Gleicher Endstand, gleicher Torschütze: Für den VfL Osnabrück ergaben sich in den letzten Wochen – wie auch gestern gegen den FC Ingolstadt – immer wieder erfolgreiche Déjà-vus. Dabei war es aber eben eine geschlossene Mannschaftsleistung, die die VfL-Fans auch im Audi-Sportpark jubeln ließ.
„Die Zahlen sprechen für sich. Deswegen beschwere ich mich da nicht“, gab sich Ismail Badjie am gestrigen Samstag am Mikrofon bei MagentaSport gelassen auf die Frage, ob er nicht gerne auch mal wieder in der Startelf stehen würde. Schließlich waren sechs seiner acht Saisontore Treffer zum 1:0, viermal blieb sein Tor, wie auch gestern, der einzige Treffer des Tages, und eben sechsmal traf der 20-Jährige nach Einwechslung. So kommt es nicht von ungefähr, dass der Flügelstürmer mittlerweile den Spitznamen „Decider“ unter den Mannschaftskollegen trägt. Dabei sorgten eben jene Mannschaftskollegen auch im Audi-Sportpark lange dafür, dass Badjie in der 61. Minute beim Stand von 0:0 in die Partie kam. In der Defensive rückte beispielsweise Theo Janotta für den gelbgesperrten Yigit Karademir in die Anfangsformation und legte prompt die beste Zweikampfquote aller VfL-Spieler (73,3 Prozent) an den Tag. In der Luft gewann der 1,96 m große Innenverteidiger gar alle seine Duelle. „Ich denke, am Anfang haben wir ein paar Minuten gebraucht, um reinzukommen. Aber als die Abstände dann da waren, haben wir gut das Spiel gemacht. Gerade in der zweiten Halbzeit sind wir dann immer besser ins Spiel gekommen, hatten Chancen zum Abschluss und dann das glücklichere Ende“, fasste der 22-Jährige selbst das Spiel nach seinem 15. Drittligaeinsatz im Interview bei VfL-TV zusammen.
Auf den Außenbahnen leiteten immer wieder Tony Lesueur und Patrick Kammerbauer die lila-weißen Offensivaktionen ein. Zwar kamen die Osnabrücker in den ersten 45 Minuten kaum zu Abschlussgelegenheiten, wenn, war jedoch stets Tony Lesueur beteiligt. So wies der Franzose nach der Partie gemeinsam mit Robin Meißner die meisten Torschüsse des Spiels (5) auf. Im Drittligavergleich schoss an diesem Spieltag nur Lars Gindorf öfter auf den gegnerischen Kasten (6). Zudem überzeugte der 25-Jährige auch mit der besten Passquote beim VfL (90,5 Prozent). Aber auch auf der rechten Schiene herrschte bei den Osnabrückern gegen die „Schanzer“ viel Betrieb. 70 Ballaktionen und damit mehr als alle anderen Lila-Weißen verzeichnete Patrick Kammerbauer am Samstagnachmittag. Zudem lieferte er auch vier Torschussvorlagen für seine Mannschaftskollegen. Einzig Christian Viet vom MSV Duisburg sorgte mit fünf Torschussvorlagen im Ligavergleich für noch mehr Torgefahr. Und auch beim letztendlich entscheidenden Treffer des Tages stand der 29-Jährige im Mittelpunkt des Geschehens. Schließlich fiel der Ball nach seinem abgewehrten Schussversuch im Sechzehner vor die Füße des bereits angesprochenen Ismail Badjie. VfL-Cheftrainer Timo Schultz betonte im Interview bei MagentaSport nach der Partie ausdrücklich, dass der Treffer für ihn keinesfalls nur Glück gewesen sei: „Klar kann man da immer von Glück sprechen. Aber wir haben die Zonen besetzt. Das ist für mich das Entscheidende. Und auch bei diesem zweiten Ball, wo Kammer schon am zweiten Pfosten ist, sind wir eigentlich überbesetzt. Und ja, es ist vielleicht glücklich, dass er ihm [Badjie] vor die Füße prallt, aber dadurch, dass er eben in der Zone ist, wo er auch hingehört, kriegt er den Ball.“
