Helmuth Johannsen sorgte im Mai 1965 für ein Unikum im deutschen Profifußball. Während er im Hauptberuf den Bundesligisten Eintracht Braunschweig coachte, wurde er auch noch Cheftrainer beim damaligen Regionalligisten Holstein Kiel.

Im Gründungsjahr der Bundesliga wechselte Helmuth Johannsen von Saarbrücken nach Braunschweig und führte seine Mannschaft über die Plätze 11, 9 und 10 zur ersten, einzigen und bis heute unvergessenen Deutschen Meisterschaft im Jahr 1967. Am letzten Spieltag bezwangen die Löwen den 1. FC Nürnberg mit 4:1, was das direkte Duell der ärgsten Verfolger 1860 München und Eintracht Frankfurt (2:1) bedeutungslos machte.

Der größte Triumph der Vereinsgeschichte war vor allem ein Verdienst des Trainers, der aus Nobodys eine Mannschaft geformt, über Jahre aufgebaut und ihr eine klare Struktur und Taktik verordnet hatte. Die herausragende Abwehr kassierte nur 27 Gegentore, am zweitbesten verteidigte der BVB, der allerdings schon 41 Treffer hinnehmen musste. Johannsen galt freilich auch als „harter Hund“, für den Disziplin über alles ging. „Er hat uns richtig geschliffen. Selbst Felix Magath ist in dieser Beziehung nichts gegen Johannsen“, erinnerte sich sein Spieler Horst Simon.

Wenn der Erfolg so etwas kann, gab er dem Arbeitersohn, der liebend gern für den FC St. Pauli gespielt hätte, seine aktive Laufbahn aber wegen einer Kriegsverletzung aufgeben musste, am Ende Recht. Nicht nur in Braunschweig, sondern auch in Kiel, wo Trainer Helmut Ullmann einen Spieltag vor Ende der Saison 1964/65 entlassen wurde. Johannsen sprang – im Einverständnis mit seinem Stammverein – in die Bresche und führte die Störche erst zu einem 8:1-Kantersieg gegen Harburg, ehe es in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga gegen Borussia Mönchengladbach, Reutlingen 05 und Wormatia Worms ging. Den Kickern von der Förde fehlten am Ende zwei Punkte auf Mönchengladbach und einer auf Reutlingen, doch so nah wie 1965 kam Holstein Kiel dem Fußball-Oberhaus erst Jahrzehnte später wieder.

Helmuth Johannsen kehrte nach Braunschweig zurück, wo er bis 1970 blieb, um dann Hannover 96 zu übernehmen. Später führte er Röchling Völklingen in die Aufstiegsrunde zur Bundesliga und Tennis Borussia Berlin zum direkten Aufstieg in die Beletage. Mit Grasshoppers Zürich feierte Johannsen dann den zweiten großen Titel seiner Karriere: 1978 wurde er Schweizer Meister und sorgte auch im internationalen Wettbewerb für Furore, so etwa als seine Mannschaft im Europapokal der Landesmeister Real Madrid aus dem Wettbewerb warf. Mit seinem Engagement beim VfL Bochum kehrte er noch einmal in die Bundesliga zurück, seine letzte Trainerstation war dann der FC St. Gallen. Helmuth Johannsen starb am 3. November 1998 in seiner Geburtsstadt Hamburg.


Text: Thorsten Stegemann
Bild: Helmuth Johannsen als Teilzeittrainer bei Holstein Kiel (©Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bildnachlass Friedrich Magnussen (1914-87), CC BY-SA 3.0 DE Deed)