Er war einer der großen VfL-Stürmer der 50er Jahre, überzeugte später auch als Defensivstratege und blieb den Lila-Weißen ein Leben lang verbunden. Heute wird Hansi Alpert 90 Jahre alt.

Hans-Joachim Alpert wurde am 3. Mai 1932 in Ellingen in der Altmark geboren. Fünf Jahre später zog die Familie nach Stendal, wo Hansi seine Begeisterung für das runde Leder entdeckte. Zum ersten Training beim „Ballspiel- und Turnklub“ musste er sich Fußballschuhe leihen und mit Papier ausstopfen, da sie drei Nummern zu groß ausgefallen waren. Aber der wieselflinke Stürmer war durch nichts zu stoppen. Im zarten Alter von 15 Jahren gehörte er bereits zum erweiterten Kreis der 1. Mannschaft, kurze Zeit später war er der jüngste Spieler der neu gegründeten DDR-Oberliga.
Und einer der besten obendrein, denn Hansi Alpert avancierte zum Torgaranten der Stendaler, die sich zwischenzeitlich dem real existierenden Sozialismus angepasst hatten und als Verein des Reichsbahnausbesserungswerks den Namen „Lokomotive Stendal“ trugen. Ihr größtes Talent wurde für die im Aufbau befindliche Nationalmannschaft vorgesehen, zog aber auch das Interesse westdeutscher Vereine auf sich.

Der Hamburger SV lud Alpert zum Probetraining ein, doch der konspirative Besuch im Westen endete an der Bremer Brücke. Hier machte der Nachwuchsstar mit dem Freund und Kollegen Hansi Kovermann Station – und Heinrich Hüggelmeyer witterte seine Chance. Der Geschäftsführer der Lila-Weißen hatte in der „Fußball-Woche“ gelesen, wer da zu Besuch war und lud Alpert nicht nur ins eigene Haus, sondern auch gleich zum Probetraining ein. Die Großstadt an der Elbe wurde vom Reiseplan gestrichen: „Hamburg haben wir dann gar nicht mehr gesehen!“, so Hansi Alpert.

Flucht in den Westen

Nach der Rückkehr in die DDR wurde der „Transfer“ des Stürmers generalstabsmäßig geplant. Der Osnabrücker Architekt Neddermann steckte Hansi Albert in Berlin Westgeld zu, das die Mutter in eine Schulterklappe einnähte. Mit Fluchthelfern ging es zu einer unregelmäßig bewachten Stelle an der deutsch-deutschen Grenze, und dann trennte Alpert nur noch eine Kiesgrube vom Leben im Westen. „Ich war immer ein guter Leichtathlet und brauchte nur 8,2 Sekunden auf 75 Metern. Aber so schnell wie am 15. Oktober 1950 bin ich wohl noch nie gerannt!“, erinnerte er sich später.

Uwe Seeler freut sich auf den Zug nach Hamburg

Gut vier Wochen nach seiner spektakulären Flucht trug er bereits das Trikot der Lila-Weißen und spielte sich gleich beim ersten Auftritt gegen Bremerhaven 93 in die Herzen der Osnabrücker. Zwei Treffer in der 10. und 11. Minute steuerte Hansi Alpert am 19. November 1950 zum 5:1-Erfolg des VfL bei. Bis 1962 erzielte er in der Liga 29 weitere Tore und überzeugte unzählige Male als Vorbereiter. Er brillierte als linker Flügelspieler, Rechtsaußen oder Mittelstürmer und ließ sich später zum Verteidiger umfunktionieren.

Auch mit der bescheidenen Entlohnung kam Hansi Alpert einigermaßen zurecht. Da er im Westen noch nicht als volljährig galt, erhielt der Amateur zunächst nur eine „Aktivitätszulage“ von 10 DM, die später auf ein Monatsgehalt von 320 DM angehoben wurde. Kein Wunder also, dass Alpert ab 1953 wieder als Installateur arbeitete. Wie viel er den Lila-Weißen tatsächlich wert war, zeigte sich, als Eintracht Braunschweig den Offensivallrounder, der zum Olympialehrgang des DFB eingeladen und auch von Bundestrainer Sepp Herberger beobachtet wurde, abwerben wollte. Der VfL verlangte eine Ablösesumme von 90.000 DM …

Die großen Spiele der 1950er und frühen 60er Jahre, die Teilnahme an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft (51/52), der Gewinn des Nord-Pokals gegen den HSV (1958) oder die internationalen Auftritte im Intertoto-Cup sind unvergessene Momente der Vereinsgeschichte. Wenn Alpert an die lange vergangenen Zeiten zurückdenkt, erinnert er sich besonders gern an die imposante Geräuschkulisse, die 30.000 Zuschauer an der Bremer Brücke entfesseln konnten. Kein leichtes Pflaster – auch nicht für große Namen. „Der Uwe Seeler war immer froh, wenn er nach dem Spiel wieder am Bahnhof stand!“, gab Alpert schmunzelnd zu Protokoll.

Nach der aktiven Laufbahn

60 Jahre sind vergangen, seit Hansi Alpert seine Fußballschuhe an den Nagel hängte, die Meisterprüfung bestand und als selbständiger Sanitärinstallateur eine Werkstatt am Blumenhaller Weg und später ein Ladengeschäft an der Meller Straße eröffnete. Der passionierte Handwerker arbeitete bis ins fortgeschrittene Alter von 70 Jahren. Erst nach dem Tod seiner Frau Ingeborg zog sich er sich schrittweise ins Privatleben zurück.

Dem Verein, für den er zwischen 1950 und 1962 insgesamt 206 Spiele in der damals erstklassigen Oberliga Nord bestritt, blieb Hansi Alpert über die Jahrzehnte treu. Nach seiner aktiven Laufbahn war er stets ein gern gesehener Gast an der Bremer Brücke und auch mit 90 Jahren nimmt er trotz gesundheitlicher Einschränkungen noch Anteil an den Geschicken der Lila-Weißen. „Ich freue mich immer, wenn ich etwas vom VfL höre“, strahlte der Jubilar kurz vor dem großen Geburtstag, zu dem ihm sicher alle Osnabrücker von ganzem Herzen alles Gute wünschen!


Text: Thorsten Stegemann

Bilder: VfL-Museum. Auf dem Mannschaftsfoto, das die Sieger des Nordpokals im Jahr 1958 (3:2-Finalsieg gegen den Hamburger SV) zeigt, ist Hansi Alpert in der unteren Reihe als Zweiter von rechts zu sehen.