Mit Jonas Krumrey steht in der kommenden Saison zwar mit 22 Jahren ein noch recht junger, aber dennoch außerordentlich erfahrener Keeper beim VfL zwischen den Pfosten. So hütete er bereits in drei verschiedenen Ländern das Tor und möchte nun auch in der Hasestadt für Heldenmomente sorgen.

Geboren und aufgewachsen ist Krumrey tief im Süden Deutschlands in Prien am Chiemsee. Bereits in jungen Jahren kam er vor allem durch seine beiden älteren Brüder Raphael und Samuel zum Fußball. „Nachdem ich mit Tennis und Fußball gleichzeitig begonnen habe, hat mir Fußball einfach so viel mehr Spaß gemacht und ich wollte im Verein und in einer Mannschaftssportart spielen“, so Krumrey in einem Interview mit der OVB-Heimatzeitung im Juni 2021. Sein allererster Fußballverein war somit der TuS Prien, bei dem auch seine beiden Brüder kickten. Zunächst agierte er als treffsicherer Stürmer. Kurz vor einem Spiel verletzte sich jedoch der etatmäßige Torwart seiner Mannschaft, sodass Krumrey kurzfristig ins Tor rücken musste. „Ich war damals schon recht groß und es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht, also bin ich im Tor geblieben“, erinnerte sich Krumrey im September 2025 in einem Interview mit Holstein Kiel. Seit seinem achten Lebensjahr steht er also im Kasten, wobei er in der Mannschaft seines älteren Bruders auch noch einige Jahre als Feldspieler auflief.

In der D-Jugend folgte schließlich sein erster Vereinswechsel zum TSV 1860 Rosenheim, von dem er zuvor bei einer Sichtung entdeckt worden war. Mit Florens Koch wurde Krumrey dort von einem jungen, engagierten und ebenfalls talentierten Trainer betreut. Koch wechselte später in die Jugendakademie von Red Bull Salzburg und wurde dort Co-Trainer von Matthias Jaissle, mit dem er aktuell bei Al-Ahli in Saudi-Arabien tätig ist. Für Krumrey ging es schließlich 2016 zum FC Bayern München. Ein Jahr pendelte er täglich in die Jugendakademie des Rekordmeisters und wurde dort unter anderem auch von Tom Starke trainiert. Anschließend wagte Krumrey den Schritt ins österreichische Nachbarland, was zunächst nicht bei allen Familienmitgliedern für Begeisterung sorgte.

„Ich bin dann mit 14 Jahren in die Akademie von Red Bull Salzburg gezogen. Das war für meine Mutter am Anfang natürlich nicht leicht.“ Schnell gewöhnten sich jedoch sowohl Krumrey als auch seine Mutter, die ihren Sohn zuvor oft nach München gefahren hatte, an die neue Lebenssituation. Der Schlussmann wurde mit den Salzburgern in der U15, U16 und U18 jeweils österreichischer Meister. Mit großer Begeisterung verfolgte dies auch sein Vater Florian Krumrey, der selbst eine erfolgreiche Sportkarriere hinter sich hat und zehn Jahre lang als Tennisprofi durch die Welt reiste. Heute ist der 56-Jährige im Sportmarketing tätig und berät unter anderem Ex-Nationalkeeper Timo Hildebrand. Den ein oder anderen Tipp vom Vater holt sich Krumrey regelmäßig ab, auch wenn dieser selbst weiß, worauf es letztlich ankommt: „Talent, Disziplin und eine hohe Eigenmotivation sind das höchste Gut im Profisport, egal wie gut man vernetzt ist“, so Florian Krumrey gegenüber der OVB-Heimatzeitung. Jonas Krumrey selbst schätzt den Rat seines Vaters sehr: „Er hilft mir sehr oft und steht auch immer hinter mir. Er findet immer die richtigen Worte, wenn es mal nicht gut läuft, und baut mich auf. Er kann dabei auf seine Erfahrungen aus dem Tennis zurückgreifen und unterstützt mich damit sehr.“ Auch die Leidenschaft für Schlägersportarten teilt der Torwart mit seinem Vater. So spielt er in seiner Freizeit gerne Padel oder ist auf dem Golfplatz zu finden.

Auf dem Fußballfeld ging es für Krumrey nach der U18-Meisterschaft weiter steil bergauf. In der Saison 2021/22 wechselte er zum FC Liefering, dem Kooperationsverein der Salzburger. In der zweiten österreichischen Liga sammelte er in zwölf Einsätzen seine ersten Erfahrungen im Herrenbereich. Zuvor hatte er bei RB Salzburg seinen ersten Profivertrag unterschrieben. Im Zuge der Vertragsunterzeichnung war der damalige Sportdirektor Christoph Freund voll des Lobes für den damals 17-jährigen Schlussmann: „Jonas ist einer jener Spieler, der bei uns den Fußball von morgen verkörpert. Er ist noch sehr jung, verfügt aber über außerordentlich großes Talent und steht nicht zufällig schon im Kader des FC Liefering.“

Auch in den folgenden beiden Spielzeiten hütete Krumrey den Kasten des FC Liefering. Zwischendurch lief er für die Salzburger in der Saison 2022/23 auch in der UEFA Youth League auf, wo man erst im Achtelfinale an Real Madrid (1:3) scheiterte. Selbst im legendären San Siro stand Krumrey bereits zum Aufwärmen auf dem Rasen. In der Saison 2023/24 gehörte er zum Champions-League-Kader des FC Salzburg (Name von Red Bull Salzburg in internationalen Wettbewerben) und stand in der Gruppenphase in fünf Partien im Aufgebot. Nachdem er sich endgültig als Stammkraft in der zweithöchsten Spielklasse Österreichs etabliert hatte, wurde er im Sommer 2024 an den dänischen Erstligisten Lyngby Boldklub ausgeliehen. Dort folgte jedoch die erste schwierigere Phase seiner Karriere. Zwar stand er direkt nach seiner Ankunft im Vorort von Kopenhagen viermal in Folge in der Startelf, konnte sich aber anschließend, auch bedingt durch einige unglückliche Verletzungen, jedoch nicht dauerhaft gegen seinen Konkurrenten Jannich Storch durchsetzen. So kehrte der Priener nach einer Saison zwar mit lediglich vier Pflichtspieleinsätzen, aber dennoch um einige wertvolle Erfahrungen reicher im Juni 2026 nach Salzburg zurück.

