Mit einer bemerkenswerten Leistung fuhren die Lila-Weißen am gestrigen Samstag den fünften Sieg in Folge ein. Beim 4:1 gegen den SV Waldhof Mannheim konnte „jeder einzelne mit seiner Leistung zufrieden sein“, wie Torschütze Robin Fabinski nach dem Spiel treffend erläuterte. Dies zeigt auch der Blick auf die Statistikwerte der Partie.
Zum dritten Mal in Folge stand David Kopacz gegen den Waldhof in der Anfangsformation und erneut konnte der 26-Jährige das Vertrauen mit einem Treffer zurückzahlen. Sein sechster Saisontreffer war zeitgleich der bereits vierte zum zwischenzeitlichen 1:0. Kopacz entwickelt sich also langsam, aber sicher zum personalisierten Dosenöffner für die Lila-Weißen. Dabei zeigte er in der 12. Minute eindrucksvoll seinen Stürmerinstinkt und ging dem Schuss von Lars Kehl, den Torwart Thijmen Nijhuis nur abprallen ließ, nach und schloss anschließend wuchtig ins obere Eck ab. Damit war der Grundstein für den vierten Heimerfolg in Folge bereits früh in der Partie gelegt. Auch Cheftrainer Timo Schultz gefiel es, dass seine Mannschaft, wie schon im Heimspiel gegen Viktoria Köln, früh in Führung ging: „Tore fallen grundsätzlich zu den richtigen Zeitpunkten, aber es hat uns dann schon die Ruhe gegeben. In dem Wissen, dass wir sehr wenig zulassen, konnten wir gut stehen und immer wieder umschalten“, erklärte er am Mikrofon bei MagentaSport.
Richtig gut ausgespielt haben die Lila-Weißen ihre Umschaltmomente jedoch erst nach dem Wiederanpfiff. „Wir haben uns schon in der Halbzeitpause auf die Fahne geschrieben, dass wir in den Umschaltsituationen ein bisschen sauberer sein müssen, sodass wir sehr schnell eins nachlegen können“, gab Robin Meißner bei MagentaSport einen Einblick in die Gesprächsthemen der Osnabrücker Kabine. Der Toptorschütze war daraufhin gleich zweimal Nutznießer und Vollender der lila-weißen Kontersituationen und konnte sich dabei, wie oft in dieser Spielzeit, auf das punktgenaue Zuspiel von Kompagnon Lars Kehl verlassen. In der 54. Minute spielte dieser den Ball per Seitenverlagerung auf den freistehenden Meißner, der den Ball auf seinen starken rechten Fuß legte und durch die Beine von Verteidiger Kryeziu in die Maschen drosch. „Das haben wir in der Situation sehr gut gemacht. Lars hat den freien Fuß und spielt ihn perfekt rein. Und dann ist er halt drin“, so der Torschütze selbst.

Für Lars Kehl war es im Übrigen die 30. Torbeteiligung für den VfL. Fünf Torschussvorlagen lieferte er am gestrigen Samstag und damit die meisten aller Drittligaakteure am bisherigen 29. Spieltag. Mit nun zwei Toren und vier Vorlagen ist Waldhof Mannheim rein statistisch gesehen sein Lieblingsgegner. Gegen keinen anderen Verein war der 23-Jährige an so vielen Toren beteiligt. Diese Leidenschaft teilt er sich mit Robin Meißner, der wenige Minuten später seinen zweiten Treffer des Tages und sein insgesamt viertes Tor gegen „die Buwe“ erzielte. Auch er traf gegen keine andere Mannschaft öfter. „Ich hatte das Gefühl, dass ich ihn ein bisschen zu lang gespielt hab für Meißner. Aber dafür hat er den unfassbaren Antritt. Und dann macht er ihn wieder gut weg“, beschrieb Lars Kehl die Entstehung des dritten Osnabrücker Treffers bei MagentaSport. Mit etwas Glück spielte der Mittelstürmer quasi einen Doppelpass mit Torwart Nijhuis, als dessen Schuss vom Torwart erneut gegen Meißners Bein prallte und dieser schließlich über die Torlinie rutschte. Wie schon im Hinspiel gegen die Mannheimer schnürte der gebürtige Hamburger in seinem 125. Drittligaspiel einen Doppelpack. Für seinen Vorlagengeber Lars Kehl, dem vom DFB allerdings offiziell nur ein Scorerpunkt zugesprochen wurde, hatte er im Nachgang der Partie nur positive Worte übrig: „Ich weiß, was er am Fuß kann und dass er die Pässe aus dem Fußgelenk locker raushaut. Es macht unnormal Spaß mit ihm zusammen zu spielen. Ich weiß was ich an ihm hab. Von daher: Chapeau.“
