Schweißtreibende Temperaturen, ein bissiger Gegner und nur 1.000 Zuschauer: Beim einzigen Pokalspiel gegen Viktoria Köln wurde der VfL vor 35 Jahren auf eine echte Belastungsprobe gestellt. Am Ende setzten sich die Lila-Weißen durch – weil sie in den entscheidenden zwei Minuten hellwach waren.
Der Gewinn des Mittelrheinpokals bescherte dem Oberligisten Viktoria Köln 1990 die Teilnahme am DFB-Pokal. Doch im rechtsrheinischen Stadtteil Höhenberg hielt sich das Interesse am Erstrundenduell mit den Lila-Weißen in überschaubaren Grenzen. Vielleicht lag es aber auch an den brütenden Temperaturen von rund 40 Grad im Schatten, dass am 4. August nur etwa 1.000 Zuschauern den Weg ins Stadion fanden. Osnabrücks Mannschaftsarzt Siegfried Sonneck hatte sich auf die extreme Hitze und entsprechende Ozonwarnungen jedenfalls gut vorbereitet und neben elektrolythaltigen Vitamingetränken auch Bronchialsprays im Gepäck.
Der VfL setzte sich schließlich auch ohne medizinische Hilfe durch. Doch bis zum Erreichen der 2. Runde lag ein hartes Stück Arbeit vor dem Team des gebürtigen Osnabrückers Roland Koch, der später in Stuttgart, Leverkusen oder Istanbul der Dauer-Assistent von Cheftrainer Christoph Daum werden sollte.
Zurück auf den Höhenberg, wo der VfL schnell Probleme bekam, weil die Abwehr nicht ihren besten Tag hatte. So musste Branko Žeravica Viktorias Offensivmann Theo Herren immer wieder ziehen lassen – in der 23. Minute mit fatalen Folgen, denn Herrens Flanke landete auf dem Kopf von René Beier, der die Hausherren mit 1:0 in Führung brachte. Oswald Semlits gelang zwar zehn Minuten später der Ausgleich, doch Viktoria Köln hielt trotz einiger spielerischer Defizite weiter leidenschaftlich dagegen. Und auch konditionell gaben sich die Schützlinge von Wilfried Hannes keine Blöße.
Die klassenhöheren Gäste spekulierten in dieser Hinsicht womöglich auf den zweiten Durchgang und tatsächlich gingen sie nun mit einem schnellen Angriff in Führung. Claus-Dieter Wollitz setzte sich auf der linken Seite durch und bediente Uwe Igler, der zum 2:1 für den Favoriten traf (58.). Doch die Kölner Viktoria ließ sich nicht entmutigen und düpierte in der 73. Minute erneut die Osnabrücker Defensive. Der Ausgleichstreffer von Heinz Rother hätte das Spiel wieder drehen können, zumal Frank Ulrich nur eine Minute später allein auf Wolfgang Kellner zulief. Der Osnabrücker Schlussmann behielt allerdings die Nerven und wehrte den Schuss ab. Im Gegenzug ging Hans Hohs regelwidrig gegen Uwe Igler zu Werke – den fälligen Strafstoß verwandelte „Pele“ Wollitz zur erneuten Führung für die Lila-Weißen. Der Spielmacher hätte auch noch das vierte Tor erzielt, wenn ihm Mannschaftskollege Dirk Lellek nicht in die Parade gefahren wäre und das Leder über die unbewachte Linie gekickt hätte. Für Diskussionen war gesorgt, doch die „Neue Osnabrücker Zeitung“ konnte am darauffolgenden Montag Entwarnung geben. „Er war mir nicht böse“, zitierte das Blatt den reuigen Torstibitzer, der sich nun mit seinen Mannschaftskollegen auf Runde 2 freute.
Den Lila-Weißen kam ein weiteres Pokalspiel auch in finanzieller Hinsicht gelegen. Die gerade zitierte „NOZ“ bezifferte die Kosten für Reise und Hotel seinerzeit auf 3.500 DM – ein Betrag, der von den anteiligen Zuschauerkosten kaum gedeckt werden konnte. Glücksfee Monika Staab loste dem VfL den frisch gebackenen Bundesliga-Aufsteiger Wattenscheid 09 zu, der 6.000 Fans an die Bremer Brücke lockte. Gegen die Schützlinge von Hannes Bongartz hatte der inzwischen von Rolf Grünther trainierte VfL erst in der Verlängerung das Nachsehen. Frank Hartmann und Hans-Werner Moser trafen für den Bochumer Stadtbezirk, Igor Bulanov gelang in der 114. Minute nur noch der Anschlusstreffer.
Text: Thorsten Stegemann
Bildausschnitt „Neue Osnabrücker Zeitung“, 6. August 1990, S. 13
