Am Montag haben die ersten Spieler ihre Leistungstests absolviert, bevor es am Samstag das erste Mal auf den Rasen geht. Wir waren für euch dabei.

Noch ist es ruhig an diesem Montagmorgen an der Iburger Straße. Um kurz vor acht wirkt die Trainingsfläche im centrumed fast ein wenig verloren, die Geräte stehen bereit, die Klamotten liegen in der Kabine, draußen beginnt langsam der Tag. Für die Profis des VfL Osnabrück beginnt er dagegen nicht langsam, sondern ziemlich genau nach Plan: mit dem ersten Teil der Leistungstests vor dem Start in die neue Zweitliga-Saison.

Von Montag bis Mittwoch absolvieren die Spieler des VfL in dieser Woche ihre Untersuchungen und Tests. Drei Stationen stehen auf dem Programm: die Präventivdiagnostik im centrumed, die Spiroergometrie in den Räumlichkeiten von MotionCheck sowie die internistische Untersuchung bei Mannschaftsarzt Tom Herzig, ehe am Freitag noch weitere Tests in der größeren Gruppe anstehen. Es geht um Werte, Belastbarkeit, Beweglichkeit, Kraft – und um viele kleine Hinweise darauf, wo jeder einzelne Spieler gerade steht, ehe es am Samstag das erste Mal auf den Rasen geht.

An diesem Morgen sind Fridolin Wagner und Robin Fabinski die ersten, die eintreffen. Teammanager Leon Seelhöfer hat die Einteilung vorgenommen. Wagner, frisch gebackener Papa einer kleinen Tochter, ist pünktlich da und bereits dabei, sich umzuziehen. Kurz darauf schlendert Fabinski herein, braun gebrannt, entspannt, fast so, als würde er nicht gleich durch eine Reihe fordernder Tests gehen. Die Stimmung ist gut. Wagner und Fabinski kennen sich nicht nur aus der Kabine, sie verstehen sich auch privat sehr gut. Das merkt man schnell. Nicht nur daran, dass sie in der Urlaubsphase einen Deal eingingen: Bei einem Anruf des Anderen muss direkt ein Plank (Haltübung) in der Länge von vier Minuten erfolgen. So musste Fabinski im Gang eines ICEs ran, „Frido“ im Kindergeschäft. Und auch zwischen den Übungen wird gelacht, kommentiert, gestichelt – ohne dass dabei auch nur ein Prozent Professionalität verloren geht.

Der erste Teil des Tages steht unter dem Zeichen der Präventivdiagnostik. Es geht darum, mögliche Schwachstellen frühzeitig zu erkennen, Bewegungsabläufe zu prüfen und Risiken zu minimieren, bevor die Belastung in der Vorbereitung steigt. Gerade Fabinski unterstreicht an diesem Morgen einmal mehr sein Image als „Musterprofi“. Teilweise wirken die Übungen spielerisch leicht, sodass sein Trainingspartner ein wenig neidisch herüberschaut.

Julius und Hendrik vom centrumed begleiten die Spieler durch die einzelnen Stationen, erklären, messen, korrigieren und notieren. Auf dem Programm stehen Halteübungen, Mobilisationsaufgaben und Tests der Beweglichkeit. Sit-and-Reach, Stand-and-Reach, Knee-to-Wall, dynamische Schulterkontrolle, Rumpfstütz – Begriffe, die technisch klingen, auf der Fläche aber sehr konkret werden. Bei einer Übung etwa nehmen die Spieler eine Art Liegestützposition ein. Ein Arm hät den Körper, der andere geht nach links oben oder rechts heraus. Die Position muss mindestens drei Sekunden gehalten werden, anschließend wird die Weite gemessen.

Und wie immer, wenn Fußballprofis gemessen werden, dauert es nicht lange, bis um jeden Millimeter diskutiert wird. War das jetzt weit genug? Zählt die Haltung? Ging da nicht noch ein bisschen mehr? Die Übungen mögen der Prävention dienen, doch der Wettkampfgedanke ist sofort da. Keiner will einfach nur bestehen.

