Für die Feldspieler des VfL Osnabrück stand am heutigen Tag der nächste Baustein der Leistungsdiagnostik auf dem Programm. Während die Torhüter noch frei hatten, absolvierten die Profis auf der Tartanbahn einen Laktattest. Die Untersuchung ist Teil der Vorbereitung auf die neue Saison und dient dazu, den aktuellen Ausdauerzustand der Spieler zu erfassen sowie individuelle Trainingsbereiche abzuleiten.

Der Treffpunkt war für 9:30 Uhr angesetzt, die ersten Spieler waren allerdings bereits rund eine Stunde früher vor Ort. Nach und nach füllte sich das Gebäude, auch das Trainerteam versammelte sich. Mario Richter nutzte die Zeit, um Neuzugang Joel Abu Hanna durch die Räumlichkeiten zu führen. Bryan Henning kam mit dem Rad an, während die Mitarbeitenden der Universität Paderborn bereits den Testaufbau vorbereiteten.

Auch auf Platz 1 der Illoshöhe war früh zu erkennen, dass die Bedingungen anspruchsvoll werden würden. Die Temperaturen waren bereits am Vormittag sehr hoch. Entsprechend bereiteten die Physios Lennart Bartling und Mailen Valle vor dem Start ausreichend Wasser für die Mannschaft vor. Für die Spieler war klar: Neben den vorgegebenen Laufgeschwindigkeiten würde auch die Hitze eine Rolle spielen.

Die Stimmung innerhalb der Mannschaft war dennoch gut. Viele Spieler freuten sich sichtlich auf das Wiedersehen und die gemeinsamen Tage zum Auftakt der Vorbereitung. Leonhard Münst und Luca Raimund, die bereits beim VfB Stuttgart zusammengespielt haben, kamen gemeinsam an. Nur einer fehlte: Kevin Schumacher ist bis auf Weiteres vom Trainingsbetrieb freigestellt für Gespräche mit anderen Vereinen.

Anschließend ging es für die Feldspieler raus auf die Tartanbahn. Dort wurde der Ablauf noch einmal erklärt. Der Laktattest wurde in Vierergruppen absolviert, jeder Spieler erhielt eine eigene Testnummer. Vor Beginn wurden Blutwerte genommen und das Gewicht erfasst. Danach startete das Stufenprotokoll.

Beim Laktattest wird die Belastung schrittweise gesteigert. Nach jeder Stufe erfolgt eine kurze Blutabnahme, um die Laktatkonzentration im Blut zu bestimmen. Laktat entsteht im Energiestoffwechsel des Körpers und fällt bei körperlicher Belastung vermehrt an. Entscheidend ist dabei weniger ein einzelner Wert, sondern der Verlauf: Die sogenannte Laktatkurve zeigt, wie der Körper auf steigende Intensität reagiert und ab welchem Bereich die Belastung zunehmend anspruchsvoller wird.

Für das Trainer- und Athletikteam sind diese Daten wichtig, um die Ausdauerleistungsfähigkeit der Spieler einzuordnen und Trainingsbereiche möglichst individuell festzulegen. Aus den Ergebnissen lassen sich unter anderem Hinweise auf die aerobe und anaerobe Schwelle ableiten. Vereinfacht gesagt: Die Werte zeigen, in welchen Intensitätsbereichen ein Spieler Belastung noch gut kontrollieren kann und ab wann der Körper stärker in einen Bereich kommt, in dem Ermüdung schneller einsetzt. Gerade in der Vorbereitung helfen diese Informationen dabei, Trainingsumfänge und Intensitäten gezielt zu steuern.

Das Protokoll bestand aus mehreren Laufstufen. Zunächst liefen die Spieler vier Runden in einem Tempo von 5:35 Minuten pro Kilometer. Danach folgten drei Runden bei 4:45 Minuten pro Kilometer, anschließend drei Runden bei 4:10 Minuten pro Kilometer. Die vierte Belastungsstufe hatte mit vier Runden bei 3:40 Minuten pro Kilometer die höchste Intensität. Im Anschluss folgte noch eine ruhigere Phase mit fünf Runden bei 5:35 Minuten pro Kilometer, um die Werte nach der Belastung und die Reaktion des Körpers in der Erholungsphase zu erfassen.

Der Start verlief kontrolliert. In den ersten Runden fanden die Gruppen schnell ihren Rhythmus, nach jeder Stufe folgten die Blutabnahme, eine kurze Pause und die Vorbereitung auf den nächsten Abschnitt. Mit zunehmendem Tempo wurde die Belastung sichtbar größer. Die Spieler blieben jedoch konzentriert, hielten die Vorgaben ein und arbeiteten sich geschlossen durch das Programm.

Nach der vierten Stufe war der intensive Teil des Tests geschafft. In den Gruppen wurde abgeklatscht, alle Spieler hatten die Belastungsstufen absolviert. Gerade bei den hohen Temperaturen war das ein wichtiger Abschluss des Hauptteils. Die anschließende ruhigere Laufphase diente dann vor allem der weiteren Diagnostik und dem Blick auf die Erholungswerte.

Für die sportliche Leitung und das Athletikteam liefern die Ergebnisse des Laktattests wichtige Anhaltspunkte für die kommenden Wochen. In der Vorbereitung geht es darum, Belastungen gezielt zu steuern und die Spieler Schritt für Schritt auf die Anforderungen der Saison vorzubereiten. Die erhobenen Werte helfen dabei, Trainingsumfänge und Intensitäten besser einzuordnen und individuelle Schwerpunkte zu setzen. Denn nicht jeder Spieler reagiert auf Belastung gleich: Während der eine im höheren Tempo noch ökonomisch läuft, erreicht ein anderer früher einen intensiveren Stoffwechselbereich. Genau diese Unterschiede macht die Leistungsdiagnostik sichtbar.

Am morgigen Samstag geht es dann erstmals auf den Platz. Ab ca. 10 Uhr versammelt Cheftrainer Timo Schultz seine Mannen auf Platz 1 der Illoshöhe. Auf dem YouTube-Kanal des VfL können alle Fans live dabei sein, im Livestream bekommt ihr alle Infos.

Für alle, die zur Illoshöhe kommen, gilt, sich an das extrem heiße Wetter anzupassen: Sonnenschutz, Wasser und passende Kleidung sind wichtig. Vor Ort wird aber natürlich auch für das leibliche Wohl gesorgt. Wasser wird für einen Euro angeboten.


Text: Malik Scherz
Fotos: Jonas Jürgens