Wenige Minuten vor Schluss schoss Bernd Riesselmann am gestrigen Samstag im Ostseestadion nicht nur den wichtigen Ausgleich und Endstand, sondern auch sein erstes Tor in der 3. Liga. Der 20-Jährige stand im Nachhinein daher völlig zurecht im Mittelpunkt der Berichterstattung. Aber auch seine Mitspieler zeigten im Spitzenspiel zuvor eine souveräne Leistung.
„Das versuche ich mir dann für die Liga aufzuheben“, erzählte Bernd Riesselmann vor einem halben Jahr, im August 2025, nach dem Testspiel gegen den SV Werder Bremen. In diesem traf das Stürmertalent zwar ebenfalls, scheiterte aber frei vor Keeper Mio Backhaus am zweiten Treffer des Tages. In ganz ähnlicher Entfernung stand der 20-Jährige schließlich gestern vor Keeper Benjamin Uphoff. Anstatt den Ball am Torwart vorbeizuschießen, nutzte Riesselmann gegen die Rostocker die sich bietende Gelegenheit und schob die Kugel kurzerhand durch die Beine des Torhüters ins Tor – und ließ daraufhin seiner Freude freien Lauf. „Robin [Meißner] setzt sich mit einer Körpertäuschung gut durch und legt den Ball zurück. Ich kann den Ball dann einfach aus fünf Metern aufs Tor bringen und schieße ihn ihm dann durch die Hosenträger“, beschrieb der Torschütze selbst seinen Premierentreffer im Interview bei VfL-TV.

So konnte er sein Versprechen aus dem Sommer nun endlich einlösen. Dabei freuten sich sowohl Trainer als auch Mitspieler nach Spielende sehr für den Stürmer und lobten ihn für seine tägliche Arbeitseinstellung. „Dass Bernd sich heute mal belohnen konnte für den Weg, den er jetzt im letzten halben Jahr gegangen ist, als er neu dazugekommen ist, unter nicht ganz leichten Umständen, freut mich sehr. Er hat im halben Jahr wirklich alles aufgesaugt, ist in jedem Training voll da, hört zu und will umsetzen. Der Junge hat Skills, muss aber auch noch lernen. Das weiß er aber auch, das ist das Schöne an ihm“, erzählte Trainer Timo Schultz auf der Pressekonferenz nach der Partie. Und auch Teamkollege und Vorlagengeber Robin Meißner schloss sich dem Tenor im Interview bei MagentaSport an: „Die ganze Mannschaft freut sich für den Jungen. Der ackert im Training und in den Spielen. Von daher freuen wir uns heute alle besonders für Bernd, dass es heute geklappt hat mit dem ersten Drittligator. Ich glaube, man sieht auch, wie er sich freut.“
Selbst durfte sich Robin Meißner gestern im Spiel gegen seinen Ex-Verein erneut über ein Tor und eine Vorlage freuen. Zweifelsohne befindet sich die Leihgabe von Dynamo Dresden im neuen Jahr in bestechender Form. So war der 26-Jährige nun an sechs der insgesamt neun Osnabrücker Rückrundentreffer beteiligt. Gegen Hansa Rostock kamen zudem vier der zehn Torschüsse des VfL vom Toptorschützen der Lila-Weißen. Damit steht Meißner in dieser Saison bereits bei acht Toren und sechs Vorlagen. Insgesamt erzielte er gestern in seinem 120. Drittligaeinsatz sein 30. Drittligator. „Als Stürmer ist es wichtig, Selbstvertrauen zu haben – und das habe ich jetzt gerade. Aber in erster Linie ist es wichtig, der Mannschaft damit zu helfen“, erklärte der Stürmer selbst seine herausragende Form.
Die Vorlage zu seinem Treffer kam gestern erneut von Lars Kehl. Nach dem wichtigen Ballgewinn im Mittelfeld durch Kapitän Jannik Müller legte Kehl den Ball gedankenschnell auf den besser positionierten Meißner ab und verbuchte damit seine neunte Saisonvorlage. Zum dritten Mal bereitete der Offensivakteur dabei einen Treffer für Robin Meißner vor. Insgesamt zeigt sich der VfL Osnabrück in der Rückrunde deutlich offensivstärker als noch zu Beginn der Saison. So blieb man in der Hinrunde in sechs Spielen ohne eigenen Treffer. Diese Schwäche scheint das Trainerteam in der Winterpause jedoch erfolgreich behoben zu haben. Schließlich trafen die Lila-Weißen in der Rückrunde bislang in allen fünf Spielen mindestens einmal.

In der Defensive kassierten die Lila-Weißen gegen Hansa Rostock jedoch erstmals im neuen Jahr zwei Gegentore in einem Spiel. Zum allerersten Mal in der Rückrunde wieder auf dem Platz stand zudem Robin Fabinski, der nach auskurierter Krankheit am Samstag zur zweiten Halbzeit in die Partie kam und mit einer Passquote von 93,1 Prozent überzeugte und die Defensive damit sichtlich stabilisierte. Von Beginn an auf dem Platz stand dagegen Kai Pröger, der bei seiner Rückkehr nach Rostock, für die er von 2022 bis 2024 spielte, eine kampfbetonte Leistung zeigte. 90 Prozent seiner Zuspiele fanden dabei einen Mitspieler. Der 33-Jährige stand damit erstmals seit dem Auswärtsspiel bei Rot-Weiss Essen im September 2025 wieder in der Anfangsformation. Zum dritten Mal in Folge in der Startaufstellung stand Kevin Wiethaup, dem man von Spiel zu Spiel das gestiegene Selbstvertrauen anmerkt. Mit 78 Ballaktionen lieferte er gestern den Spitzenwert aller VfL-Spieler und war somit Dreh- und Angelpunkt im Osnabrücker Spiel.
Trotz dieser individuell guten Leistungen wollten sich die Lila-Weißen am Ende über den Punkt nicht so recht freuen. „Es zeigt auch die Mentalität der Mannschaft, dass wir am Ende hier stehen und mit dem Punkt nicht ganz so zufrieden sind. Aber ich glaube, wir haben ein gutes Spiel gemacht. Hier zu bestehen, ist nicht einfach“, erklärte Robin Meißner die Gefühlslage der Mannschaft nach der Partie. Zwei Punkte mehr will der VfL dann am kommenden Wochenende einfahren. Mit Rot-Weiss Essen steht man an der Bremer Brücke erneut einem Topgegner und Aufstiegsaspiranten gegenüber. Punktgleich stehen die Essener nur einen Platz hinter dem VfL auf dem fünften Rang. Mit drei Punkten möchte sich die Mannschaft von Timo Schultz also von diesen absetzen und die Ungeschlagen-Serie fortsetzen.
Text: Jendrik Greiwe
Fotos: Fabian Frommeyer