Während Wagner und Fabinski ihre Stationen absolvieren, kommen die nächsten Spieler auf die Fläche. Neuzugang Joel Abu Hanna und Bernd Riesselmann betreten den Raum, werden freundlich begrüßt, stellen sich kurz vor, treffen erstmals in dieser Konstellation aufeinander. Es ist einer dieser typischen Vorbereitungsmomente, wenn Neuzugänge das erste Mal auf ihre neuen Teamkollegen treffen.

Wagner und Fabinski wechseln anschließend zur Kraftmessung, während Abu Hanna und Riesselmann mit der Präventivdiagnostik starten. Beim Krafttraining wird zunächst mit kleineren Gewichten und höheren Wiederholungszahlen gearbeitet, ehe sich die Spieler nach und nach an die maximale Belastung herantasten. Kreuzheben, Hip Trust, Kniebeuge – kontrolliert, sauber, schrittweise. Es geht nicht darum, blind Gewicht zu bewegen, sondern belastbare Werte zu ermitteln.

Während das erste Pärchen schon fast zwei Stunden aktiv ist, kommt auch Meißner auf die Fläche. Und natürlich dauert es nicht lange, bis ein Thema alle beschäftigt: der Laufplan. Über den wird, standesgemäß, gemeckert. In diesem Jahr war dieser wohl besonders anspruchsvoll. Alle fünf Spieler sind sich einig, noch nie so einen Laufplan gehabt zu haben. Aber die 2. Liga ruft ja auch. Während Robin Meißner in seine Übungen startet, ist der andere Robin schon auf dem Weg.

Ortswechsel. Vom centrumed geht es weiter in die Räumlichkeiten von MotionCheck. Dort wartet der Teil des Tages, vor dem viele Spieler den größten Respekt haben: die Spiroergometrie. Sie gehört zu den wichtigsten Verfahren der sportmedizinischen Ausdauerleistungsdiagnostik. Vereinfacht gesagt wird dabei gemessen, wie der Körper unter steigender Belastung Sauerstoff aufnimmt, Kohlendioxid abgibt und mit der zunehmenden Intensität umgeht. Aus diesen Daten lassen sich unter anderem die maximale Sauerstoffaufnahme, die anaerobe beziehungsweise ventilatorische Schwelle und individuelle Trainingsbereiche ableiten.

Für den Fußball ist das besonders wertvoll. Denn auf dem Platz geht es selten um gleichmäßiges Dauerlaufen, sondern um wiederholte intensive Aktionen: anlaufen, abbremsen, sprinten, regenerieren, wieder anlaufen. Die Spiroergometrie hilft dabei, die Leistungsfähigkeit nicht nur grob einzuschätzen, sondern genauer zu verstehen: Wann wird eine Belastung wirklich intensiv? Wie effizient arbeitet der Körper? Wo liegen die Bereiche, in denen ein Spieler Grundlagen aufbaut, Schwellen verbessert oder an seine maximale Grenze kommt? Und ebenso wichtig: Wie schnell erholt er sich danach?

Durch die vorherigen Übungen gibt es leichte Verspätung. Fabinski kommt an und legt unter Coach Ben, der ebenfalls für das centrumed aktiv ist und bei MotionCheck zu Gast ist, praktisch direkt los. Zunächst wird der richtige Mundaufsatz geprüft, dann sitzt die Maske, der Gurt wird angelegt, die Geräte laufen. Zwei Minuten startet er ohne Belastung, dann beginnt das Laufband bei 8 km/h. Jede Minute kommt ein weiterer Kilometer pro Stunde dazu.

Am Anfang wirkt alles noch entspannt. Fabinski läuft ruhig, sein Blick ist konzentriert nach vorne gerichtet. Die ersten Stufen absolviert er souverän, fast beiläufig. Doch mit jeder Minute verändert sich die Atmosphäre im Raum. Das Laufband wird lauter, die Atmung schwerer, die Kurve auf dem Monitor steigt. Bei 15 km/h ist die Belastung längst spürbar, Fabinski scheint sie aber gut auszuhalten. Er bleibt stabil, arbeitet weiter, lässt sich nichts anmerken.