Einen langen Sommerurlaub wurde dem damals 21-Jährigen jedoch nicht gewährt. Stattdessen reiste er mit Red Bull Salzburg zur FIFA-Klub-WM in die USA. Dreimal stand er gegen CF Pachuca, Al-Hilal und Real Madrid im Kader, kam jedoch nicht zum Einsatz. Schnell wurde ihm klar, dass er auf der Suche nach mehr Spielpraxis eine neue Herausforderung benötigte.

Mit Holstein Kiel war diese schnell gefunden. Da die „Störche“ zu diesem Zeitpunkt ein Trainingslager in Minnesota absolvierten, ging es für Krumrey zunächst erneut in die USA. Nur wenige Tage nach seiner Ankunft stand er bereits im Testspiel gegen Minnesota United für die KSV auf dem Platz und feierte beim 0:0 direkt seine erste Weiße Weste. Auch in den folgenden Wochen der Vorbereitung überzeugte der 1,93 Meter große Torwart seinen neuen Trainer Marcel Rapp, sodass er als Stammkeeper in die Zweitligasaison startete. Insgesamt absolvierte er 23 Einsätze für die Kieler und gehörte in der Vorrunde zu den besten Kielern, wobei er sieben Siege feierte und sechsmal ohne Gegentor blieb. Sogar eine Torvorlage konnte Krumrey in der vergangenen Spielzeit verbuchen, als er im Heimspiel gegen Fürth nach einem gegnerischen Eckball in der Nachspielzeit schnell umschaltete und mit einem weiten Abwurf John Tolkin bediente. Aufgrund der allgemein schwierigen sportlichen Lage bei Holstein Kiel wurde Trainer Marcel Rapp im Februar dieses Jahres entlassen. Den Cheftrainerposten übernahm anschließend Tim Walter, der fortan nicht mehr auf die Dienste Krumreys setzte. So bestritt dieser am 21. Februar 2026 sein vorerst letztes Pflichtspiel für die KSV.

In diesem Sommer schloss sich Jonas Krumrey nun bekanntermaßen leihweise dem VfL Osnabrück an. Dabei überzeugten den 22-Jährigen nicht nur die Gespräche mit den Verantwortlichen vor Ort. „Niklas Niehoff und Marcus Müller haben geschwärmt über diesen Verein. Sie haben sehr positiv über die Fans, die Stadt und die Verantwortlichen und den Staff gesprochen. Also es waren durchweg positive Dinge. […] Dann war es jetzt die richtige Entscheidung für mich, diesen Schritt zu machen“, verriet er nach seiner Ankunft an der Bremer Brücke im Interview bei VfL-TV. Dabei weiß er ganz genau, worauf es in der 2. Bundesliga ankommt: „Die zweite Liga ist eine sehr enge Liga. Es ist nicht immer einfach. Man hat es letzte Saison gesehen. […] Es ist wichtig, in jedem Spiel alles rauszuholen und auch über den Kampf zu kommen.“

Mit großer Vorfreude wird Krumrey sicherlich auch auf das kommende DFB-Pokalspiel gegen den FC Bayern München blicken. Schließlich könnte er dann erstmals in einem Pflichtspiel auf sein großes Idol aus Jugendzeiten treffen. „In meiner Jugendzeit war  Manuel Neuer eines meiner Vorbilder. Seine Ausstrahlung und die Art, wie er das Torwartspiel revolutionierte, haben mich damals inspiriert.“ Genau wie der fünfmalige Welttorhüter schreckt Krumrey keinesfalls davor zurück, als Anspielstation hinter der Defensivkette zu agieren: „Ich bin ein sehr mitspielender Torwart. Ich habe den Ball gerne am Fuß, spiele mit und habe Bock zu zocken.“ Besonders reizvoll findet der Schlussmann die Dramatik, die die Torhüterposition mit sich bringt. „Entweder bist du der Held oder, wenn ich das so sagen darf, der Depp des Spiels. Für mich ist das der Reiz. Es macht unglaublich Bock. Du denkst immer eher über die positiven als über die negativen Dinge als Torhüter. Du versuchst jedes Mal, aus deinen Fehlern zu lernen und dem Team zu helfen. Du bist der letzte Mann und das ist einfach ein geiles Gefühl.“

In der kommenden Zweitligasaison möchte Jonas Krumrey also möglichst oft zum Helden werden – auch wenn er sicherlich nichts dagegen hätte, wenn seine Vorderleute ihm, den ein oder anderen ereignisarmen ruhigen Nachmittag bescheren würden. Nach Stationen in Deutschland, Österreich und Dänemark will der 22-Jährige auch an der Bremer Brücke beweisen, warum ihm schon früh eine große Zukunft zwischen den Pfosten zugetraut wurde. Mit seiner internationalen Erfahrung, seiner modernen Spielweise und seinem Ehrgeiz bringt Krumrey dafür beste Voraussetzungen mit und könnte beim VfL schnell zu einer wichtigen Stütze werden.


Text: Jendrik Greiwe
Foto: Jonas Jürgens