionen Euro unter allen Zweitligisten mit weitem Abstand das meiste Geld auf dem Transfermarkt aus. Allein der Transfer von Fabian Reese (acht Millionen Euro Ablöse von Hertha BSC) war teurer als die addierten Gesamtausgaben von zehn anderen Zweitligaklubs. Auch für die Dienste von Muhammed Damar (5,5 Millionen Euro; TSG Hoffenheim), Alexander Bernhardsson (fünf Millionen Euro; Holstein Kiel), Fraser Hornby (vier Millionen Euro; Darmstadt 98), Hauke Wahl (1,8 Millionen Euro; FC St. Pauli) und Robert Glatzel (1,7 Millionen Euro; Hamburger SV) griff man tief in die Tasche. Insgesamt kommen die Wolfsburger auf einen Gesamtmarktwert von 94,8 Millionen Euro und damit auf den höchsten Wert der Liga. Der VfL Osnabrück hat dagegen mit 13 Millionen Euro den niedrigsten Kaderwert. Am Samstag kommt es in der Volkswagen Arena also wahrlich zum Duell der Gegensätze.

Dass Otto Rehhagels einstige Weisheit „Geld schießt keine Tore“ in der modernen Fußballwelt nicht mehr uneingeschränkt gilt, beweisen die Wolfsburger bereits in der noch jungen Saison. Nicht nur ist Toptransfer Fabian Reese mit vier Toren und fünf Vorlagen der zweitbeste Scorer der Liga, auch Stürmer Robert Glatzel konnte mit bereits fünf Treffern überzeugen. Insgesamt erzielten die Wölfe mit 23 Treffern die meisten Tore der Liga. Ein wesentlicher Faktor für die Wolfsburger Offensivkraft dürfte dabei auch das neue Gesicht auf der Trainerbank, Tobias Strobl, sein. Schließlich hielt der 39-Jährige den SC Verl in der vergangenen Saison lange im Aufstiegskampf der 3. Liga und stellte mit insgesamt 82 Toren am Ende den besten Angriff. Schnell hat der gebürtige Ingolstädter seiner neuen Mannschaft also den Zug zum Tor vermittelt. Mit 166 Torschüssen gaben die Wolfsburger zudem die zweitmeisten Abschlüsse der Liga ab.

Die Ausgangslage
Im Oktober fuhr der VfL aus Wolfsburg bislang fünf Punkte in der 2. Bundesliga ein. Auf ein spektakuläres 4:4 im Topspiel gegen den 1. FC Nürnberg folgte ein 3:1-Heimsieg gegen den 1. FC Heidenheim. Am vergangenen Spieltag kam man im Ruhrstadion gegen den VfL Bochum dann nicht über ein 1:1 hinaus. In der Nachspielzeit feierten die Wolfsburger dabei noch den vermeintlichen Siegtreffer, wurden jedoch durch den eingreifenden Videobeweis, der ein Handspiel feststellte, zurückgepfiffen. Am gestrigen Mittwoch war die Mannschaft von Tobias Strobl dann im DFB-Pokal gegen den SC Freiburg gefordert. Nachdem die Wölfe den frühen Rückstand durch den Treffer von Igor Matanovic (6. Minute) mit einem Doppelpack von Kento Shiogai noch vor der Pause wettgemacht hatten, mussten sie sich denkbar knapp geschlagen geben. Keisuke Gote traf in der 75. Minute und in der dritten Minute der Nachspielzeit zum Sieg für die Freiburger.

Dabei ließen die Grün-Weißen auch gegen den klassenhöheren Gegner immer wieder ihre Qualitäten aufblitzen. Vor allem die Offensive ist das Prunkstück der Mannschaft. Im Vergleich der erwarteten Tore (xGoals) liegen die Wolfsburger mit einem Wert von 18,37 auf dem dritten Platz, dicht gefolgt vom VfL Osnabrück mit 17,76 auf Rang fünf. Bei der Abschlusseffizienz zeigt sich allerdings ein deutlicher Unterschied. Die Wölfe weisen mit einem Wert von 4,63 die zweitbeste Bilanz der Liga auf, während die Lila-Weißen mit -3,76 deutlich ineffizienter abschneiden. So benötigt Wolfsburg im Schnitt lediglich sieben Torschüsse für einen Treffer. Auch bei Standardsituationen sind die Autostädter gefährlich. Bereits sechsmal trafen sie nach ruhenden Bällen, was den Ligabestwert darstellt. Vier dieser Treffer fielen nach Eckbällen. Hinzu kommt ein konsequentes Gegenpressing. Im Schnitt benötigen die Wolfsburger nur 13,2 Sekunden, um den Ball zurückzuerobern. Der VfL Osnabrück braucht dafür 16,6 Sekunden und weist damit die zweitschwächste Bilanz der Liga auf.

Im eigenen Ballbesitz setzen die Wolfsburger auf Geduld und suchen gezielt nach Lücken in der gegnerischen Defensive. Mit durchschnittlich 55 Prozent Ballbesitz liegt nur der 1. FC Nürnberg vor ihnen. Zudem spielen die Wölfe mit 300 langen Bällen die wenigsten der Liga und versuchen stattdessen, das Spiel überwiegend über spielerische Lösungen aufzubauen. Aber auch wenn dies einmal nicht klappt haben die Wölfe Lösungen. Mit sieben Weitschusstoren sind die Autostädter ebenfalls die Topmannschaft der Liga. In den Zweikämpfen überzeugt der kommende Gegner der Lila-Weißen ebenfalls. Mit einer Zweikampfquote von 53 Prozent stellen die Wolfsburger den Bestwert der Liga. Gleichzeitig gehören sie mit 122 begangenen Foulspielen zu den Teams, die am häufigsten regelwidrig eingreifen. Dabei ist Vinicius Souza mit 17 Foulspielen der zweitunfairste Spieler der Liga.

