Gemeinsame Wege gehen der VfL und der SV Viktoria Gesmold von nun an im Bereich des Fußballs für Frauen und Mädchen. Mit der Kooperationsvereinbarung, die bereits in der vergangenen Woche unterschrieben am heutigen Montag offiziell im Rahmen eines Pressegespräches verkündet wurde, erfüllt der VfL nicht nur ein zwingend vorgeschriebenes Kriterium für die Lizenzierung, sondern übernimmt auch Verantwortung für einen Sportzweig in Stadt, Landkreis und Region Osnabrück, bei dem er einst selbst Vorreiter war.

Nachdem die Förderung des Fußballs der Mädchen und Frauen viele Jahre aus dem Blickfeld des VfL geraten war, obwohl es, auch von Seiten der Fans, Gedanken gab, aktiv einzusteigen, ist der Verein durch den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga durch die Lizenzierungsvorgaben der Deutschen Fußball Liga (DFL) nunmehr verpflichtet, entweder eigene Mannschaften für den offiziellen Spielbetrieb zu melden oder eine Kooperation mit einem anderen Verein einzugehen. Letztere Möglichkeit war für den VfL von Beginn an die favorisierte, da man so die eigenen fußballfördernden Aktivitäten erweitern kann, ohne dabei bestehende Strukturen bei den Breitensportvereinen der Region zu gefährden. Mit dem SV Viktoria Gesmold hat der VfL nun einen Partnerverein gefunden, der im Landkreis zuhause ist, bereits seit vielen Jahren Fußball der Mädchen und Frauen betreibt, ein familiäres Umfeld mit vielen Eigengewächsen aufweist und durch die Zusammenarbeit mit dem VfL anstrebt, die eigene Abteilung zu vergrößern, auf breitere Grundlagen zu stellen und sich perspektivisch weiterzuentwickeln. Zu diesem Zweck wurde ein Kooperationspapier aufgesetzt, das unter anderem Schulungen der Trainerteams beinhaltet oder Trainingseinheiten beim und mit dem VfL(-Trainerteam) ermöglicht. Beim VfL Osnabrück wird Ronny Maul, der in seiner Zeit beim SV Meppen auf eine erfolgreiche Entwicklung des Fußballs für Frauen zurückblicken kann, das Thema federführend betreuen.

„Hätten wir aktuell ohne die Lizenzauflage der DFL eine aktive Rolle bei der Förderung von Fußball für Mädchen und Frauen eingenommen. Wahrscheinlich nicht. Umso spannender war für uns die konzeptionelle Herangehensweise, weil für uns vom ersten Moment an feststand: Wenn wir eine Kooperation eingehen, dann soll diese auf einem inhaltlichen Fundament stehen, in einer vertrauensvollen Partnerschaft gestaltet sein und gemeinsam Schritt für Schritt mit Leben gefüllt werden“, sagt VfL-Geschäftsführer Dr. Michael Welling, der selbst eine persönliche Beziehung zum Fußball für Mädchen und Frauen hat, weil einst seine Mutter selbst aktive Fußballerin war, sein Vater diese Frauenmannschaft direkt nachdem der DFB es wieder erlaubte, trainierte und später auch als Funktionär im Fußball der Frauen erfolgreich aktiv war. „Wir sind froh, mit der Viktoria einen tollen Partner aus dem südlichen Landkreis gefunden zu haben. Die Gespräche waren von Beginn an sehr zielführend, sodass wir uns nicht nur aufgrund der gleichen Vereinsfarben direkt sympathisch waren, sondern auf inhaltlicher Ebene sehr deckungsgleiche Vorstellungen von einer Kooperation zur Förderung des Fußballs für Mädchen und Frauen hatten – in den bestehenden Strukturen der Viktoria.“

Norbert Stratmann, Fußballobmann des SV Viktoria Gesmold, freut sich über die Kooperation der lila-weißen Klubs: „Wir sind sehr glücklich und stolz, gemeinsam mit dem VfL Osnabrück als den Leuchtturm einer ganzen Region den Fußball für Mädchen und Frauen in unserer Region weiterentwickeln zu können. Wir haben jetzt einen starken Partner an unserer Seite, der in den letzten Jahren nicht nur auf dem Fußballplatz eine tolle Entwicklung genommen hat, sondern auch abseits des grünen Rasens als Brückenbauer in der Region an Profil und Wertschätzung gewonnen hat.“

Der VfL möchte mit dieser Kooperation wie genannt nicht nur eine verbandsseitige Auflage erfüllen, sondern durchaus an eine eigene Tradition anknüpfen. Denn Osnabrück war und ist eine Fußballregion mit einer besonderen Ausrichtung auf den Frauenfußball. Nicht wenige erinnern sich daran, dass am 2. Juli 1989 das Nationalteam des Deutschen Fußball-Bundes mit einem 4:1 gegen Norwegen an der Bremer Brücke mit der Europameisterschaft den ersten internationalen Titel gewann. Dabei galt Frauenfußball in Deutschland lange Zeit als unerwünscht und war von 1955 bis 1970 sogar durch den DFB verboten. Als Begründung für das Verbot hieß es in der entsprechenden Erklärung unter anderem: „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“ Am 31. Oktober 1970 hob der DFB das Verbot auf seiner Verbandstagung in Travemünde auf, was in Deutschland, wo Fußball der Frauen bis dahin nur außerhalb des Verbandes, zum Beispiel in kirchlichen oder anderen gesellschaftlichen Vereinen gespielt wurde, eine regelrechte Welle loslöste.

Auch in Osnabrück fanden in der Folge Anfang der 70er junge Mädchen und begeisterte Frauen zum aktiven Fußball. Noch unter der Ägide von Eduard Piepenbrock (1969-1971) gründete der VfL eine Damenfußballabteilung, der nach wenigen Wochen bereits über 40 Anmeldungen mit einem Durchschnittsalter von 18 Jahren vorlagen. Die Abteilung vergrößerte sich unter der Regie von Erika Timmermann sowie den Trainern Zorro Wöbker und Henner Schulze rasch auf über 70 Personen. Leider war der Enthusiasmus nur von kurzer Dauer, sodass viele Spielerinnen abwanderten, obwohl 1978 ein weiterer und noch in diesem Jahrtausend ein dritter Versuch gestartet wurde.

Auch der SV Viktoria Gesmold hat eine lange Tradition im Bereich des Fußballs für Frauen aufzuweisen. Von 1970 bis ca. 1985 waren die Gesmolder Frauen auf Bezirksebene erfolgreich und bestritten Spiele gegen internationale Gegner.

Immer wieder gab es den Ruf, der VfL möge in diesem Bereich wieder aktiv werden, was aus Gründen einer unzureichenden Infrastruktur und anderen Ausrichtung vorerst nicht realisiert wurde, nun aber tatsächlich geschieht. Auch deshalb freuen wir uns auf eine gute Zusammenarbeit, denn mit der Viktoria und dem VfL werden zwei Osnabrücker Fußballklubs kooperieren, die mit dem Fußball für Mädchen und Frauen bislang auf unterschiedliche Arten und Weisen in Osnabrück verbunden sind. Das alles geschieht mit dem Ziel, den Osnabrücker Fußball insgesamt zu fördern und – womöglich auch mit weiteren Partnern – ambitionierten und leistungsorientierten Frauen und Mädchen aus Stadt, Landkreis und Region Osnabrück eine Perspektive bieten zu können. Osnabrück soll durch die Kooperation so stärker auf der deutschen Frauenfußballlandkarte etabliert werden.


Text: Malik Scherz

Foto: Malik Scherz