Nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga, die 2007 weder zum ersten noch zum letzten Mal als „stärkste aller Zeiten“ gefeiert wurde, war der Klassenerhalt das erklärte Ziel des VfL. Um es zu erreichen, brauchten die Lila-Weißen vor allem Heimsiege. Einen ganz wichtigen feierten sie am zweiten Advent gegen die Münchner Löwen.
Auf fremden Plätzen gab es im zweiten Halbjahr 2007 für das Team von Claus-Dieter „Pele“ Wollitz wenig zu holen. Nach acht Anläufen hatte man erst einen einzigen Punkt gesammelt und zuletzt eine besonders deftige Schlappe hinnehmen müssen. Drei eigene Treffer hätten am Fürther Ronhof für mindestens einen Punkt reichen sollen, doch die seinerzeit von Bruno Labbadia trainierten Franken trafen sechsmal ins Schwarze und schickten den VfL mit viel Stoff zum Nachdenken auf die lange Heimreise.
Es gab allerdings auch Anlass zur Hoffnung, denn im eigenen Stadion hatten die Lila-Weißen noch kein Spiel verloren und neben Freiburg, Aue und St. Pauli auch die Kölner Aufstiegsfavoriten um Starcoach Christoph Daum geschlagen. Die Münchner Löwen, die mit den damals 18-jährigen Bender-Zwillingen, Torwart-Routinier Michael Hofmann, Ex-Nationalspieler Daniel Bierofka, dem amerikanischen Nationalspieler und späteren -trainer Gregg Berhalter oder dem aus Hamburg gekommen Sturmtalent Mustafa Kučuković aufliefen, galten gleichwohl als klarer Favorit.
Tatsächlich zeigten die Gäste an diesem Sonntagnachmittag über weite Strecken die reifere Spielanlage, doch die wie immer einsatzfreudigen Lila-Weißen überzeugten vor allem durch Konsequenz und Effektivität. Schon in der 10. Minute traf Thomas Reichenberger nach Vorarbeit von Gaetano Manno zum 1:0. Gut 20 Minuten später ging Sven Bender regelwidrig gegen Paul Thomik zu Werke und gab Thomas Cichon so die Möglichkeit, per Foulelfmeter auf 2:0 zu erhöhen.
Nach dem Pausentee legten die Süddeutschen noch eine Schippe drauf. Doch Kučuković scheiterte am Pfosten und (wie seine Mannschaftskollegen) immer wieder an dem blendend aufgelegten Frederik Gößling, der 2006 von Münster nach Osnabrück gewechselt war und seit nunmehr zehn Jahren als Torwarttrainer bei RB Leipzig arbeitet. Derweil fieberten 16.000 begeisterte Zuschauer der endgültigen Entscheidung entgegen. Nach einer Stunde war es dann soweit. Zum zweiten Mal setzte Gaetano Manno Stürmer Thomas Reichenberger in Szene, der mit einem seiner nicht eben zahlreichen Kopfballtore für den umjubelten Endstand sorgte.
Am darauffolgenden Freitag erzielte der VfL zum dritten Mal nacheinander drei Tore in einem Spiel und holte beim spektakulären Remis in Offenbach einen weiteren Zähler. Die Lila-Weißen konnten somit ein vergleichsweise entspanntes Weihnachtsfest feiern. Mehr noch: Elf Auswärts- und 29 Heimpunkte ergaben am Ende der Spielzeit die magische 40, die auch diesmal zum Klassenerhalt reichte. 1860 München, als Aufstiegsaspirant in die Saison gestartet, hatte im Mai 2008 nur einen Punkt mehr auf dem Konto.
Text: Thorsten Stegemann
Bild: Einen Schritt schneller – Paul Thomik kommt vor Daniel Bierofka an den Ball. Foto © IMAGO / Fishing 4
