Sieben Aufstiege und acht Abstiege zwischen Zweit- und Drittklassigkeit prägten die Geschichte des VfL in den vergangenen Jahrzehnten. Energie Cottbus wurde von den Turbulenzen des Fußballgeschäfts ähnlich häufig und noch deutlich weiter umhergetrieben Seit dem Aufstieg in die DDR-Oberliga 1973 gelang den Lausitzern stolze zehnmal der Sprung in die nächsthöhere Liga. Es gab aber auch Rückschläge – in vier unterschiedlichen Spielklassen.
Zu stark für die DDR-Liga, zu schwach für die DDR-Oberliga – so simpel sah die Cottbuser Fußballrealität vor dem Fall der Mauer aus. Die Gründe waren allerdings nicht nur sportlicher Natur. Für herausragende Talente interessierte sich im politisch indoktrinierten Sportsystem unter anderem Dynamo Berlin, der Klub von Stasi-Chef Erich Mielke. So kehrte man nach den Aufstiegen 1973, 1975, 1981 und 1986 direkt wieder in die zweitklassige DDR-Liga zurück. Erst 1988/89 eroberten die erneut aufgestiegenen Lausitzer am Ende der Saison den 10. Tabellenplatz und konnten so erstmals einen Klassenerhalt in der höchstmöglichen Liga feiern.
Nach der Wende musste sich Cottbus durch die Untiefen der drittklassigen Amateur-Oberliga und der dann neu gegründeten Regionalliga kämpfen, ehe unter Kulttrainer Eduard Geyer die spektakuläre Rückkehr ins Rampenlicht gelang. 1997 erspielte sich Energie nach einem 0:0 bei Hannover 96 einen 3:1-Erfolg im eigenen Stadion und stieg in die 2. Bundesliga auf. Überschattet wurde das dramatische Entscheidungsspiel allerdings von üblen rassistischen Ausfällen eines Teils der Cottbuser Fans gegen die damaligen 96-Spieler Otto Addo und Gerald Asamoah.
Nur eine Woche später traf Energie – noch immer als nomineller Amateurverein – im DFB-Pokalfinale auf den VfB Stuttgart. Erst hier wurde der Siegeszug der Geyer-Schützlinge gestoppt. Gegen das magische Dreieck, das Krassimir Balakow, Fredi Bobic und Giovane Elber auch im Berliner Olympiastadion aufspannten, mussten sich die Lausitzer am Ende mit 0:2 geschlagen geben.
Ihr Erfolgsweg ging trotzdem weiter und nachdem man drei Jahre in der Amateur-Oberliga und drei Jahre in der Regionalliga gespielt hatte, war ungefähr klar, wie lange der Aufenthalt im Fußballunterhaus dauern würde. 2000 führte „Ede“ Geyer sein Team in die Bundesliga, nicht ahnend, dass sich die Cottbuser „Dreijahres-Regel“ zwischen 1. und 2. Liga tatsächlich noch bis 2009 fortsetzen würde. Doch mit dem Auf und Ab war auch dann noch nicht Schluss. Nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga, dem 2014 das Abrutschen in Liga 3 und zwei Jahre später sogar der Sturz in die Regionalliga Nordost folgte, spielte Energie Cottbus maximal fünf Jahre in einer Liga. Gut möglich, dass auch die aktuelle Zeit in der 3. Liga schon bald wieder zu Ende geht.
Trotz dieser Fieberkurve hat sich der Verein über Jahrzehnte in der ost- und gesamtdeutschen Fußballszene etabliert und immer wieder bewiesen, dass es sich wirklich lohnt, notfalls noch einmal von vorne anzufangen und grundsätzlich niemals aufzugeben.
Text: Thorsten Stegemann
Bild: Erstliga-Fußball hatte zu DDR-Zeiten in Cottbus eher Seltenheitswert. 1986/87 spielten die Lausitzer aber wieder ganz oben mit – hier setzt sich Frank Vogel gegen Olaf Hirsch von Union Berlin durch © Bundesarchiv, Bild 183-1986-0927-013 / Settnik, Bernd / CC-BY-SA 3.0
