Zum Ende der englischen Woche wartet auf den VfL Osnabrück mit dem FC Energie Cottbus der nächste Topgegner. Vor einer restlos ausverkauften Bremer Brücke wollen die Lila-Weißen wieder auf die Siegerstraße zurückkehren und wichtige Punkte im Aufstiegsrennen einfahren. Der Vorbericht.

Der Gegner
Am Sonntag werden die Blicke der 3. Liga in die Hasestadt gerichtet sein. Schließlich wird das Duell zwischen dem Hinrundenmeister Energie Cottbus und dem Tabellenführer der Rückrunde schon seit Wochen heiß erwartet. Für die Cottbuser ist der Saisonverlauf dabei ein kleines Déjà-vu zur vergangenen Spielzeit, als man ebenfalls am 25. Spieltag zuletzt an der Tabellenspitze stand, im Saisonendspurt allerdings wichtige Punkte und somit auch den Aufstieg liegen ließ.

Um dies in diesem Jahr zu verhindern, verstärkte man sich im Winter mit zwei neuen Spielern. Neben der Leihe von Mladen Cvjetinovic (Holstein Kiel) stellte man auch Tolga Cigerci als offiziellen Neuzugang vor. Der zuletzt vereinslose Bruder von Tolcay Cigerci trainierte schon seit Längerem bei den Cottbusern mit und läuft seit der Rückrunde nun auch in Pflichtspielen für die Lausitzer auf. Aufgrund eines Muskelfaserrisses fiel der 33-Jährige in den letzten Partien jedoch aus und kommt somit erst auf fünf Einsätze.

Trainer Claus-Dieter Wollitz variierte in der Hinrunde immer wieder zwischen einem 4-3-2-1- und einem 4-3-3-System, legte sich in diesem Jahr aber auf ein 4-2-3-1 fest. Wichtige Stützen in seiner ersten Elf sind dabei neben den Torjägern Erik Engelhardt und Tolcay Cigerci vor allem auch Torwart Marius Funk, Innenverteidiger Nyamekye Awortwie-Grant und Sechser Dominik Pelivan. Alle fünf weisen in dieser Saison mindestens 2.000 Einsatzminuten auf.

Neben dem richtungsweisenden Duell mit den Osnabrückern stehen den Cottbusern im Saisonfinale noch weitere herausfordernde Gegner gegenüber. So empfängt man in der nächsten Woche zu Hause Rot-Weiss Essen und fährt zwei Wochen später zum MSV Duisburg. Im Schnitt stehen die Gegner im Cottbuser Restprogramm auf Tabellenplatz 6,5. Im Vergleich dazu trifft der VfL Osnabrück in den letzten sechs Spielen auf Mannschaften, die durchschnittlich auf Tabellenplatz 10,3 stehen.

Die Ausgangslage
In diesem Jahr kassierten die Cottbuser erst eine Niederlage (1:4 bei Alemannia Aachen), spielten aber auch fünfmal „nur“ unentschieden, sodass man die Tabellenführung nach der Winterpause nicht mehr verteidigen konnte und aktuell auf dem dritten Platz steht. Nach der Niederlage am Tivoli folgte in den letzten drei Spielen ein Unentschieden gegen den SSV Ulm (1:1) sowie zuletzt zwei 3:0-Siege gegen den TSV Havelse und den TSV 1860 München. Besonders in Torlaune zeigte sich dabei Ex-Osnabrücker Erik Engelhardt, der die Münchner Löwen mit einem Dreierpack quasi im Alleingang besiegte. Mit nun 19 Saisontoren ist der 27-Jährige hinter Lars Gindorf (20 Treffer) der zweitbeste Torschütze der Liga.

Neben Engelhardt sorgt beim FCE vor allem auch Tolcay Cigerci für Torgefahr. Der Mittelfeldakteur kann auf 14 Tore und 12 Vorlagen in der bisherigen Spielzeit zurückblicken. So ist nur das Duo aus Lars Gindorf und Mika Schroers noch torgefährlicher (36 Torbeteiligungen) als die beiden Cottbuser Torgaranten (33 Torbeteiligungen). Insgesamt sind Engelhardt und Cigerci für 54,1 Prozent der FCE-Tore verantwortlich und somit maßgeblich daran beteiligt, dass die Mannschaft von Claus-Dieter Wollitz die drittbeste Offensive der Liga stellt (61 Tore). Die Abhängigkeit von den beiden Offensivkräften lässt sich auch an der Anzahl der verschiedenen Torschützen ablesen. So trafen in dieser Saison nur zehn weitere Spieler für den FCE. Einzig Wehen Wiesbaden weist einen noch niedrigeren Wert auf (11 Spieler).

