Er war der erfolgreichste VfL-Torschütze der 80er Jahre und manch einer hätte sich gewünscht, dass er einmal als Trainer nach Osnabrück zurückkehren würde. Dazu kam es zwar nicht, doch ein Ehrenplatz in der Geschichte der Lila-Weißen gebührt Paul Linz natürlich trotzdem. Heute feiert er seinen 70. Geburtstag.

Addi Vetter, Gerd-Volker Schock, Theo Schönhöft und Thomas Reichenberger: Nur vier Spieler erzielten in der bald 127-jährigen Geschichte des VfL Osnabrück mehr Tore als Paul Linz. Der 1956 in Trier geborene Stürmer traf – statistisch betrachtet – exakt in jedem zweiten Spiel und brachte es so auf 69 Treffer in 138 Einsätzen.

Paul Linz hatte lange überlegt, ob die Profilaufbahn überhaupt das richtige für ihn wäre. Mitte der 70er Jahre trainierte er zweimal pro Woche beim VfL Trier, spielte mitunter für die zweite Mannschaft in der Kreisklasse, schoss immer Tore am Fließband, zögerte aber mit einer endgültigen Entscheidung. Erst 1978, im Alter von 22 Jahren, unterschrieb er einen Vertrag beim SV Werder Bremen. Manager Rudi Assauer bot dem Neuen nach Recherchen des Trierer Volksfreundes 2.500 Mark Grundgehalt, eine Punktprämie von 500 Mark, von denen Ersatzspieler allerdings nur die Hälfte bekamen, sowie eine Jahresleistungsprämie. Doch das Geld stand ebenso wenig im Mittelpunkt wie die Einsatzzeiten. „In Bremen habe ich nicht oft gespielt, bin aber fit geworden“, erinnerte sich Linz später. Anfang 1980 wechselte er zum damaligen Zweitligisten OSC Bremerhaven und setzte mit 11 Toren in 19 Spielen ein erstes Ausrufezeichen.

Es folgten zwei Jahre beim Freiburger FC und dann der Wechsel zu Waldhof Mannheim, mit dem Paul Linz 1983 in die Bundesliga aufstieg. Dass es ihn ein Jahr später zum gerade in die Amateuroberliga abgestiegenen VfL zog, werteten manche Beobachter als Rückschritt, andere schlicht als Sensation. Am Ende war es nicht mehr und nicht weniger als der Beginn seiner erfolgreichsten Zeit als Fußballer. Dabei hatte der ehrgeizige, bisweilen aufbrausende Neuzugang manchen Strauß mit seinen Mannschaftskollegen auszufechten. Und auch das Publikum verlor mitunter die Geduld, wenn das selbstsichere bis schnoddrige Auftreten ihres Stürmers einmal nicht zum Erfolg führte. Es habe sich zuletzt deutlich gezeigt, dass Paul Linz „kein Dauerbrenner“ sei, war in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ im Oktober 1985 zu lesen. „Kein Dauerbrenner“ und auch „Keiner, der bereit ist, über einen längeren Zeitraum die Ärmel aufzukrempeln und sich dem Mannschaftsgeist unterzuordnen.“

Doch es kam ganz anders. Nachdem Paul Linz zehn Liga- und sieben Aufstiegsrundentore zwecks Rückkehr in die 2. Bundesliga erzielt hatte, kam der gedankenschnelle, wendige und durchsetzungsstarke Stürmer immer besser in Fahrt und wurde unter Erhard Ahmann und Rolf Grünther ein unverzichtbarer und durchaus mannschaftsdienlicher Leistungsträger. 1985/86 steuerte er 22 Tore zum Klassenerhalt bei, häufiger traf in dieser Saison nur Leo Bunk von Blau-Weiß 90 Berlin. Im darauffolgenden Jahr touchierte der VfL zeitweise die Schwelle der Bundesliga und wurde am Ende Tabellensechster. Linz war 20 Mal erfolgreich, diesmal allein übertroffen von Hannovers Siegfried Reich. In seinem vierten und letzten VfL-Jahr standen immerhin noch zehn Treffer zu Buche.

Über Eintracht Trier ging es zum FSV Salmrohr, mit dem Paul Linz als Spielertrainer die Deutsche Amateurmeisterschaft gewann und seinen Wechsel an die Seitenlinie vorbereitete. In Salmtal übernahm er bis in die jüngste Vergangenheit gleich mehrfach das Kommando an der Seitenlinie, Linz coachte aber auch den SV Meppen und die Stuttgarter Kickers, LR Ahlen und den 1. FC Magdeburg sowie das Bundesliga-Gründungsmitglied Borussia Neunkirchen. Die wohl größten Erfolge als Trainer feierte er während seines erneuten, nun sechs Jahre dauernden Engagements beim SV Eintracht Trier, den er 2002 in die 2. Bundesliga führte, wo der Aufsteiger die erste Spielzeit auf Platz 7 abschloss. Genau zu diesem Zeitpunkt suchte der gerade aufgestiegene VfL einen Nachfolger für den überraschend zurückgetretenen Aufstiegstrainer Jürgen Gelsdorf. Doch Paul Linz blieb an der Mosel, wo er später eine neue und doch verwandte berufliche Aufgabe fand. Seit vielen Jahren betreibt er mit Geschäftspartner Dieter Lüders die Triolago Fußballgolf-Anlage in der Ortsgemeinde Riol.


Text: Thorsten Stegemann
Bild: Paul Linz im Oktober 1985 © IMAGO / Rust