Wie gerne hätten die VfLer ihm heute zum 60. Geburtstag gratuliert. Doch Paul Jaschke starb viel zu früh, im Alter von nur 52 Jahren. Von 1980 bis 91 trug er das Trikot der Lila-Weißen und bestritt 29 Länderspiele für die Nachwuchsteams des DFB.

Paul Jaschke wurde am 18. April 1966 in Bramsche geboren. Das Fußballspielen lernte er beim SC Achmer, wo er nicht nur Auswahltrainer Hansi Niemeyer, sondern auch dem Jugendtrainer des VfL auffiel. Friedel Hoppe holte den schnellen, offensivstarken Youngster in die B-Jugend der Lila-Weißen, doch Jaschke empfahl sich schnell für höhere Aufgaben. Im Alter von 17 Jahren absolvierte er am 5. August 1983 sein allererstes Spiel in der 2. Bundesliga – und das über eine beachtliche Distanz. Schon in der 19. Minute musste er im Heimspiel gegen Alemannia Aachen den deutlich erfahreneren Guido Szesni ersetzen.

Paul Jaschke machte seine Sache gut, kam in der Saison 1983/84 noch zu 27 weiteren Einsätzen. Nur zwei Wochen nach seinem Debüt für den VfL konnte Jaschke auch seinen ersten Treffer verbuchen. Beim Auswärtsspiel gegen den SC Charlottenburg Berlin, am 20. August 1983, erzielte der damals 17-Jährige gegen den späteren Welt- und Europameister Andreas Köpke das spielentscheidende 1:0. Bis heute ist Jaschke mit 17 Jahren 4 Monaten und 2 Tagen der jüngste Torschütze in der 2. Bundesliga in der Geschichte des VfL. Seine Leistungen blieben auch außerhalb Osnabrücks nicht unbemerkt, sodass er sich immer wieder das Trikot der Deutschen Jugend-Nationalmannschaften überstreifen durfte. In den frühen 1980er Jahren bestritt er insgesamt 29 Länderspiele in verschiedenen Altersklassen, mehr als jeder andere VfLer. Der sympathische Youngster ging immer an seine Leistungsgrenze – in Diensten des DFB, nach dem Abstieg der Lila-Weißen aber auch in den Niederungen der Amateuroberliga Nord. 1984/85 kam er in Liga und Aufstiegsrunde auf 35 Partien, die den VfL nach nur einem Jahr zurück ins Fußball-Unterhaus brachten.

1986 wechselte Jaschke zum Ligakonkurrenten Arminia Bielefeld, kehrte aber nach einem halben Jahr an die Bremer Brücke zurück. Bis 1991 blieb „Paulus“ nun bei den Lila-Weißen, wurde nach und nach zum Defensivstrategen umgeschult und suchte dann noch einmal eine neue Herausforderung. Für den SC Preußen Münster bestritt er weitere 75 Spiele, feierte 1994 den Gewinn der Deutschen Amateurmeisterschaft und ging anschließend zum VfL Herzlake, mit dem er noch viermal auf seine alte Osnabrücker Liebe traf. Jaschke erlebte den dramatischen 5:4-Erfolg der Emsländer am 2. September 1994 aus nächster Nähe mit, war aber auch beim 4:0-Erfolg des VfL im Rückspiel und bei den beiden 1:1-Unentschieden in der folgenden Saison dabei.

Den Wechsel an die Seitenlinie vollzog er dann gewissermaßen im Laufen. Sowohl für Schwarz-Weiß Osterfeine als auch für den SV Holdorf war Paul Jaschke als Spielertrainer aktiv. Kompetent, empathisch und hilfsbereit gewann er schnell den Respekt von Spielern und Verantwortlichen. Seine erfolgreiche Arbeit als Übungsleiter setzte der akribische Vorbereiter und passionierte Spielbeobachter beim TuS Emstekerfeld und beim SC Sportfreunde Niedersachsen Vechta fort. Seine letzte Station war der VfL Oythe, mit dem ihm 2018 der Aufstieg in die Oberliga Niedersachsen gelang.

Zu Beginn des darauffolgenden Jahres brach Paul Jaschke bei einem Hallenturnier der VfL-Oldies nach einem Herzinfarkt zusammen. Am 26. Februar 2019 starb er in Bad Oeynhausen. Der Fußball im Nordwesten, den Jaschke über Jahrzehnte geprägt hatte, verlor einen seiner bekanntesten und liebenswertesten Protagonisten.


Text: Thorsten Stegemann
Foto: Paul Jaschke im Sommer 1988 © IMAGO / Rust