Mit Jonathan Wensing stellte der VfL Osnabrück bereits Anfang April den ersten Neuzugang der kommenden Saison vor. Der 22-Jährige kommt vom SV Meppen in die Hasestadt. Bevor er Ende des Monats zum ersten Mal mit seinen neuen Teamkollegen auf dem Trainingsplatz stehen wird, wollen wir den Offensivallrounder einmal genauer vorstellen.
Am 5. April 2004 geboren, wuchs Jonathan Wensing im westlichen Münsterland in Wüllen bei Ahaus auf. Kurz darauf sah man ihn schon mit dem Ball am Fuß auf den örtlichen Sportplätzen herumlaufen. Seine Fußballkarriere begann er beim 1. FC Oldenburg Ahaus, bevor er diese bei Eintracht Ahaus fortsetzte. Schnell wurde klar, dass Wensing Talent hatte. So erinnerte sich auch sein allererster Trainer beim 1. FC Oldenburg, Kai Gerstenberger, in einem Interview mit der Münsterland Zeitung: „Jonathan hat bei uns immer schon einen Jahrgang höher gespielt, als er gemusst hätte. Er war klein, flink und technisch schon eine Nummer stärker als seine Mitspieler. Man konnte sein Talent schon erkennen.“ Wenig überraschend wechselte Wensing, dessen Lieblingsspieler passend zu dieser Beschreibung schon seit Kindheitstagen Lionel Messi ist, in der D-Jugend zum SC Preußen Münster und entwickelte sich auch dort schnell zum Leistungsträger. „Er ist schon ein sehr intelligenter Spieler, der mitdenkt und genau weiß, wie er sich auf dem Platz bewegen muss“, beschrieb ihn der damalige Chefscout des SCP, Kieran Schulze-Marmeling. Als Kapitän der B-Jugend trainierte Wensing somit bereits mit 16 Jahren bei den damals viertklassigen Profis der Münsteraner mit und gehörte mit 17 Jahren schließlich zum festen Bestandteil des Trainingskaders der Profis.
Diese steile Entwicklung blieb auch über die Grenzen des Münsterlandes hinaus nicht unentdeckt, sodass Wensing im Oktober 2021 erstmals eine Einladung zur U18-Auswahl des DFB erhielt. Diese bekam der damals 17-Jährige aber zunächst gar nicht mit, da der DFB eine falsche Mailadresse von Wensing vorliegen hatte. Über die Vereinsverantwortlichen von Preußen Münster kam die Einladung schließlich doch noch rechtzeitig beim Mittelfeldspieler an. Beim Lehrgang, den Wensing krankheitsbedingt früher abbrechen musste, überzeugte er dennoch, sodass er auch für die darauffolgende Länderspielreise im Dezember nach Israel eine Einladung erhielt. Diese konnte der damals 17-Jährige jedoch aufgrund eines Sehnenanrisses nicht antreten. Zwar kurierte sich der Youngster schnell von dieser Verletzung, erlitt jedoch nach nur einem Monat eine Oberschenkelverletzung und fiel mehrere Monate aus.
Nach seinem erfolgreich abgeschlossenen Abitur wagte er im Sommer 2022 erstmals den Sprung aus seiner Heimat und wechselte in die U19 des SC Freiburg. Nachdem Wensing auch dort in der Anfangsphase noch mit den Nachwehen seiner Verletzung zu kämpfen hatte, kam er neunmal für die U19 des SC Freiburg zum Einsatz und steuerte dabei eine Vorlage bei. Das Vertrauen der Breisgauer Verantwortlichen gewann Wensing trotzdem und wurde in der Folgesaison in die Zweitvertretung der Freiburger hochgezogen. Für diese lief er jedoch gar nicht mehr auf, sondern wechselte im folgenden Sommer wieder in die Nähe seiner Heimat in die Regionalliga Nord zum SV Meppen.
Auch dort waren dem Offensivmann keinerlei Anzeichen von Anpassungsschwierigkeiten in seiner ersten Saison im Herrenbereich anzumerken. Schnell etablierte er sich als Stammspieler und konnte am Ende der Spielzeit direkt seinen ersten Titel mit den Emsländern feiern. Im Finale des Niedersachsenpokals erzielte er beim 2:0-Erfolg gegen den TuS Blau-Weiß Lohne in der sechsten Minute der Nachspielzeit den zweiten Treffer des Abends. Daraufhin wünschte er sich für die erste Runde des DFB-Pokals, für die man sich dank des Landespokalsiegs qualifiziert hatte, das Los von Borussia Dortmund. Schließlich ist Wensing seit Kindheitstagen Fan des BVB. Der Wunsch blieb ihm damals allerdings verwehrt. Statt gegen die Schwarz-Gelben ging es gegen den Hamburger SV. Bei der 1:7-Niederlage stand er 61 Minuten auf dem Platz. Sein Traum von einem Duell mit Borussia Dortmund lebt also weiter und könnte sich dank seines Wechsels zum VfL doch noch erfüllen. Ob dies klappt, wird der 22-Jährige am kommenden Samstag erfahren, wenn die erste Runde des DFB-Pokals im Deutschen Fußballmuseum ausgelost wird.