Auf der anderen Seite geht der VfL Osnabrück dank des überzeugenden 3:0-Heimsiegs gegen die SpVgg Greuther Fürth mit viel Selbstbewusstsein in die Partie gegen den Topfavoriten. Gegen die Fürther spielten die Lila-Weißen mit ihrem Konterspiel einmal mehr eine ihrer größten Stärken konsequent aus. 18 Torschüsse nach Kontern sind Ligabestwert. Mit drei Treffern nach Gegenstößen belegen die Osnabrücker im Ligavergleich den dritten Platz. Mit seinem Treffer zum 1:0 und seiner prompt folgenden Vorlage zum 2:0 avancierte Daniel Kofi Kyereh am vergangenen Sonntag zum lila-weißen Matchwinner. Für den 30-Jährigen wird die Partie in der Volkswagen Arena eine besondere. Schließlich spielte er nicht nur in seiner Jugend zwei Jahre lang für die Wölfe, sondern wuchs auch im nur 55 Kilometer entfernten Salzgitter auf. Somit werden den Offensivmann am Samstag nicht nur die über 6.000 mitreisenden VfL-Fans unterstützen, sondern auch viele Familienmitglieder und Freunde vor Ort.

Defensiv präsentieren sich die Osnabrücker bei gegnerischen Kopfbällen sicher. Nur gegen zwei andere Teams kamen die Gegner noch seltener per Kopf zum Torabschluss als gegen den VfL (16). Auf der Gegenseite zeigt sich genau in diesem Bereich eine Schwachstelle der Wolfsburger. Bereits 26-mal brachten die Gegner der Grün-Weißen den Ball per Kopf auf das Tor. Nur der 1. FC Magdeburg ließ dies noch häufiger zu (28).

Hoffnung auf einen lila-weißen Auswärtssieg macht auch der Blick auf die Historie. Gegen keinen anderen aktuellen Zweitligisten weist der VfL eine bessere Siegquote auf. Wenn die Osnabrücker bislang auf die Wölfe trafen, gingen sie in 55,8 Prozent der Fälle als Sieger vom Platz. In bislang 43 Duellen gewannen die Lila-Weißen 24-mal und trennten sich achtmal mit einem Remis. Zudem stehen 87 Osnabrücker Tore den 58 Treffern der Autostädter gegenüber. Die Lila-Weißen könnten also auch am Halloweensamstag wieder für eine böse Überraschung in Wolfsburg sorgen.

Das Personal
Wölfe-Coach Tobias Strobl muss am Samstag auf Rogério (Muskelverletzung), Fraser Hornby (Achillesfersenprobleme), Trevor Bendedict (Rückenprobleme), Pharell Hensel (Muskelfaserriss) und Mattias Svanberg (Syndesmoseriss) verzichten.

Bei den Osnabrückern hat Kapitän Jannik Müller unter der Woche überwiegend individuell trainiert. Ein Einsatz des zentralen Innenverteidigers am Samstag bleibt fraglich. Ansonsten sind alle Akteure von Cheftrainer Timo Schultz einsatzbereit.

Stimmen zum Spiel
Timo Schultz erklärte im Spieltagsinterview am Donnerstagvormittag, dass er in der Doppelbelastung der Wolfsburger keinen großen Vorteil für seine Mannschaft sieht: „Es ist eine Mannschaft, die jetzt unter der Woche nochmal aktiv war im DFB-Pokal. Eine späte, unglückliche Niederlage in Freiburg – von mir aus hätten sie auch noch Verlängerung spielen können. Aber ich denke, dass wir bis Samstag keine Rolle mehr spielen. Sie haben auch einen breiten Kader. Es ist eine gute Mannschaft und ein tolles Setting, was uns da erwartet. Wir freuen uns drauf.“

Zudem sagte der 49-Jährige eine mutige Spielweise seiner Mannschaft voraus: „Sie spielen fantastischen Fußball und haben richtig gute Kicker in ihren Reihen. Dass da manchmal defensiv ein bisschen was auf der Strecke bleibt, das liegt in der Natur der Sache. Wir werden versuchen, das auszunutzen. Und trotzdem wissen wir, dass wir auch wieder in der Phase mit dem Ball unsere Schritte machen müssen. […] Und dann werden wir auch in Wolfsburg mutig auftreten.“

Maximilian Arnold forderte im Interview bei Wölfe TV nach den drei Gegentoren im Pokalspiel gegen die Freiburger mit Blick auf die Partie am Samstag eine bessere Defensivleistung: „Wir müssen jetzt gut regenerieren, es sind nur noch drei Tage bis zum Spiel. Wir werden jetzt noch ein bisschen das Spiel von heute analysieren, aber auch mehr den Maßstab setzen, dass wir, wenn wir in der Defensive kompakt stehen, auch unseren Mann stehen. Das muss auch in der Liga das Ziel sein. Und dann werden wir auch noch viel Freude am VfL haben.“

TV, Liveradio und Liveticker
Der Pay-TV Sender Sky überträgt die Partie sowohl im Einzelspiel (Sky Sport Bundesliga 5) als auch in der Konferenz ab 13:00 Uhr live (Hier Angebot sichern). Zudem meldet sich wenige Minuten vor Anpfiff - präsentiert von Fuchs Gruppe - wie gewohnt das Liveradio unter vfl.de/fans/liveradio. Ansonsten ist das Spiel auch im Liveticker in der App und über die Website verfolgbar.

VFL Osnabrück Logo

Titelbild: Fabian Frommeyer

Text: Jendrik Greiwe

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