Dann geht es in die hohen Bereiche. 18 km/h. Die Ansagen von Ben werden häufiger. „Nächste Stufe“ hallt durch den Raum. Noch 30 Sekunden bis zur nächsten Geschwindigkeit. Auf dem Monitor laufen Werte, Linien, Zahlen. Für Außenstehende ist es vor allem ein Bild: ein Spieler, der mit Maske auf dem Gesicht gegen die eigene Grenze läuft. Für die Diagnostik ist es deutlich mehr: Jeder Atemzug liefert Daten. Jede Stufe zeigt, wie der Körper reagiert. Jede Minute bringt die Auswertung näher an den Bereich, in dem Leistungsfähigkeit und Belastungsgrenze sichtbar werden.

Bei 20 km/h kämpft Fabinski. Und er kämpft weiter. Er will die nächste Stufe unbedingt noch erreichen. Ben motiviert ihn, gibt die Zeit durch, treibt ihn an. Dann ist sie da, die nächste Stufe. Geschafft. Kurz darauf geht es nicht mehr. Fabinski beendet den Test, hängt erschöpft auf der Stütze des Laufbands. Er hat alles rausgehauen.

Ben ist zufrieden. „Sehr gut“, sagt er. Fabinski geht bei langsamem Tempo aus, bringt den Puls herunter, die Atmung normalisiert sich nach und nach. Die Maske bleibt zunächst noch auf, denn auch die Erholungsphase ist Teil der Auswertung. Wie schnell kommt ein Spieler nach maximaler Belastung wieder herunter? Wie reagiert der Körper, wenn das Maximum erreicht ist? Für die Trainingssteuerung können gerade diese Antworten wertvoll sein.

Erst danach nimmt Fabinski Gurt und Maske ab, bedankt sich beim Trainer. Auf die Frage, wie es war, braucht er nicht viele Worte. „Anstrengend“, sagt er. Mehr muss man in diesem Moment auch nicht sagen.

Dann ist Fridolin Wagner an der Reihe. Fabinski bleibt extra im Raum, um zuzuschauen. „Ich bin immer ein bisschen angespannt vor diesem Test, auch wenn man es schon hundertmal gemacht hat“, sagt Wagner. Fabinski bestätigt das. Es ist einer dieser Tests, die man kennen kann – und vor denen man trotzdem Respekt hat.

Wagner startet. Der Druck durch Fabinskis Vorlage ist natürlich da, zumindest unausgesprochen. Die ersten Minuten läuft auch er sehr souverän, macht seine Meter, bleibt kontrolliert. Doch auch bei ihm wird die Belastung Schritt für Schritt sichtbar. 17 km/h. Die Gesichtsfarbe errötet leicht. Nächster Gang. Die Arme schwingen weiter durch, das Laufband arbeitet lauter, der Raum wird enger.

Ben überwacht seine Monitore. „Dranbleiben“, sagt er. Wagner kämpft. 19 km/h sind aufgelegt. Noch 30 Sekunden bis zur nächsten Stufe. Jeder Schritt kostet Kraft, jeder Atemzug wird schwerer. Dann die 20. Aufgeben ist keine Option. Die Marke von Fabinski ist in Sicht. Noch 30 Sekunden. Das Ziel ist greifbar. Geschafft.

Auch Wagner erreicht sein Maximum. Danach heißt es: durchatmen, langsam gehen, Maske aufbehalten, weiter messen. Der Körper fährt herunter, die Werte laufen weiter. Genau darum geht es an diesem Tag: nicht nur darum, wer wie lange durchhält, sondern was der Körper unter Belastung zeigt – und wie er danach reagiert.

Für Wagner und Fabinski ist der Montag damit noch nicht das Ende der Testwoche. Am Mittwoch steht für beide wie für alle VfL-Profis noch die internistische Untersuchung auf dem Programm.

Aber jetzt haben die Beiden Feierabend. Absolut verdient.


Text: Malik Scherz
Fotos: Jonas Jürgens