Trotz keines weiteren Treffers am gestrigen Nachmittag durfte Timo Schultz sieben Minuten später ein zweites Mal jubeln. Denn in der Defensive rettete sein Schlussmann Lukas Jonsson mit einer Glanzparade die insgesamt 19. weiße Weste der Saison. „Es ist, glaube ich, die größte Qualität, die ein Torwart haben kann, wenn du gefühlt in 88 Minuten nur zwei Bälle draufkriegst, die du auch halten musst. Und ganz am Ende dann einen Schuss durch die Beine, doppelt abgefälscht, auf das Tor bekommst. Er macht eigentlich noch einen Schritt in die andere Richtung. Hat er überragend gehalten, und das ist genau so viel wert wie ein Tor“, erläuterte Schultz nach der Partie. Der Schwede selbst fasste die Situation bei VfL-TV wie folgt zusammen: „I do what I can and sometimes you don’t have time to think. You have to act on your instinct. And luckily today I could save it.“ Dabei hatte dessen Vordermann Theo Janotta bei der Situation schon Schuldgefühle: „Da waren wir einmal kurz unabgestimmt. Da musste ich nach links und Nikki nach rechts. Dann geht der Ball durch meine Beine. Da dachte ich nur: Scheiße, weil wir eigentlich im Training immer sagen, dass die Beine zu sein müssen. […] Aber Lukas hält den einfach überragend. Und da wusste ich auch, das Ding ist durch.“
Generell hatte Osnabrücks Schlussmann eigentlich einen arbeitsarmen Tag. Nur acht Torschüsse musste der 33-Jährige abwehren. Einzig die „Zebras“ aus Duisburg haben an diesem Spieltag noch weniger Schüsse zugelassen. Die defensive Teamleistung hob Jonsson nach dem Spiel ebenfalls hervor: „I think you can see that, as a team, we don’t concede many chances. We defend well across the whole pitch, from the strikers all the way down to me. So we’re a team that’s difficult to score against.“
Dass die Lila-Weißen als geschlossene Einheit nicht nur während der 90 Minuten auf dem Platz agieren, zeigte sich auch nach dem Abpfiff, als die Mannschaft auf dem Rasen, auf den sich im Interview befindenden Ismail Badjie wartete, um anschließend mit den 1.100 mitgereisten Fans den elften Auswärtssieg der Saison zu feiern. „Es war schon sehr geil. Gerade als Isy dann nochmal gekommen ist und wir nochmal umgedreht sind. Das macht schon Spaß“, zog Theo Janotta ein Fazit zum Jubel nach dem Spiel.
Ob der Mann des Tages am nächsten Wochenende dann wieder als „Decider“ in das Spiel eingreift oder von Beginn an auf dem Platz steht, wird für Timo Schultz schließlich eine knifflige Entscheidung. „Isy ist vor allem ein Spieler, der über die Qualität der Aktionen kommt. Er ist noch nicht so weit, dass er wirklich immer wieder anreiben kann, sondern er ist jemand, der dann auch eine Pause braucht, wenn er eine Aktion hatte. Da musst du dir dann als Trainer überlegen: Bringe ich ihn in den ersten 60 Minuten, wo die anderen auch noch alle frisch sind, weil er normalerweise von seiner reinen Qualität auf den Platz gehört? Oder eben ganz am Ende, wenn es halt entscheidend wird und die anderen vielleicht auch müde sind“, erklärte der 48-Jährige bei MagentaSport. Am kommenden Samstag empfängt man an der heimischen Bremer Brücke schließlich den Sportclub Verl (Anpfiff: 14:00 Uhr). Im Hinspiel musste man bei den Ostwestfalen die höchste Auswärtsniederlage der bisherigen Saison (1:4) hinnehmen. Timo Schultz und der VfL Osnabrück wollen sich dafür vor einem erneut ausverkauften Heimbereich revanchieren und die Tür zur 2. Bundesliga ein weiteres Stück öffnen.
Text: Jendrik Greiwe
Fotos: Jonas Jürgens & Fabian Frommeyer






