Die Bremer Brücke gehört architektonisch zu den englischsten Stadien Deutschlands. Sie ist berühmt und sicher auch berüchtigt – für eine einmalige Form der Nähe, für eine besondere Atmosphäre. Insbesondere bei der Kombination aus Stimmung und Flutlicht kann sich kaum jemand einer Gänsehaut entziehen. Das nächste Mal beim Heimspiel gegen Rot-Weiss Essen. Doch direkt beim ersten Blick fällt auf, die Ecke zwischen West- und Nordtribüne wirkt wie die größte Zahnlücke der Republik, bekannt als „Omas Ecke“. Doch wie kam es dazu und wieso wurde die Lücke so getauft?

Die Geschichte von „Omas Ecke“ reicht zurück bis ins Jahr 1952. Dort entbrannte ein über Jahrzehnte andauernder Streit zwischen dem VfL und einem Anwohner, dessen Garten zu der Zeit fast bis an den Spielfeldrand reichte. In diesem Jahr wollte der VfL erstmals die Brücke anlässlich der Teilnahme an der Endrunde der Deutschen Meisterschaft ausbauen. Statt des Grundsteins für den Ausbau war genau dieses Anliegen der Auslöser für den Streit zwischen dem damaligen VfL-Präsidenten Friedel Schwarze und dem Grundstückseigentümer.

Selbst nach dem Tod führte dessen Witwe den Streit mit dem VfL fort. Die Geschichte besagt, dass die Witwe ihrem Ehemann auf dem Sterbebett versprechen musste, niemals an den VfL zu verkaufen. Sie versprach und hielt Wort.

Nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga unternahm der VfL 2008 im Zuge des Neubaus der Nordtribüne von einem unüberdachten Steh- zu einem überdachten Sitzplatzbereich einen neuen Versuch, das Grundstück zu erwerben und das Stadion zu schließen – ohne Erfolg. Die Witwe des verstorbenen Eigentümers bleib stur und hielt an ihrem Versprechen fest. Entsprechend blieb auch die Verbindung zwischen Nord- und Westtribüne frei, ein Teil der Nordtribüne unüberdacht und der Platz wurde für die Installation einer zweiten Anzeigetafel genutzt.

Erst im Jahr 2010, nachdem die Ehefrau des verstorbenen Eigentümers selbst verstarb, konnte der Streit mit den Erben beigelegt werden, wodurch erst der Kauf des Teilstücks für 200.000 Euro realisiert und folgend das noch unüberdachte Teilstück der Nordtribüne fertiggestellt werden konnte.

Zwischenzeitliche Überlegungen in der nach wie vor freien Ecke einen sogenannte „VIP-Tower“ mit insgesamt 12 Logen zu bauen, wurden auch nach großem öffentlichem Unmut verworfen. So heißt die Zahnlücke an der Bremer Brücke in Anlehnung an die historische Herleitung bis heute liebevoll „Omas Ecke“ und zum Heimspiel gegen Rot-Weiss Essen (09. September, 19:00 Uhr) bekommt sie eine besondere Würdigung.

Auf dem Parkplatz hinter der Tribüne wird ein besonderer Outdoor-VIP-Bereich installiert, der als „VIP in Omas Ecke“ eine besondere Atmosphäre für rund 200 Gäste bieten wird, die das mit Spannung erwartete Spiel unter Flutlicht von der Nordtribüne verfolgen können – nur noch wenige Plätze sind verfügbar!

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Das Foto zeigt die Bremer Brücke aus den 1950er Jahren, auf dem oben rechts das Gartengrundstück zu sehen ist. Es war durch eine Mauer zum Stadion abgetrennt, an der die Zuschauer entlang gehen mussten.


Text: Sebastian Rüther
Foto: Archiv