Seit 2004 gedenken Einzelpersonen, Fangruppen und Fanprojekte, Vereine, Verbände und Institutionen aus dem Fußball der preisgegebenen Familienmitglieder und engagieren sich für eine würdige Gedenkkultur und für ein Stadion ohne Diskriminierung. Auch in diesem Jahr haben VfL-Fans die Möglichkeit, an Veranstaltungen teilzunehmen.
Seit vielen Jahren beteiligt sich rund um den VfL Osnabrück ein breites Bündnis an den Nie-wieder-Wochen rund um den Erinnerungstag im Deutschen Fußball. Mit Stolpersteingängen, Vorträgen zur VfL-Geschichte oder auch sichtbaren Positionierungen an Spieltagen zeigt die VfL-Familie, dass sie um die aus dem NS-Unrecht entstandene historische Verantwortung des Sports weiß.
Denn auch in und um Osnabrück und den VfL geschah Unrecht, an das es sich zu erinnern lohnt. In Zusammenarbeit mit dem langjährigen Kooperationspartner, den Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht werden zwei Führungen mit jeweils bis zu 30 Plätzen im ehemaligen Arbeitserziehungslager Ohrbeck, der heutigen Gedenkstätte Augustaschacht angeboten, die auch mit Fußballbezügen aufwarten können, denn sie nehmen unter anderem die Lebensgeschichte des späteren Generalsekretärs von Feyenoord Rotterdam Phida Wolff in den Blick. Die Führungen sind kostenlos, wir bitten jedoch zwecks besserer Planung um verbindliche Anmeldung.
21.01.2026, 18.00 Uhr: Zur Anmeldung
22.01.2026, 15.30 Uhr: Zur Anmeldung
Nachdem es im November anlässlich des Jahrestags der Reichspogromnacht bereits einen Besuch von VfL-Fans in der Gedenkstätte Gestapokeller gegeben hat, werden in den kommenden Wochen auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des VfL in den Gedenkstätten aktiv: Allen Angestellten ist per Arbeitsvertrag die Möglichkeit gegeben, bis zu zwei komplette Arbeitstage im Jahr für gemeinnützige Zwecke einzusetzen. In diesem Fall werden am 28. und 29. Januar demnach Kolleginnen und Kollegen in den beiden Gedenkstätten aktiv und unterstützen bei handwerklichen, zupackenden aber auch inhaltlichen Arbeiten.
Auch der Lernort Bremer Brücke erfreut sich rund um den Erinnerungstag einer großen Nachfrage, sodass wieder einige Schwerpunkt-Veranstaltungen durchgeführt werden. Hierfür zeichnet das Fanprojekt Osnabrück verantwortlich, weitere Informationen erhalten Sie hier.
Auch das Heimspiel gegen den TSV 1860 München steht im Zeichen der Erinnerung: Neben sichtbaren Platzierungen der !Nie-wieder-Botschaft werden Vertreterinnen und Vertreter des VfL-Bündnisses Tradition lebt von Erinnerung einen Text verlesen, der im Zeichen des Gedenkens an die Opfer der Diktatur auch aus unserem Verein steht.
Im Rahmen der Kooperation mit den Gedenkstätten möchten wir zusätzlich auf eine weitere Veranstaltung hinweisen:
08.02., 15.00 Uhr Lesung in der Gedenkstätte Augustaschacht:
Die Akte Georges Schaltenbrand ist noch nicht geschlossen
Im Mittelpunkt dieser Lesung steht ein Vortrag der Nordhornerin und deutschsprachigen Poetry Slam Meisterin Theresa Sperling. Die ARD-Dokumentation »Ärzte ohne Gewissen« deckte 1996 die Menschenversuche namhafter Ärzte während der NS-Zeit auf. Über diese erfuhr Sperlings Familie, dass auch Sperlings Großvater, der international renommierte Neurologe Prof. Dr. med. Georges Schaltenbrand, im Rahmen seiner Multiple-Sklerose-Forschung Menschenversuche durchgeführt hatte. Nach jahrelangen Forschungsarbeiten veröffentlichte Theresa Sperlings Vater Alf Mintzel mit Sperlings Hilfe 2023 die biographische Annäherung „Die Akte Georges Schaltenbrand ist noch nicht geschlossen.“ Theresa Sperling erzählt von ihren Kindheitserinnerungen an ihren Großvater und liest aus dessen aufrüttelnden Tagebucheinträgen und Korrespondenzen. Der Vortrag gibt Einblick in die erschütternde Gedankenwelt eines Vertreters der damaligen medizinischen Funktionselite und die emotional belastende Aufarbeitungsarbeit durch seine Nachfahren. Musikalisch begleitet wird der Vortrag vom Baruch Chauskin & Duo NIHZ. Baruch Chauskin ist der Chazan (Kantor) der Jüdischen Gemeinde Osnabrück. Duo NIHZ ist ein weltweit auftretendes Duo, das sich auf jüdische Musik spezialisiert hat. Duo Nihz und Baruch Chauskin waren es, die die VfL-Vereinshymne auf Jiddisch umgesetzt und vor einigen Jahren auch Gedichte des im ehemaligen Arbeitserziehungslager Ohrbeck internierten Phida Wolff vertont haben.
