Am morgigen Sonntag trifft der VfL Osnabrück zum Abschluss des Trainingslagers in Osttirol auf den tschechischen Erstligisten FK Jablonec (Anpfiff: 15:00 Uhr). Anders als ursprünglich geplant wird die Partie nun im Dolomitenstadion in Lienz ausgetragen. Der Vorbericht.

Gegründet wurde der Gegner des VfL im Jahre 1945 unter dem Namen CSK Jablonec nad Nisou. In den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Namensänderungen. Unter dem heutigen Vereinsnamen „Fotbalový Klub Jablonec“ (FK Jablonec) tritt der Klub seit 2015 an. Zudem änderte der Verein jüngst sein Wappen, das deutlich schlichter und moderner als das vorherige erscheint und mit dem man in die kommende Spielzeit starten wird. Sportlich arbeitete sich der Verein über die Jahre immer wieder in die erste tschechische Liga vor und gehört dieser inzwischen seit 33 Jahren ununterbrochen an. In den vergangenen Jahren etablierte sich Jablonec als Verfolger der Spitzenklubs Viktoria Pilsen, Sparta Prag und des amtierenden Meisters Slavia Prag. In der vergangenen Saison belegte FK Jablonec nach der Hauptrunde den vierten Platz und qualifizierte sich damit für die im tschechischen Ligensystem etablierte Meisterrunde. Dort treffen die sechs besten Mannschaften der Hauptrunde an fünf Spieltagen aufeinander. Jablonec konnte dort jedoch lediglich einen Sieg und ein Remis einfahren. Damit landete der Klub einen Punkt hinter Hradec Králové auf Rang fünf und verpasste die Qualifikation für die UEFA Conference League denkbar knapp.

Eine bittere Niederlage erlitt der Verein auch im nationalen Pokalwettbewerb. Mit 1:3 verlor Jablonec das Finale gegen MFK Karviná. Der Frust über die Niederlage war jedoch nur von kurzer Dauer. Der Pokalsieg von MFK Karviná wurde wenig später von einem Spielmanipulationsskandal überschattet. Im Jahr 2024 sollen Spieler des Vereins versucht haben, Partien zu manipulieren. Deshalb verhängte der tschechische Ligaverband den Zwangsabstieg des Klubs, eine Geldstrafe in Höhe von 414.000 Euro sowie Sperren gegen drei Spieler. Auch die UEFA schloss den Verein aus der UEFA Europa League aus, für die sich Karviná zuvor über den Pokalsieg qualifiziert hatte. Durch diesen Dominoeffekt rückten gleich drei tschechische Vereine jeweils einen internationalen Wettbewerb nach, sodass Jablonec den Startplatz in der zweiten Qualifikationsrunde der UEFA Conference League übernahm. Dort trifft der Klub am 23. und 30. Juli auf den kroatischen Erstligisten NK Varaždin.

Trainer des FK Jablonec ist Luboš Kozel. Seit Juli 2024 ist der 55-Jährige im Amt und kommt in bislang 93 Partien auf 46 Siege sowie einen Punkteschnitt von 1,67. Der ehemalige tschechische Nationalspieler trainierte zuvor unter anderem den Ligakonkurrenten Slovan Liberec sowie verschiedene tschechische U-Nationalmannschaften. In der vergangenen Spielzeit ließ er seine Mannschaft bevorzugt im 3-4-3-System auflaufen, testete in der derzeitigen Vorbereitung jedoch auch eine Formation mit defensiver Viererkette. Zu seinen Stamm- und Leistungsträgern gehörten zuletzt unter anderem Jan Chramosta. Der Mittelstürmer ist mit 215 Einsätzen nicht nur der erfahrenste Spieler im aktuellen Kader des FK Jablonec, sondern war mit zwölf Treffern auch Toptorschütze des Vereins. Im Zuge dessen wurde der 35-Jährige im Oktober 2025 erstmals für die tschechische Nationalmannschaft nominiert. Ebenfalls großen Einfluss auf das Offensivspiel hatte Rechtsaußen Alexis Alégué, der mit sechs Toren und sechs Vorlagen Topscorer der Grün-Weißen war. Der 29-jährige Kameruner bereitete dabei unter anderem zwei Treffer von Jan Chramosta vor. Genau wie die Lila-Weißen befindet sich Jablonec aktuell im Trainingslager. Ihr Quartier haben sie dagegen in der Nähe von Salzburg aufgeschlagen und testeten währenddessen bereits gegen den Pafos FC (0:0) und am heutigen Samstag gegen den FC Liefering (1:3).

Im aktuellen Transferfenster waren die Tschechen ebenfalls bereits aktiv. Insgesamt tätigte der Verein bislang sieben Sommertransfers. Die höchste Ablösesumme wurde dabei für Innenverteidiger Dušan Pavlović fällig. Für den 22-Jährigen überwies Jablonec kolportierte 800.000 Euro an den serbischen Erstligisten Radnički Niš. Auch aus Deutschland verpflichtete der Klub erst vor wenigen Tagen einen Neuzugang. Torwart Michal Kukučka wurde für eine Saison vom 1. FC Nürnberg ausgeliehen. Der 24-jährige Slowake kam beim Club lediglich zu einem Einsatz in der 2. Bundesliga sowie zu sieben Partien für die Zweitvertretung in der Regionalliga Bayern. Im vergangenen Winter wurde er für ein halbes Jahr an den FC Koper in die erste slowenische Liga verliehen, kam dort jedoch zu keinem Pflichtspieleinsatz.

Auch der VfL Osnabrück wurde vor wenigen Tagen noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv. Mit Schienenspieler Konrad Faber verpflichteten die Lila-Weißen bereits den achten Neuzugang der laufenden Sommertransferphase. Der 28-Jährige bringt die Erfahrung aus 76 Zweitligaspielen mit an die Bremer Brücke und wird aller Voraussicht nach am morgigen Sonntag erstmals das VfL-Trikot tragen. Ebenfalls vor seinem ersten Einsatz in Lila-Weiß steht Torwart Jonas Krumrey, der beim ersten Testspiel der Saisonvorbereitung gegen den SC Melle (0:0) noch aussetzte. „Mir ist wichtig, dass wir unsere Inhalte umsetzen. Und wenn wir das hinbekommen, dann werden wir vermutlich wenig Gegentore reinkriegen und hoffentlich auch ein paar schießen“, schaute Cheftrainer Timo Schultz am Samstagmittag zuversichtlich auf die morgige Partie.

Neuer Spielort und Livestream

Anders als ursprünglich geplant wird das Testspiel morgen nicht im Römerstadion in Dölsach, sondern im Dolomitenstadion in Lienz ausgetragen (Almacher Straße 16, 9900 Lienz). Vor Ort wird für interessierte Fans eine Tageskasse geöffnet sein. Für alle Lila-Weißen, die nicht vor Ort dabei sein können, wird die Partie kostenlos auf dem YouTube-Kanal des VfL übertragen. Der Livestream wird wie gewohnt von Rad-Sport Schriewer präsentiert.

Mit dem Testspiel gegen den tschechischen Erstligisten endet für den VfL zugleich das Trainingslager in Österreich. Bevor die Mannschaft die Heimreise nach Osnabrück antritt, wartet mit dem international erfahrenen FK Jablonec also noch einmal ein anspruchsvoller Härtetest, der weitere wichtige Erkenntnisse für die Vorbereitung auf die neue Saison liefern soll.


Text: Jendrik Greiwe
Foto: Jonas Jürgens