Etwas variabler zeigt sich dagegen der VfL Osnabrück, bei dem sich in dieser Spielzeit 15 verschiedene Spieler in die Torschützenliste eintragen konnten. Im letzten Heimspiel, beim 4:0-Sieg gegen den 1. FC Schweinfurt 05, trafen sogar vier unterschiedliche Spieler. Daraufhin folgte jedoch unter der Woche die erste Niederlage des Jahres: Mit 0:1 musste man sich beim MSV Duisburg geschlagen geben. Somit könnten die Cottbuser am Sonntag bis auf einen Punkt an die lila-weißen Tabellenführer heranrücken. Das will der VfL jedoch verhindern. Wie das gelingen soll, erklärte Ismail Badjie im Spieltagsinterview am Freitagvormittag: „Ich glaube, wir wissen alle, dass Cottbus ein guter Gegner und noch einmal eine andere Mannschaft als Duisburg ist. Wir haben aber im Hinspiel schon gezeigt, dass wir Cottbus schlagen können. Und generell, dass wir uns in dieser Liga vor keiner Mannschaft verstecken müssen. Cottbus hat viele Spieler mit individuellen Qualitäten, und das gilt es zu knacken.“

Der 20-Jährige stand am Dienstagabend zum ersten Mal in dieser Saison über 90 Minuten auf dem Platz. Während der Flügelstürmer in der Hinrunde vor allem als Joker brillierte, stand er in diesem Jahr bereits fünfmal in der Startaufstellung. Seine Qualitäten als Matchwinner stellte Badjie vor fünf Monaten auch im Hinspiel gegen Energie Cottbus unter Beweis. Nach seiner Einwechslung in der 61. Minute erzielte er nur zwölf Minuten später das spielentscheidende 1:0 und sicherte seiner Mannschaft, wie eine Woche später gegen den FC Ingolstadt (ebenfalls Tor zum 1:0 nach Einwechslung), die drei Punkte. Dies würde der Offensivakteur am Sonntag gerne wiederholen. Schließlich könnten die Lila-Weißen mit einem Sieg den Abstand auf die Cottbuser wieder auf sieben Punkte ausbauen.

Das Personal
Beim FCE muss Trainer Claus-Dieter Wollitz voraussichtlich auf die Dienste von Tolga Cigerci und Leon Guwara verzichten. Zwar kehrten die beiden unter der Woche auf den Trainingsplatz zurück, erreichten bislang jedoch nicht wieder auf ihre volle Wettkampffitness.

Auf der Gegenseite musste Robin Fabinski unter der Woche gegen die Duisburger frühzeitig verletzt ausgewechselt werden und fällt nun mit einer Sprunggelenksverletzung auf unbestimmte Zeit aus.

Stimmen zum Spiel
FCE-Coach Claus-Dieter Wollitz zeigte sich auf der Pressekonferenz nach dem Heimsieg gegen 1860 München kämpferisch mit Blick auf das kommende Duell mit seinem Ex-Verein und stellte die Rollenverteilung aus seiner Sicht dar: „Wir werden nicht passiv werden. Wir sind eine aktive Mannschaft. […] Ich sage nur so: Wir sind bereit. Die haben ja schon die zweite Liga in der Schublade, habe ich gehört. […] Wir freuen uns, wir haben nichts zu verlieren und können nur gewinnen. Es ist dritte Liga gegen zweite Liga und Außenseiter gegen Favorit.“

VfL-Cheftrainer Timo Schultz freut sich auf das Spitzenspiel an der Bremer Brücke und hat dabei ein klares Ziel vor Augen: „Beide Mannschaften haben sich das verdient, dass es so spät in der Saison ein absolutes Spitzenspiel sein kann. Cottbus ist wahrscheinlich die offensiv gefährlichste Mannschaft der Liga. Sie haben eine unfassbare individuelle Qualität. Das sieht man auch, wenn man sich die Statistiken und Ranglisten der Liga anschaut. Dann tauchen immer wieder die Namen Engelhardt und Cigerci auf – und das vollkommen zu Recht. Von daher wissen wir, was auf uns zukommt. […] Es ist eine tolle Ausgangssituation für uns mit dem Heimspiel an der Bremer Brücke, das wir natürlich gewinnen wollen.“

Trotz des anstehenden Saisonfinales verspürt Ismail Badjie in der Mannschaft keinerlei Anzeichen von Anspannung: „Es ist keine Anspannung zu spüren. Wir sind alle locker drauf, wie in den Spielen zuvor auch. Wir müssen einfach so weitermachen, wie wir es bisher machen. Es ist gerade eine gewisse Lockerheit in der Mannschaft, und ich glaube, das wird auch bis zum Ende so bleiben.“

TV und Liveticker
Der Pay-TV Sender Magenta Sport überträgt die Partie ab 13:00 Uhr live. Die Partie ist darüber hinaus auch im Free-TV im NDR und RBB sowohl im TV als auch im Stream zu verfolgen. Dort beginnt die Übertragung wenige Minuten vor dem Anpfiff. Zudem meldet sich wie gewohnt kurz vor Spielbeginn auch das Liveradio presented by Fuchs Group unter vfl.de/liveradio.  Ansonsten ist das Spiel auch im Liveticker in der App und über die Website verfolgbar.


Text: Jendrik Greiwe
Foto: Jonas Jürgens