Als der VfL Osnabrück zur Saison 2021/22 erstmals Gemeinwohltickets einführte, stand eine einfache Idee im Mittelpunkt: Unabhängig von ihrer persönlichen oder finanziellen Situation sollen der Fußball und die Brücke Menschen verbinden. Was einst im Rahmen einer Aktionärs-Initiative begann, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Instrument des VfL für gesellschaftliche Teilhabe entwickelt.

Seit der Saison 2023/24 tragen die Tickets den Namen „Tante-Gerhild-Gemeinwohltickets“. Die Namensgebung erinnert an die heute 95-jährige Gerhild Gierschner, die sich in den 1970er Jahren im Schinkel um Waisenkinder kümmerte und mit ihnen regelmäßig die Spiele des VfL besuchte. Der damalige Schatzmeister des VfL, Helmut Wessling, sorgte für freien Eintritt.

Mehr als 22.000 Tickets bereits vergeben

Die Idee hinter den Gemeinwohltickets wurde seither von Aktionären, Fans, Partnern und weiteren Unterstützern in den vergangenen Jahren eindrucksvoll getragen. Insgesamt konnten in den letzten fünf Jahren 22.058 Gemeinwohltickets vergeben werden. In der formal noch laufenden Saison 2025/26 wurden 4.071 Eintrittskarten eingesetzt. Das teils in den Vorjahren aufgebaute und zur Verfügung gestandene Kontingent ist damit nun vollständig ausgeschöpft worden.

Die Tickets kamen dabei unterschiedlichsten Gruppen und Einrichtungen zugute. Dazu gehörten unter anderem:  soziale Einrichtungen und Projekte, ehrenamtliche Initiativen, gesellschaftliche engagierte Vereine und Jugendgruppen, Schulen und Bildungseinrichtungen, Menschen mit eingeschränktem Zugang zu Stadionerlebnissen, Familien mit geringem Einkommen oder Integrations- und Teilhabeprojekte.

Die Idee hinter den Tante Gerhild-Gemeinwohltickets bleibt auch zukünftig unverändert, die gesellschaftliche Wirkung steht im Vordergrund. Gemeinwohltickets sollen Menschen Teilhabe, Begegnung und Integration ermöglichen. Das Instrument zum Brückenbauen soll für Personenkreise und Gruppen oder Institutionen mit nachvollziehbarem sozialem oder gesellschaftlichem Mehrwert bestehen bleiben.

Neue Herausforderungen machen Anpassungen notwendig

Gleichzeitig steht das Modell, abgesehen vom erschöpften Kontingent, vor neuen Herausforderungen. Die generelle Nachfrage nach Tickets hat in den vergangenen Jahren ligaunabhängig stark zugenommen, der Aufstieg in die 2. Bundesliga erhöht das Interesse zusätzlich. Hinzu kommt perspektivisch der geplante Stadionumbau, durch den die Kapazität der Brücke zeitweise reduziert werden wird. Und dennoch sollen zu jedem Spieltag Gemeinwohltickets zur Verfügung gestellt werden. Deshalb bleibt die Tante Gerhild-Gemeinwohldauerkarte, die erstmals zur Saison 2023/24 eingeführt wurde und die neben den Aktionären, Partnern und weiteren Unterstützern eine wichtige Säule des Kontingents darstellt.  wurden durch die Tante Gerhild-Gemeinwohldauerkarte generiert. Fans haben deshalb auch beim Dauerkartenverkauf für die Saison 2026/27 die Möglichkeit, sich bewusst für die Gemeinwohl-Variante der Dauerkarte zu entscheiden und für einen Aufpreis von 30,00 Euro zwei Gemeinwohltickets für gesellschaftliche Zwecke zu finanzieren.

Weitere Optionen zur Erweiterung des Kontingents

Um das Modell langfristig auszubauen und finanziell breiter aufzustellen, wird es über den Dauerkatenverkauf hinaus zukünftig weitere Möglichkeiten der Beteiligung geben. Ziel ist es, die Tante Gerhild-Gemeinwohltickets auch künftig zu erhalten und möglichst vielen Menschen und Institutionen Zugang zur Brücke zu ermöglichen – insbesondere in gesellschaftlich und politisch herausfordernden Zeiten.


Text: Sebastian Rüther
Foto: osnapix