Aus einem Pokalwettbewerb könnten auch einige VfL-Fans Jonathan Wensing kennen. In der Saison 2024/25 traf der SV Meppen im Viertelfinale des Niedersachsenpokals auf den VfL Osnabrück. Dort stand Wensing in der Startelf und wurde nach 88 Minuten, also kurz vor dem entscheidenden Treffer von Jannes Wulff zum 1:0-Endstand in der zweiten Minute der Nachspielzeit, ausgewechselt. Mit Jannes Wulff, der mittlerweile für den SV Drochtersen/Assel aufläuft, lieferte sich Wensing in der vergangenen Saison lange Zeit das Duell um die Meisterschaft in der Regionalliga Nord. Jonathan Wensing, mittlerweile unangefochtener Stammspieler und Leistungsträger beim SVM, brillierte dabei sowohl als Torschütze sowie auch als Vorlagengeber. Am Ende blickt er mit sieben Toren und sieben Vorlagen auf seine bislang beste Saisonleistung zurück. Dabei ist dem Offensivallrounder, der neben seiner Hauptposition im offensiven Mittelfeld auch auf den beiden Außenbahnen oder als Mittelstürmer auflief und in der vergangenen Spielzeit sowohl mit rechts, links als auch per Kopf traf, eigentlich völlig egal, ob er selbst trifft oder den entscheidenden Pass spielt. „Am wichtigsten ist, dass die Mannschaft drei Punkte holt. Dann ist die Vorlage immer genau so wichtig wie das Tor eigentlich“, so Wensing in einem Interview auf dem YouTube-Kanal des SV Meppen.
Ganz so wichtig wird dem gebürtigen Ahauser auch nicht sein, dass er sein persönlich gesetztes Ziel am Ende knapp verpasste: „Vor der Saison habe ich mir das Ziel gesetzt, 15 Torbeteiligungen zu haben. Ich bin jetzt bei 12, deswegen bin ich da auf einem sehr guten Weg“, verriet er im Interview mit der Münsterland Zeitung Ende Dezember 2025. Letztendlich krönte sich Wensing mit dem SV Meppen dank einer herausragenden Leistung zum souveränen Meister der Regionalliga Nord und feierte damit den Aufstieg in die 3. Liga. Insgesamt lief Wensing in 93 Partien (87 Regionalliga Nord, fünf Niedersachsenpokal, eine DFB-Pokal) für den SV Meppen auf, erzielte dabei 16 Tore und bereitete 13 weitere Treffer für seine Mitspieler vor.
Sich selbst beschrieb er im Vorstellungsinterview bei VfL-TV wie folgt: „Ich glaube, dass ich ein Spieler bin, der über eine sehr große Intensität kommt, eine hohe Spielintelligenz und den absoluten Willen hat, Spiele zu gewinnen.“ Den Siegeswillen legt er im Übrigen nicht nur auf dem Fußballplatz an den Tag. Eine besondere Leidenschaft pflegt er schon seit Kindheitstagen auch für den Schachsport. So qualifizierte er sich zwischenzeitlich sogar für die Deutsche U12-Jugendmeisterschaft. Aus Zeitgründen musste er den Vereinsschachsport jedoch im Laufe seiner Jugend aufgeben. Ansonsten duelliert sich der 22-Jährige auch gerne im Basketball, Darts oder Uno mit Mannschaftskollegen. Die ehemaligen Meppener Kollegen kürten Wensing im vereinseigenen „Frage der Woche“-Format zudem zum Spieler mit den besten Kochkünsten.
Neben dem Fußball bildet er sich in seiner Freizeit mit einem Fernstudium im Sportmanagement weiter oder schaut in seiner Heimat seinen Brüdern und Freunden beim Kicken zu. „Ich habe damals zwar bei Oldenburg angefangen, komme aber aus Wüllen und da spielen zwei Brüder von mir und ein paar Freunde. Deswegen bin ich, wenn es zeitlich passt, ab und zu am Wüllener Sportplatz und verfolge das ein bisschen.“
Mit Jonathan Wensing dürfen sich die Anhänger der Lila-Weißen also auf einen technisch begabten, selbstbewussten und ehrgeizigen Spielertypen freuen. Persönlich kann sich Wensing mit dem Wechsel zum VfL Osnabrück schon bald einen lang ersehnten Traum erfüllen. „Mein Ziel ist schon, mindestens zweite Liga in meinem Leben zu spielen. Natürlich würde ich auch sehr gerne höher spielen, aber ich glaube schon, die zweite Liga ist ein sehr realistisches Ziel. Das ist auf jeden Fall ein mittelfristiges Ziel. Und dann mal gucken, was noch geht.“
Text: Jendrik Greiwe
Beitragsbild: Jonas Jürgens
Bilder im Text: osnapix


