Mit Ferydoon Zandi und Daniel Davari standen gleich zwei aktuelle Lila-Weiße im Aufgebot des Iran bei einer Fußball-Weltmeisterschaft. Während Zandi 2006 in Deutschland auflief, gehörte Davari acht Jahre später zum Kader bei der Endrunde in Brasilien. Beide erinnern sich noch heute an besondere Momente auf der größten Fußballbühne der Welt. 

Sein Debüt in der Nationalmannschaft gab Zandi am 9. Februar 2005 in der WM-Qualifikation gegen Bahrain. Zuvor machte der gebürtige Emder mit vier Toren und vier Vorlagen in der Bundesliga im Trikot des 1. FC Kaiserslautern auf sich aufmerksam. Seine guten Leistungen setzte der Mittelfeldspieler auch in den kommenden Partien für die Nationalmannschaft fort, sodass er Ende Mai 2006 auch in den Weltmeisterschaftskader berufen wurde. In der Gruppe D ging es für den Iran gegen Mexiko, Portugal und Angola. Im ersten Spiel gegen die Mexikaner, das mit 1:3 verloren ging, saß Zandi jedoch zunächst 90 Minuten im Max-Morlock-Stadion in Nürnberg auf der Bank.

Sechs Tage später wurde der damals 27-Jährige in der 67. Minute gegen Portugal eingewechselt, konnte die 0:2-Niederlage allerdings nicht mehr verhindern. Dabei ist die Partie für Zandi eine der prägendsten Erinnerungen an das Turnier: „Beim Spiel gegen Portugal, als wir gegen Spieler wie Figo, Deco und den jungen Cristiano Ronaldo antraten, ging mein Puls jedes Mal, wenn sie den Ball hatten, auf 200. Wir hatten trotzdem drei oder vier Großchancen auf das 1:1, leider hat es nicht geklappt. Zwei Szenen bleiben mir aber in Erinnerung: eine, als unser rechter Außenverteidiger Kaebi einen Karatesprung an Figos Hals durchgezogen hat. Eigentlich eine klare Rote Karte, gab es aber nicht. Und mein Freistoß gegen eine Zwei-Mann-Mauer aus spitzem Winkel. Ich wollte überraschend schießen, und der wäre super gekommen. Leider ist Figo, warum auch immer, sogar in einer Zwei-Mann-Mauer hochgesprungen.“

Durch das zeitgleiche Unentschieden im Spiel zwischen Mexiko und Angola stand bereits vor dem dritten Gruppenspiel für die Iraner fest, dass es keine Möglichkeit mehr auf das Weiterkommen geben würde. Im Leipziger Zentralstadion stand Zandi im letzten Gruppenspiel in der Startelf (Beitragsbild obere Reihe erster von links) und konnte durch den 1:1-Ausgleich von Sohrab Bakhtiarizadeh in der 75. Minute noch einmal mit seinen Mannschaftskollegen jubeln. Am Ende schied man jedoch mit einem Punkt als Gruppenvierter aus. Zandi blickt dementsprechend mit gemischten Gefühlen auf das Turnier zurück.

„Dass man bei einer WM mitgespielt hat und dann auch noch bei der WM 2006 in Deutschland, ist natürlich eine Erinnerung, die ewig bleibt und auf die man auch immer noch angesprochen wird. Ich blicke trotzdem mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück, da wir damals schon sozusagen die goldene Generation des Iran mit Spielern wie Karimi, Mahdavikia, Daei und Hashemian waren. Leider haben wir, inklusive mir, vor der WM mit Verletzungen zu kämpfen gehabt. Daher konnten wir nicht das auf den Platz bringen, was wir eigentlich konnten. Trotzdem waren es drei gute Spiele und ein wahnsinniges Erlebnis. Die Erinnerungen an die überschwänglichen Emotionen jedes Landes bleiben mir am meisten hängen.“

Nun drückt Zandi selbstverständlich der neuen Generation beim diesjährigen Turnier die Daumen. Dabei zeigt sich der 47-Jährige zuversichtlich: „Durch den neuen Modus haben sie eine große Chance, erstmals die Gruppenphase zu überstehen. Gegen Belgien oder Ägypten ist ein Punkt machbar, und gegen Neuseeland müssen sie gewinnen. Vier Punkte sollten für einen dritten Platz reichen. Danach kommt es darauf an, auf wen sie treffen.“