Kurz nach dem vorentscheidenden 3:0 erhielt Bjarke Jacobsen in der 77. Minute seine fünfte gelbe Karte und wird somit am kommenden Sonntag, beim Auswärtsspiel gegen die TSG Hoffenheim II, fehlen. Der 32-Jährige bestritt mit 73 Ballaktionen und 20 Zweikämpfen die meisten bei den Osnabrückern und agierte erneut als Ballabfänger vor der defensiven Dreierkette. Angesprochen auf den kommenden Ausfall des Dänen reagierte Timo Schultz auf der Pressekonferenz jedoch gelassen: „Auch da werden wir eine Lösung für finden.“ Die Gelassenheit des Chefcoach fußt nicht nur auf die allgemein qualitative Breite des Kaders, sondern auch der Gewissheit, dass hinter der Sechserposition noch eine stets stabil auftretende Dreierkette auf die Gegner wartet. Niklas Wiemann lieferte mit einer Passquote 89,7 Prozent den Bestwert aller VfL-Spieler. Zudem gewann der 27-Jährige alle seiner insgesamt 13 Zweikämpfe. Unbezwingbar am Boden war auch Kapitän Jannik Müller. Nur in der Luft musste sich der zentrale Innenverteidiger geschlagen geben, sodass er auf eine Zweikampfquote von 75 Prozent kommt.

Mit Robin Fabinski fiel der dritte im Bunde nicht nur in der Defensive mit einer starken Zweikampfhaltung auf, sondern mischte kurz vor dem Spielende auch im gegnerischen Strafraum mit und konnte nach langem Warten und mehrfachen zurückgepfiffenen Torjubeln endlich sein erstes (reguläres) Profitor erzielen. In der 84. Minute verwertete der 22-Jährige eine Flanke von Tony Lesueur per Kopf ins lange Eck und war, nach einem kurzen Sicherheitsblick auf den Schiedsrichterassistenten, nicht mehr zu halten. „Es war jetzt eigentlich mein drittes. Zwei wurden aberkannt leider, aber deswegen freue ich mich jetzt umso mehr, dass es passiert ist. Unter der Woche hatten wir schon Standards trainiert, da wurde auch schon der ein oder andere Spruch gedrückt. Und jetzt bin ich umso glücklicher, dass es endlich so weit ist“, gab Fabinski im Interview bei VfL-TV Einblicke in seine Gefühlswelt.
Diese wurde wenige Augenblicke dann dennoch ein wenig getrübt. Schließlich blieb dem VfL durch den Treffer von Felix Lohkemper in der vierten Minute der Nachspielzeit das 16. Saisonspiel ohne Gegentor verwehrt. Unser Anspruch ist es immer zu Null zu spielen. […] Das sind so die letzten ein, zwei Minuten, wo man einfach noch wach sein muss. Das Spiel geht eben über 90 Minuten plus Nachspielzeit und da muss man jede Sekunde wach sein, das ärgert uns schon“, so Fabinski.
Am Ende überwog an der Bremer Brücke aber natürlich trotzdem die positive Stimmung. Schließlich ist der VfL Osnabrück nach der Niederlage von Energie Cottbus gegen Alemannia Aachen (1:4) die einzig übriggebliebene Mannschaft im deutschen Profifußball, die im Jahr 2026 noch ungeschlagen ist. Den Abstand auf die Konkurrenz baute man zusätzlich auch noch aus, sodass man aktuell sieben Punkte vor dem Viertplatzierten MSV Duisburg steht. Dass dies auch gerne in den nächsten Wochen so bleiben soll, stellte Robin Meißner im Interview bei VfL-TV klar. Zeitgleich warnte der Stürmer aber auch vor dem kommenden Gegner: „Solange man die Welle surft, soll man auch draufbleiben. Und das versuchen wir zu machen. Es ist jetzt der fünfte Sieg in Serie, wir wissen aber das wir nächste Woche ein schweres Auswärtsspiel in Hoffenheim haben. Ich kann mich noch an das Hinspiel erinnern, da haben wir im Vorfeld auch 4:1 in Mannheim gewonnen. […] Wir gehen das ganze jetzt fokussiert an und hoffen dann, dass wir da die nächsten drei Punkte einfahren können.“
Text: Jendrik Greiwe
Fotos: Fabian Frommeyer / Jonas Jürgens