Acht Jahre später war schließlich ein weiterer aktueller Lila-Weißer Teil des iranischen WM-Aufgebots. Torwart Daniel Davari erweckte erstmals im November 2013 die Aufmerksamkeit des damaligen Nationaltrainers Carlos Queiroz. Mit Eintracht Braunschweig zeigte der Schlussmann in der Bundesliga starke Leistungen und fuhr im Herbst drei Weiße Westen gegen Wolfsburg (2:0), Leverkusen (1:0) und Hannover 96 (0:0) ein. Somit debütierte Davari am 15. November 2013 in der Qualifikation zum Asien-Cup gegen Thailand erstmals für die Nationalmannschaft. Auch dort hielt der Schlussmann seinen Kasten sauber und fuhr einen 3:0-Sieg ein. Vier Tage später stand Davari zudem über 90 Minuten im Spiel gegen den Libanon (4:1) zwischen den Pfosten. Nach weiteren guten Leistungen für die Braunschweiger folgte schließlich die Nominierung für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. In einer Gruppe mit Argentinien, Nigeria und Bosnien-Herzegowina gingen die Iraner als Herausforderer in das Turnier.

In selbiger Rolle fungierte letztendlich auch Davari selbst. So musste er Keeper Alireza Haghighi den Vortritt lassen. „Ich blicke sehr gerne auf meine WM-Teilnahme zurück, geprägt von vielen Momenten, die ich nicht vergessen werde. Auch sportlich war es eine neue Erfahrung, bei so einem Turnier dabei zu sein. Die prägendste Erinnerung war die Atmosphäre in Belo Horizonte im und auch schon vor dem Spiel gegen Argentinien“, so Davari.

Nach einem 0:0 im ersten Gruppenspiel gegen Nigeria traf man am 21. Juni 2014 vor 58.000 Zuschauern auf den späteren Finalisten Argentinien. Dabei präsentierten sich die Iraner als echtes Abwehrbollwerk und ließen Messi, Di María, Higuaín und Co. lange verzweifeln. Erst in der ersten Minute der Nachspielzeit setzte sich die Extraklasse von Lionel Messi schließlich mit einem Schlenzer aus 18 Metern durch und führte die Argentinier somit zum 1:0-Sieg.

Anders als 2006 hatten die Iraner jedoch auch vor dem letzten Gruppenspiel noch die Chance auf Platz zwei. Allerdings zeigten sie gegen Bosnien-Herzegowina die schwächste Leistung eines ansonsten ordentlichen Turniers und verloren mit 1:3. Am Ende musste man also erneut das Ausscheiden in der Gruppenphase hinnehmen. Für Daniel Davari bleibt diese Erfahrung, auch ohne eigenen Einsatz, bis heute in Erinnerung. Zudem glaubt der 38-Jährige ebenfalls daran, dass die Iraner in diesem Jahr in einer Gruppe mit Neuseeland, Belgien und Ägypten Historisches schaffen könnten: „Natürlich ist das schwer zu sagen, aber ich glaube, dass sie zum ersten Mal die Gruppenphase überstehen können.“

Ähnliche Meinungen haben Ferydoon Zandi und Daniel Davari auch, wenn es darum geht, wer am Ende in diesem Jahr Weltmeister wird. „Frankreich und England sehe ich ganz weit vorne im Turnier. Bei einer WM sind meistens die besten tief stehenden Kontermannschaften am erfolgreichsten, da nach so einer langen Saison und vielen Spielen während der WM keine Power für Pressing und Ballbesitzfußball da ist. Aber wer weiß, ich mag mich täuschen“, so Zandi. „Ich drücke natürlich Deutschland die Daumen. Sehe aber auch die üblichen Favoriten wie Spanien, Argentinien oder Frankreich sehr stark“, fügt Davari hinzu.

Während beide ehemaligen WM-Teilnehmer also auf unvergessliche Erlebnisse bei ihren Endrunden zurückblicken, richtet sich inzwischen ein zuversichtlicher Blick auf die kommende Generation des iranischen Fußballs. Ob dem Team, das ab Dienstag – auch im Kontext der politischen Auseinandersetzungen unter besonderen Bedingungen – in das Turnier in den USA eingreift, bei der diesjährigen Weltmeisterschaft tatsächlich erstmals der Sprung in die K.-o.-Phase gelingt, bleibt abzuwarten.


Text: Jendrik Greiwe
Beitragsfoto: IMAGO / Richard Wareham
Foto im Text: IMAGO / Ulmer/Teamfoto